Die Ludwigsburger Strenger-Holding GmbH hat in Nachbarschaft zum Veielbrunnenpark fast 90 Wohnungen gebaut, die noch in diesem Jahr bezugsfertig sein sollen. Foto: Uli Nagel

Es herrscht große Zurückhaltung bei potenziellen Investoren: Von den im Neckarpark in Stuttgart geplanten rund 850 Wohnungen wurden erst wenige realisiert. Ein Überblick.

Die Aufsiedelung des 22 Hektar großen ehemaligen Güterbahnhof-Geländes zwischen Daimlerstraße, Wasen und Bahndamm macht Fortschritte. Von insgesamt 29 Einzelquartieren (Q) sind mittlerweile acht fertig. Neben den vier Dibag-Gebäuden entlang der Daimlerstraße sind auch das Sportbad sowie das Quartiersparkhaus abgeschlossen. Auf der Zielgerade befinden sich zudem das rund 100 Millionen Euro teure Bildungszentrum, die „Stuttgarter Höfe“ der Bülow AG sowie das Parkside-Projekt der Ludwigsburger Strenger-Gruppe.

Auf dieser Brachfläche sollen in den kommenden Jahren rund 530 Wohnungen entstehen. Foto: Uli Nagel

Was aus städtischer Sicht wichtig war: Die Stuttgarter Feuerwehr wird entlang der Benzstraße in drei Quartiere investieren. „Das Thema Riegelbebauung als Lärmschutz für den dahinter liegenden Wohnungsbau ist damit erledigt“, sagt Corinna Althanns, beim Stadtplanungsamt für den Bereich Neckar verantwortlich. Rund 530 Wohneinheiten sollen entlang des Grünzugs am Bahndamm in den kommenden Jahren gebaut werden. Doch der Wohnungsbau kommt angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen nicht in die Gänge. Nachfolgend ein Überblick.

Fertiggestellte Projekte

Q 16: Das 20 Millionen Euro teure Quartiersparkhaus dient zum einen den Bewohnern als Parkhaus (344 Autostellplätze) und Fahrräder (rund 300 Stellplätze), zum anderen gewährleistet es über die integrierte Energiezentrale die Wärmeversorgung des neuen Stadtteils. Q 19: 2022 wurde das 44 Millionen Euro teure Sportbad eröffnet. Q 1/Q 4/Q 7: Die drei Quartiere hat die Münchner Dibag errichtet, zwei davon auf Q 4 und Q 7 im Auftrag der Volksbank Stuttgart eG für rund 70 Millionen Euro.

Kolping Bildungszentrum im Neckarpark

Q 8: Das Gelände Ecke Daimler-/Mercedesstraße hatte sich ebenfalls die Dibag gesichert. Das Projekt wurde 2024 abgeschlossen. Neben Büros und Dienstleistung hat hier auch das Kolping Bildungszentrum (600 Schülerinnen und Schüler) eine Heimat gefunden.

In das Dibag-Gebäude ist auch das Kolping Bildungshaus eingezogen. Foto: Uli Nagel

Im Bau oder kurz vor der Fertigstellung

Q 9: In den zwei Bülow-Gebäuden „Stuttgarter Höfe sind neben Büros und Flächen für Gastronomie und Dienstleistungen und ein Hotel (Aparthotellerie-Spezialist Adagio mit fast 120 Zimmern) entstanden. In den 123 Wohn-Apartments sind die ersten Bewohner eingezogen. Für die Kindertagesstätte konnte die Kindervilla GmbH als Mieter gewonnen werden.

Q 6.1: Die Ludwigsburger Strenger Holding GmbH hat in Nachbarschaft zum Veielbrunnenpark fast 90 Wohnungen gebaut, die noch in diesem Jahr bezugsfertig sein sollen. Die Vermarktung läuft bereits. Das Erdgeschoss ist für Gewerbeflächen und eine Kindertagesstätte reserviert. Q 10: Zum künftigen Bildungszentrum Neckarpark gehören eine vierzügige Ganztagsgrundschule, eine siebengruppige Kindertagesstätte, eine Zwei-Feld-Sporthalle mit 150 Zuschauerplätzen, eine Volkshochschule mit Mittelzentrum und eine Tiefgarage. Mit Beginn des Schuljahrs 2025/26 soll das Bildungszentrum in Betrieb genommen werden.

Darauf muss die Mehrzwecksporthalle (Q 22) – Spatenstich war im April 2024 – noch zwei Jahre warten. Auf 5000 Quadratmetern entsteht bis 2027 für gut 35 Millionen Euro ein Sportzentrum für die Bundesstützpunkte Beachvolleyball und Judo in Kombination mit einer Zwei-Feld-Sporthalle für den leistungsorientierten Handballsport.

In Planung

Auf der Fläche Q 5 gegenüber dem Volksbankgebäude wollten die Baugenossenschaften Bad Cannstatt, Münster und Luginsland gemeinsam rund 100 Wohneinheiten bauen. Angesichts fehlender Wirtschaftlichkeit hat sich das Trio entschlossen, doch nicht zu investieren. Jetzt soll die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebau GmbH (SWSG) in die Bresche springen. Q 6 ist für Baugemeinschaften jeglicher Art vorgesehen. Die benachbarten beiden Flächen Q 2/Q 3 oberhalb der Frachtstraße sind hauptsächlich für Wohnungsbau eingeplant. Gespräche werden geführt, Investoren gibt es noch nicht.

Feuerwehr zieht in den Neckarpark

Die Branddirektion Stuttgart investiert auf den Flächen Q 16.1, Q 17 und Q 18 entlang der Benzstraße. Auf Q 18 soll die Integrierte Leitstelle Stuttgart, die ihren Standort bisher in der Mercedesstraße hat, ein Gebäude erhalten. Auf den beiden anderen Flächen soll unter anderem die Hauptverwaltung angesiedelt werden.

In den Quartieren Q 15 (Supermarkt, betreutes Wohnen und Pflege), Q 15.1 (Bündnis für Wohnen) und Q 17.1 wird es eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe geben. Die Resonanz auf die Ausschreibung bei Q 15 und Q 17.1 war laut Corinna Althanns jedoch „verhalten“. Die Fläche Q 12 ist für die SWSG reserviert, Q 13 für Baugemeinschaften. Auf Q 13.1 entstehen Pflegewohngruppen sowie eine Kita. Für Q 14/Q14.1 wird ein neuer Investor gesucht. „Die Südbaden Immobilien GmbH ist leider aus wirtschaftlichen Gründen wieder zurückgetreten“, sagt Corinna Althanns.

Das Alte Zollamt samt Kulturinsel soll im großen Stil umgebaut werden. Foto: Uli Nagel

IBA’27 und experimentelle Wohnformen

Auf Q 11 (SWSG) und Q 11.1 (Kulturinsel) sind Projekte für die IBA’27 und für experimentelle Wohnformen vorgesehen. Das Projekt auf Q 11.1 ist etwas Besonderes, denn hier soll einmal nicht nur das Soziokulturelle Zentrum mit Biergarten, Tagungsräumen, Bürger-Café sowie Räumlichkeiten für Konzerte und Theaterveranstaltungen entstehen, hier soll auch das Haus der Familie mit einem Stadtteilhaus eine Heimat finden. Im Herbst soll der Gemeinderat das Projekt auf den Weg bringen. Baubeginn könnte 2026 sein. Die Kosten: rund 32 Millionen Euro.

Die Sorgenkinder

Q 20: Die Stuttgart Q 20 GmbH & Co. KG hat 2020 das 8400 Quadratmeter große Grundstück neben dem Sportbad erworben. In Nachbarschaft zum neuen Sportbad sollte bis 2024 ein fünf- bis sechsgeschossiger Gebäudekomplex mit einem Nutzungsmix aus Büros, Hotel, Fitness und Gastronomie entstehen. Doch seit fast fünf Jahren herrscht Stillstand. Laut dem Investor fehlen im Büro-Segment die Interessenten. Dennoch ist aktuell ein Verkauf laut der Geschäftsführung keine Option. Allerdings wurde das Grundstück in den vergangenen Monaten auch für die Stadt Stuttgart wieder interessant. Laut einer Markterkundung könnte das Areal auch als Standort für das Konzertforum dienen.

In diesem Bereich könnte die neue Schleyerhalle stehen. Foto: Uli Nagel

Q 21: Schon mehrfach hatten das Sportamt sowie Andreas Kroll, der Chef der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, gemeinsam gefordert, die fast 40 Jahre alte Hanns-Martin-Schleyer-Halle abreißen zu lassen und durch einen Neubau zu ersetzen. Die aktuelle Kostenschätzung liegt bei rund 400 Millionen Euro. Sanierung oder Neubau? Ein endgültiger Beschluss fehlt noch. Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann könnte sich wegen der desolaten Haushaltslage für einen potenziellen Neubau eine externe Lösung vorstellen.

Hintergrund

Kauf
Das ehemalige Güterbahnhof-Areal befindet sich seit dem Jahr 2000 im Besitz der Stadt. Hier sollen einmal rund 2000 Menschen in etwa 850 Wohneinheiten leben.

Bebauungsplan
Für das Gebiet waren insgesamt vier Bebauungspläne nötig. Der letzte, der vor allem Wohnungsbau betrifft, wurde 2022 vom Gemeinderat auf den Weg gebracht. Allein dadurch sollen gut 530 Wohnungen entstehen.

Ziel
Das Ziel der Stadt ist, bezahlbaren Wohnraum zu realisieren mit Vorgaben, die über das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) hinausgehen. 80 Prozent der Wohnungen werden geförderte Wohnungen sein, dabei der größte Teil Sozialmietwohnungen.

Partner
Ein Großteil des Wohnungsbaus soll mit den Partnern aus dem Bündnis für Wohnen (Arbeitsgemeinschaft Stuttgarter Wohnungsunternehmen, Verband Immobilienwirtschaft Stuttgart) gebaut werden. Neben öffentlich geförderten und preiswerten Wohnungen sind auch frei finanzierte und gemeinschaftliche Wohnprojekte vorgesehen.