Ein Ehepaar aus der Frisonistraße findet keine Ruhe: „Man dreht schier durch“ (Symbolfoto). Foto: Dirk Herrmann/Rudel

Ein älteres Ehepaar aus dem Fellbacher Stadtteil Oeffingen kann nicht mehr: Die beiden hören einen Tieffrequenzton, der ihr Leben zur Hölle macht. Nun hoffen sie auf Hilfe.

In dem Viertel im Osten des Fellbacher Stadtteils Oeffingen ist am späten Vormittag kaum ein Auto unterwegs, ein paar Fußgänger sind zu sehen, vor einem Haus sehen die Besitzer im Garten nach dem Rechten und bereiten alles für den Frühling vor. Das alles hat die Anmutung einer kleinen Idylle mit großer Ruhe.

Für einige wenige Anwohner in diesem Quartier ist es allerdings eine trügerische Ruhe. Denn von jener Stille, die die meisten Menschen hier genießen, kann bei ihnen keine Rede sein. Konkret ist es ein Ehepaar aus der Frisonistraße in Oeffingen, das seit einigen Monaten geplagt wird und sich deshalb quasi im permanenten Alarmzustand befindet. „Nachts um 2 Uhr spüren wir, wie es in den Betten richtig vibriert; wir können nicht mehr schlafen, sind dann nur noch am Rumlaufen und finden keine Erholung mehr“, sagt die Ehefrau.

Brummen, Dröhnen und Vibrieren

Den Grund für die Plage hat der Anwohner bei einem vorherigen Besuch in der Redaktion unserer Zeitung handschriftlich auf einem DIN-A4-Blatt zusammengefasst und richtet dabei auch ein Hilfegesuchen an die Nachbarn: „Welche Oeffinger in den Ortsgebieten Grund I und Grund II fühlen sich auch vom andauernden Brummen, Dröhnen und Vibrieren gestört?“ Diese Geräusche, so seine Erläuterung, „werden durch Tieffrequenz-Schallwellen verursacht.“

Und diese Geräusche, dieses Brummen hört das Paar nun nach eigener Beobachtung „seit etwa Ende November“. Denn kurz davor wurde im Haus noch ein Geburtstag gefeiert, „und da war noch nichts“. Das Problem nach ihren zahllosen Recherchen im Internet und Durchforstung der vielen Youtube-Videos zu diesem Thema: Es sind nur maximal zehn Prozent der Menschen, die diesen Infraschall, die tieffrequenten Geräusche, überhaupt hören.

In den vergangenen Wochen hat das Ehepaar, das namentlich nicht genannt werden möchte, schon alles Mögliche unternommen, um der Ursache auf die Spur zu kommen. Vom Umweltamt des Rems-Murr-Landratsamts sei ein Mitarbeiter dagewesen und habe Messungen im Haus und der Umgebung vorgenommen. Zwar konnte er gewisse Töne feststellen, diese aber nicht einer Quelle zuordnen.

Das Phänomen, dass tieffrequente Geräusche den Menschen in der Umgebung von Wohnbebauung nur manche Menschen bemerken und völlig kirre machen, war diesem Landkreis-Angestellten durchaus bekannt. Umso verblüffender sei, „dass gleich Sie beide dies hören, das gibt’s sonst eigentlich gar nicht“, sagte er noch zum Oeffinger Ehepaar.

Wer in Oeffingen hört ebenfalls vibrierende Geräusche? Ein Ehepaar hofft auf Hilfe. Foto: Dirk Herrmann

Eine Wärmepumpe in der Oeffinger Nachbarschaft ist jedenfalls offenkundig nicht verantwortlich zu machen. Der Kundendienst hatte die Pumpe zwischenzeitlich abgeschaltet, ohne dass das Geräusch aufgehört hätte.

Eine weitere mögliche Erklärung für den Auslöser der Schallwellen schien dem Ehepaar die einige Hundert Meter entfernt nahe einem Feldweg in Richtung Schmiden gelegene Biogasanlage der Stadtwerke Fellbach zu sein. Doch die Rücksprache mit den Verantwortlichen des Tochterunternehmens der Stadt Fellbach führte auch zu keinem Ergebnis – das könne ausgeschlossen werden, so die offenkundig glaubwürdige Auskunft der Stadtwerke.

Oder könnte es eine alte, gekappte Hochdruckgasleitung sein, die eineinhalb Meter neben dem Keller des Hauses verläuft? Auch das wäre eine mögliche Erklärung, die bisher aber nicht verifiziert werden konnte.

Dieser Tage suchte der 76-Jährige auch die Kirchenpflege in Oeffingen auf – um mal nachzufragen, was denn mit der Funkanlage auf dem Kirchturm in der Ortsmitte los ist und ob diesbezüglich schon Beschwerden aufgetaucht seien.

Das Ehepaar ist ratlos – und verzweifelt. „Man dreht schier durch.“ Wenn sich nicht alsbald was tut und die Quelle der Tieffrequenzen endlich entdeckt wird, will die Ehefrau auf eigene Kosten ein Ingenieurbüro beauftragen, selbst wenn das eine Stange Geld kosten sollte. „I will mei Leba zurück, des isch mir alles wert“, sagt die Dame in schwäbischem Tonfall.

Dass derartige Brummtöne den Menschen das Leben zur Hölle machen können, darüber ist auch in der Region Stuttgart schon öfter berichtet worden. „Brummton treibt Mann ins Hotel“, lautete im Mai 2017 die Schlagzeile über einen Fall in Korb (Rems-Murr-Kreis). Und im Juni 2018 hieß die Rubrik zu einem Bericht über ein Phänomen im Neubaugebiet Hälde in Hemmingen (Landkreis Ludwigsburg): „Tag und Nacht von mysteriösem Ton gequält.“

Hinweise an die Brummton-Mailadresse

Das Ehepaar aus dem nördlichsten Fellbacher Stadtteil setzt nun zunächst mal auf nachbarschaftliche Hilfe: Wer in dem Gebiet im Oeffinger Osten, neben der Frisonistraße etwa auch in der Ingeborg-Bachmann-Straße oder der Hindenburgstraße, ebenfalls derartige Brummtöne bemerkt oder einen Verdacht auf eine Ursache hat, solle sich doch bitte melden.

Auch weitere Tipps können an eine E-Mail-Adresse geschickt werden, die die Tochter des Ehepaars extra für die Aufklärung dieses Falls eingerichtet hat. Sie lautet: brummton-oeffingen@gmx.de. In der Hoffnung, dass auch die derzeit so schlimm geplagten Oeffinger eines nicht mehr fernen Tages wieder die Ruhe des Viertels genießen können.