Die Österreicher gehen nur noch mit Maske und Babyelefant Gassi. Sicher ist schließlich sicher. Claudia Bitzer über tierische und andere Abstandshalter im Zeichen der globalen Corona-Bedrohung.
Esslingen - Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Und jedem Pläsierchen auch sein Tierchen. Die österreichischen Nachbarn haben in den vergangenen Monaten besonderen Gefallen an einem ausgesprochenen Exoten gefunden: Mit Corona hat der Babyelefant Einzug in die Alpenrepublik gehalten. Er hat dabei nicht die ortsansässigen Murmeltiere, Gämsen oder gar den Bundesadler abgehängt. Seine größten Konkurrenten waren vielmehr ein Besenstiel und eine Riesenschildkröte. Denn der Babyelefant ist eine Kopfgeburt erfahrener Marketingstrategen und steht für den Mindestabstand, den man angesichts des Coronavirus zum Nachbarn einhalten soll.
Laufender Meter
Die Werbeagentur Ernst von Matt (Edeka „Supergeil“) wollte für einen Aufklärungsspot des Gesundheitsministeriums einen Sympathieträger finden, der einen nicht nur ans Abstand halten erinnert. Sondern der sich als freundlich anmutendes Symbol für die gebotene Distanz auch im Kopf festsetzt. Und so hat sich der Babyelefant am Ende gegen Besen und Kröte durchgesetzt. Seit Beginn der Corona-Krise steht er für den laufenden Meter, der den Ösis als Maß aller Dinge gilt. Wobei man sich darauf geeinigt hat, dass der Rüssel nicht mitzählt.
Kopfkino
Freilich weiß auch in der Alpenrepublik keiner, wie groß so kleine Elefanten wirklich sind. Aber darum ging es den Werbeleuten auch nicht. Der Babyelefant ist die imaginäre, sympathischere Version der Maske, wenn man Gassi gehen will: Er soll einen daran erinnern, dass nichts mehr so ist, wie es war. Andere Länder haben indessen ihre heimischen Vertreter zu Abstandshaltern gekürt. Die Australier messen sich am Känguru. In Malaysia wurde die Ehre dem Tapir zuteil. Und in Florida soll man eine Alligatorenlänge auf Distanz gehen – wenn einem das nicht im Hirn bleibt. Da ist es vielleicht gut, dass die deutsche Regierung auf den Schäferhund als Maßeinheit verzichtet. Es geht aber auch anders. In Kentucky setzt man auf zwei Fässer Bourbon-Whisky im Kopfkino, um dem Nächsten nicht zu nahe zu treten. Wie wäre es also hierzulande mit vier Kästen Bier?