Mallorca vor Corona. Wo gehen all die Massen in diesem Jahr baden? Foto: Hendrik Schwartz - stock.adobe.com/oh

Wohin treibt die perfekte Welle die Urlauber im Corona-Jahr? Claudia Bitzer hat das Plätzchen für ihr Strandtuch noch nicht vorgebucht.

Esslingen - Vor 40 Jahren musste man sich noch nicht Wochen vorher schon online anmelden und auf Tag und Stunde genau angeben, wenn man im spanischen Granada in den Besucherströmen durch die Alhambra mitschwimmen wollte. Da gab es auch noch keine Handys, geschweige denn Laptops oder Tablets. Gut, das mit der Anmeldung an den touristischen Hotspots dieser Welt hat sich schon lange vor Corona zugespitzt. In diesem Sommer wird man sich aber auch schon an den Küstenabschnitten Schleswig-Holsteins per App einen Platz für sein Strandtuch vorbuchen müssen. Covid-19 sei Dank. Die Gemeinde Scharbeutz an der Lübecker Bucht hat ein System dafür entwickelt. Scharbeutz sei ebenfalls gedankt. In Barcelona denkt man über Ähnliches nach. Und wo es nicht möglich ist, einen Zwei-Meter-Abstand zum eingeölten Nachbarn einzuhalten, geht in dieser Saison an den Stränden oben ohne voraussichtlich gar nichts – falls überhaupt etwas geht. Wobei hier wohlgemerkt der Mund- und Nasenschutz gemeint ist.

Wo also in diesem Jahr Urlaub machen? Die Osterferien haben ja bereits gezeigt, dass die Weinberge zwischen Stuttgart und Esslingen selbst in Zeiten des schärfsten Lockdowns im wahrsten Sinne des Wortes geradezu überlaufen waren. Zuhausebleiben eignet sich ohnehin weniger denn je zum Abschalten. Denn seit das Homeoffice im Wohnzimmer eingezogen ist, haben Arbeitgeber und Schule zumindest gefühlt auch noch zu jeder Tages- und Nachtzeit Zugriff auf die Arbeitnehmer und ihren Nachwuchs. „Deutschland ist groß. Mit etwas Kreativität findet in diesem Sommer jeder ein schönes Ziel, das er noch nicht kennt“, rät der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, zum Urlaub im eigenen Land. Aber muss man im Leben wirklich alles kennenlernen? Das fragt man sich jedenfalls, wenn man in seiner Kindheit zahlreiche Familienurlaube im beschaulichen, aber bremsenbelasteten 150-Seelen-Dorf Gaugenwald im Nordschwarzwald verbringen durfte.

Wie dem auch sei: Wir wünschen jedenfalls jedem seine persönliche perfekte Welle – solange sie uns nicht in die zweite Isolationshaft spült.