Gehört es bald zum guten Ton, Gästen eine Maske anzubieten? Foto: Roberto Bulgrin

EZ-Reporterin Julia Theermann philosophiert über die Veränderungen, die die Corona-Pandemie in den zwischenmenschlichen Verhaltensweisen mit sich gebracht hat.

Esslingen - Bei einem der inzwischen selten gewordenen Pressetermine werde ich mit einem Mundschutz empfangen, den ich für die Dauer des Gesprächs tragen soll. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, hatte mir zu Hause selbst ein Provisorium gebastelt. Denn obwohl eine Ansteckung mit dem Coronavirus durch solche Masken nicht verhindert werden kann, reduziert man durchs Tragen einer Maske doch die Wahrscheinlichkeit, andere Menschen anzustecken, falls man unwissentlich Träger des Virus ist. Es ist das erste Mal, dass ich einen Mundschutz trage. Beim Anlegen fällt mir wieder einmal auf, wie sehr sich der Alltag in ein paar kurzen Wochen verändert hat. Zur Begrüßung der Gesprächspartner gibt es keinen Handschlag mehr, auch Getränke werden nicht angeboten. Selbstverständliche Verhaltensweisen sind ersetzt worden. Und das ist auch verständlich. „Bleiben Sie gesund“ hat in vielen Gesprächen schon das „Auf Wiederhören“ abgelöst. Das zeigt, was die meisten derzeit beschäftigt. Und vielleicht müssen wir lernen, ein freundliches Lächeln und Winken – zumindest vorerst – mit einem Händedruck gleichzusetzen. Und ein angebotener Mundschutz wird dann das neue „Können wir Ihnen was zu trinken anbieten?“. Wir leben aktuell schon in seltsamen Zeiten. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber dass mir jemand zum Abschied Gesundheit wünscht, das können wir meiner Meinung nach auch nach der Corona-Krise gerne beibehalten.