Viele Familien haben eine gemeinsame Gruppe bei einem Kurznachrichtendienst. Foto: Pixabay

Was passiert, wenn die vertraulichen Unterhaltungen in der Whatsapp-Gruppe einen Fremden erreichen? EZ-Reporterin Julia Theermann hat dazu etwas zu erzählen.

Esslingen - Wie wohl viele Familien im heutigen Zeitalter hat auch die meine sich vor einiger Zeit in einer gemeinsamen Familiengruppe bei Whatsapp organisiert. Meine Mutter legte die Gruppe an und lud die engste Familie – Vater, Mutter, drei Töchter – ein. Dass statt fünf sechs Mitglieder angezeigt wurden, ist vermutlich niemandem aufgefallen.

Wir begannen also direkt mit dem Geschnatter, teilten Fotos der Enkel und Haustiere, sprachen über die Pläne für das jeweilige Mittagessen – bis sich plötzlich eine bislang stumme Teilnehmerin zu Wort meldete. Doris.

Der mysteriöse Gast

Wie sie zu der zweifelhaften Ehre gekommen war, ein Teil unserer familiären Unterhaltung geworden zu sein, das konnte sie sich nicht erklären. Vermutlich ein Zahlendreher bei einer Handynummer.

Sie fühle sich aber geschmeichelt. Wir erschienen ihr wie eine sehr nette Familie, schrieb Doris diplomatisch. Allerdings sei ihr doch nicht ganz wohl dabei, so sehr in den persönlichen Alltag einer wildfremden Familie einzutauchen, gab sie zu. Ob es denn in Ordnung sei, wenn sie die Gruppe wieder verließe, fragte sie.

Familienmitglied ehrenhalber?

Wir beteuerten,wir würden es ihr nicht krumm nehmen, aber dass die gemeinsame Zeit uns sehr gefallen habe. Dann war sie weg. „Ich vermisse Doris“, klagte die jüngere Schwester schon bald darauf, als die Unterhaltung mal nicht so floss.

Und noch heute fragen wir uns gelegentlich, ob wir Doris nicht vielleicht zum Familienmitglied ehrenhalber hätten machen sollen. Ich finde, sie passte sehr gut in unsere Gruppe. In diesem Sinne: Ade, Doris!

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