Mehr als 1000 neue Einwohner gilt es in die Infrastruktur der Gemeinde Neuhausen zu integrieren. Foto: Bulgrin - Bulgrin

In Neuhausen treten einige bekannte Gesichter nicht mehr zur Wahl an. Viele der erfahrenen Kommunalpolitiker sind jedoch wieder dabei. Ein großes Thema ist die Anpassung der Infrastruktur.

NeuhausenMit 12 000 Einwohnern ist Neuhausen auf den Fildern in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Mit den neuen Baugebieten in den Akademiegärten und in der Ziegelei geht dieser Prozess weiter. Weitere 1000 Einwohner sollen hinzukommen. Eine Herausforderung für den neuen Gemeinderat wird es sein, diesen Prozess zu steuern und die Infrastruktur der Gemeinde anzupassen. Nicht nur die Schulen stoßen da an Grenzen.

Durch die S-Bahn-Verbindung, die 2022 von Bernhausen nach Neuhausen weitergeführt werden soll, wächst der Siedlungsdruck zusätzlich. Das bedeutet für den neuen Gemeinderat große Aufgaben. Zu den zentralen Themen soll auch die Bürgerbeteiligung weitergehen, die im Rahmen des Integrierten Gemeindeentwicklungskonzepts (IGEK) angestoßen wurde.

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Auf den Kandidatenlisten der vier Fraktionen sind viele bewährte Kräfte, aber auch neue Gesichter zu finden. Stärker noch als in vielen anderen Kommunen ist das Vereinsleben ausgeprägt. Da verwundert es nicht, dass sich viele Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl stellen, die in Vereinen engagiert sind und dort Spitzenämter bekleiden. Die CDU trägt dem durch einen Wahlprospekt Rechnung, der die Profile der Persönlichkeiten in den Fokus rückt. Abgesehen vom bisherigen Fraktionschef Peter-Alexander Schreck, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr antritt, und von Simone Gaiser stellen sich die bisherigen Gemeinderäte wieder zur Wahl. Dazu kommen neue Gesichter, auch jüngere Kandidaten. Konstantin Edelmann ist 20 Jahre alt und studiert Rechtswissenschaften. Der 47-jährige Bauingenieur Fatih Yilmaz stammt aus einer Zuwandererfamilie und möchte mehr Vielfalt ins Gremium bringen. Das gilt auch für die 52-jährige Erzieherin Necibe Günyel, die bei der Initiative Grüne Liste (IGL) kandidiert und Brücken für die Integration bauen möchte.

Auf Kontinuität setzen die Freien Wähler, die stärkste Fraktion in Neuhausen sind. Da stellen sich alle amtierenden Kommunalpolitiker wieder zur Wahl. Das gilt auch für die SPD, derzeit drittstärkste Fraktion im Gremium. Erich Bolich, Fraktionschef und mit 77 Jahren der älteste Kommunalpolitiker in der Fildergemeinde, ist als Spitzenkandidat wieder dabei. Bei der IGL steht wohl ein Wechsel an. Gemeinderätin Katja Schnabl verzichtet da auf eine erneute Kandidatur. Gemeinde- und Kreisrätin Gabriele Probst tritt wieder an. Auf der Liste der Freien Wähler steht Bürgermeister Ingo Hacker als prominenter Kandidat für den Kreistag.

Bei den Schwerpunkten in den Wahlprogrammen gibt es etliche Parallelen. Das große Thema ist die Verkehrslast auf den Fildern, die Neuhausen in besonderem Maße betrifft. Da setzen die Freien Wähler auf innovative Verkehrskonzepte und fördern etwa ein Konzept für einen innerörtlichen Busverkehr. Ein Bürgerbus mit regelmäßigen Verkehrszeiten ist auch für die CDU ein zentrales Thema. Die Verlängerung der S-Bahn sehen die Fraktionen als eine gute Perspektive für die Gemeinde. Sie wollen nicht nur für eine zügige Realisierung kämpfen, sondern auch die städtebauliche Chance nutzen, die das Projekt bietet. Gespräche über eine mögliche Westumfahrung Neuhausens sollen nach dem Willen der Freien Wähler und der CDU weitergehen. Bei dem Projekt setzen die Neuhäuser auf den interkommunalen Dialog.

Den Ausbau eines Radwegenetzes sieht die SPD als eine wichtige Aufgabe. Auch über Carsharing und einen Radverleih wollen die Sozialdemokraten nachdenken. Ebenso setzen sich die Fraktionen dafür ein, die Straßen zügig zu sanieren. Nachhaltige Mobilität liegt der IGL am Herzen. Sie will Elektromobilität auf allen Ebenen fördern. Die Wiederbelebung der Schienenverbindung von Neuhausen nach Esslingen ist ein weiteres Ziel. Die IGL fordert auch einen Lärmaktionsplan.

Die Baupolitik der Gemeinde Neuhausen ist in den Wahlprogrammen ebenfalls ein tragendes Thema. Die Freien Wähler fordern, auf Nachverdichtung im Ort zu setzen und so den wachsendem Bedarf an Wohnraum zu decken. Bedarfsgerechten und bezahlbaren Wohnraum für Generationen zu schaffen, ist das Ziel. Die FW mahnen auch den Bau eines Hotels in der Fildergemeinde an. Das werde von vielen Bürgerinnen und Bürgern gewünscht. Die CDU setzt auf den zügigen Ausbau der Infrastruktur. Die Entwicklung der Ortsmitte ist aus Sicht der Christdemokraten eine Erfolgsgeschichte. Bezahlbaren Wohnraum fordert die SPD. Dagegen warnt die IGL in ihrem Wahlprogramm vor dem zunehmenden Flächenverbrauch auf den Fildern. Da sehen die Grünen die Kommunen in der Pflicht, eine verantwortungsvolle Wohnbaupolitik zu verfolgen.

Hohen Stellenwert hat in der Fildergemeinde die Förderung der Vereine. Deshalb fordern die Freien Wähler und die Parteien vehement, die Sportvereine zu entlasten, bis die Auslagerung der Sportanlagen realisiert ist. Der Vorstoß der Arbeitsgemeinschaft der Neuhausener Vereine (ANV), eine Kaltsporthalle zu bauen oder die Egelsee-Sporthalle zu erweitern, findet breite Unterstützung.

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