Das Vorzeigeobjekt dieser Amtsperiode Foto: Bulgrin - Bulgrin

Zwei Projekte kann sich der Gemeinderat Hochdorf auf die Fahnen schreiben: die Sanierung des alten Rathauses und der Baustart für die Pflegeeinrichtung. Aber es gibt noch mehr zu tun auf den Breitweisen.

HochdorfMit dem Grundstein für die Amalien-Residenz hat der Gemeinderat gemeinsam mit der Evangelischen Heimstiftung kurz vor Ablauf der Amtsperiode noch das Signal gesetzt, dass die Umgestaltung der Ortsmitte in Hochdorf vorankommt – zehn Jahre nachdem die Bürger dort das Projekt Pflegeheim mit Supermarkt gestoppt hatten.

Das zweite Vorzeigeobjekt war die aufwendige Sanierung des 200 Jahre alten Rathauses, die im Frühjahr 2017 abgeschlossen wurde. Im modernen Erweiterungstrakt erhielt die Gemeinde endlich einen richtigen Sitzungssaal, der zudem für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann. Das Schmuckstück überzeugte auch die Skeptiker, die für einen Neubau plädiert hatten. Die Sanierung kostete drei Millionen Euro, die Hälfte erhielt die Gemeinde als Zuschuss zurück.

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Der Bedarf in der Kinderbetreuung steigt in der 4890 Einwohner zählenden Gemeinde wie andernorts stetig. Die Einrichtungen haben ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Die Gemeinde reaktiviert deshalb den ehemaligen Hof-Kindergartens und erweitert ihn mit einem Anbau für den Ganztagsbetrieb. Das Kinderhaus „Im Hof“ soll dann zum 1. Oktober 2019 den Betrieb aufnehmen. Die Kosten werden auf 1,19 Millionen Euro veranschlagt.

Ein heißes Thema in der ablaufenden Amtsperiode war die Zukunft der Breitwiesenschule. Die Mehrheit des Gemeinderat wollte die verbindliche Ganztagsschule einführen. Doch viele Eltern wollten sich nicht vorschreiben lassen, wie ihr Nachwuchs den Nachmittag verbringt. Bürgermeister Gerhard Kuttler stellte sich auf ihre Seite und warf seinem Ratsgremium vor, undemokratisch entschieden zu haben. Eine Elterninitiative brachte gleich zwei Bürgerbegehren vor. Eines fordert den Gemeinderat auf, seinen Beschluss für eine rhythmisierte Ganztagsschule aufzuheben. Das andere verlangte die Weiterentwicklung der flexiblen kommunalen Schulkindbetreuung. Mehr als 550 Unterschriften standen unter den beiden Begehren. Gemeinderat, Verwaltung und Eltern haben sich dann auf die Vertagung geeinigt: Erst 2021 soll per Bürgerentscheid festgelegt werden, welche Variante umgesetzt wird. Das heikle Thema wird also den neuen Rat beschäftigen.

Schule erhält eine Mensa

Erfreulich für Schüler und Eltern ist, dass in der Amalien-Residenz auch eine „Mensa der flexiblen Schulkindbetreuung“ – so hat der Bürgermeister sie bereits tituliert – ihren Platz findet. 800 000 Euro sind für sie eingeplant. In die sogenannte „Wohnen-Plus-Einrichtung“ mit 40 barrierefreien Pflegewohnungen, ambulant betreuter Wohngemeinschaft und Tagespflege mit 15 Plätzen investiert die Evangelische Heimstiftung rund 13 Millionen Euro. In den nächsten Jahren soll auf dem Breitwiesen-Areal noch ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Ein Dorfplatz, Parkplatz und Festplatz werden neu gestaltet, der Talbach soll erlebbar werden. Einen Haken konnte der Gemeinderat unter das Projekt Sanierung der Feuerwehrfahrzeughalle setzen.

Kaum eine Sitzung vergeht, in der nicht über Bebauungspläne geredet wird. Die Hochdorfer wollen das Gebiet Hofäcker I so erweitern, dass 36 Wohngrundstücke möglich sind, Hofäcker II soll weitere 16 Häuser bringen. Die Talbachgasse wurde so erschlossen, dass mitten im Ort sieben Häuser entstehen. Viele Diskussionen hat der Gemeinderat über das Grundstück „Im Hof 1,3,5“ geführt. Das Konzept steht diesen Dienstag wieder auf der Tagesordnung. Bleibt das alte Schusterhäusle erhalten? Noch nicht endgültig abgesegnet ist das Baugebiet „Mittleres Feld“, in dem der neue Edeka-Markt angesiedelt werden soll und Gewerbeflächen entstehen sollen. Im Sommer 2015 stellte der Landkreis am Ortsrand mehrere Flüchtlingshäuser hin. Vereinzelt gab es Proteste gegen die Ansiedlung von 200 Flüchtlingen, aber insgesamt akzeptierten die Hochdorfer, dass ihre Gemeinde dem Landkreis eine große Last abnahm. Viel Bürger kümmerten sich um die Bewohner des „Bergdorfes“. Nächstes Jahr soll die Siedlung wieder geräumt werden.

Die Kräfte im Hochdorfer Gemeinderat sind aktuell gleichmäßig verteilt: Freie Wähler, CDU, Die Mitte und SPD haben jeweils drei Vertreter, die Grünen zwei. Nach 40 Jahren verabschiedet sich Willi Heber, langjähriger Vorsitzender der Freien Wähler, aus der Ratsrunde. Seine Fraktionskollege Markus Steinhauser hört auch auf. Die CDU verliert ebenfalls eine Führungspersönlichkeit: Fraktionsvorsitzender Siegfried Albrecht tritt nicht mehr an. Bei Bündnis 90/Grüne bewirbt sich die Fraktionsvorsitzende Andrea Holzer ebenfalls nicht mehr. Alle drei Vertreter der SPD und der Mitte bewerben sich wieder.

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