Im Römerpark gibt es jetzt was auf die Ohren: Die Audiotour erzählt vom historischen Erbe Köngens. Foto: Kerstin Dannath

Pünktlich zum 950-Jahre-Jubiläum hat die Gemeinde Köngen im Römerpark einen Audiowalk eröffnet.

Berlin hat einen, Kopenhagen und New York – professionell erstellte Audiowalks lassen ihre Hörer bei einem Spaziergang verbunden mit einer mit Geräuschen und Musik unterlegten Geschichte aktiv in die Vergangenheit eintauchen. Auch im Köngener Römerpark kann man sich nun – pünktlich zur 950-Jahr-Feier der Gemeinde – auf Zeitreise begeben. „Auf unserem neuen Götterwalk ist man allerdings nicht mit Sandalen und Schild unterwegs, sondern per App und Kopfhörer“, erläutert Köngens Bürgermeister Ronald Scholz stolz das innovative Projekt.

Besucher des Römerparks können ab sofort per Smartphone, App und am besten mit Kopfhörern eine akustische Zeitreise in die Zeit der Römer unternehmen. Die App ist kostenlos und kann per Barcode heruntergeladen werden. Der Barcode befindet sich derzeit als Aushang am Römermuseum vor Ort, soll aber auch zeitnah auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht werden. Später soll im Römerpark noch eine entsprechende Beschilderung angebracht werden.

Interaktive Zeitreise mit App

Der GPS-gesteuerte Hörspaziergang führt in insgesamt 45 Minuten an acht ausgewählte Orte im Römerpark – begleitet von Stimmen aus dem alltäglichen Leben und aus der Götterwelt. Begrüßt wird man etwa vom römischen Kriegsgott Mars, aber auch ein mürrischer Weinhändler aus der römischen Provinz Narbonensis im heutigen Südfrankreich, zackige Wachsoldaten, einfache Dorfbewohner oder ein leicht angesäuerter Flussgott vom Neckar geben knackig Einblicke in die Zeit um 90 nach Christus. Exakte Zahlen und Fakten stehen dabei weniger im Vordergrund. „Das kann man alles nachlesen“, erläuterte Jens Nüßle von der Theaterspinnerei Frickenhausen, die den Audiowalk in den vergangenen sechs Monaten realisiert hat. Der Götterwalk soll vielmehr dazu dienen, richtig in die Zeit einzutauchen und die Hörer keinesfalls an öde Geschichtsstunden erinnern. „Deswegen stehen Szenen aus dem Alltag im Vordergrund“, ergänzte Stephan Hänlein.

Fragen wie, was ging in den damaligen Menschen vor und wie haben sie ihr Leben gemeistert, sollen kurzweilig beantwortet werden. Und wer die Macher der Theaterspinnerei kennt, kann sich denken, dass auch der Humor nicht zu kurz kommt – was auch schon Verwaltungschef Scholz bei einem Probelauf erfahren musste: „Wer vom Weg abkommt, wird ziemlich rabiat zurückgepfiffen“ – in bestem Kasernenhofton quasi. Die Gemeinde sei sehr stolz, den Römerpark so neu erlebbar zu machen, betonte Scholz: „Der Götterwalk ist ein niederschwelliger Zugang zu unserem großen historischen Schatz.“ Idealerweise soll auch das in die Jahre gekommene Römermuseum bald mit neuem Konzept nachziehen, allerdings macht der Gemeinde hier die klamme Haushaltslage zu schaffen. „Wir müssen uns zusammensetzen und überlegen, wie wir das hinkriegen“, kündigte Scholz.

Kinder-Hörstück folgt bald

30 000 Euro hat der Gemeinderat für die Erstellung des Götterwalks bereit gestellt und noch vor den Sommerferien soll obendrein ein speziell für Schulklassen beziehungsweise Kinder entwickeltes zweites Hörstück an den Start gehen. Finanziert wird die Kinderversion von der Köngener Maierstiftung. Die Gemeinde hat dafür extra einen Satz Abspielgeräte mit Kopfhörern angeschafft, die nach den Sommerferien im Rathaus ausgeliehen werden können.