Und hoch den Baum. Die Berkheimer Narren sind geübt. Foto: Osswald - Osswald

Zum 23. Narrenbaumstellen hievten die Berkheimer Narren am Freitagabend einen 23 Meter hohen Baum hoch. Am Samstag trafen sich die Narren außerdem vor dem Alten Rathaus.

EsslingenDraußen vereiste Gehwege und Glühwein, drinnen Partymusik und pralle Wärme. Doch den Weg in die Osterfeldhalle hat man sich am Freitagabend erst mal verdienen müssen. Die Berkheimer Narren, vereint in voller Leibeskraft, stemmten den 23 Meter hohen Baum in die kühle Nachtluft. In Esslingen ist das Narrengewächs unter der Regie der Narrenzunft Zwieblingen 2014 einen Tag später in die Senkrechte gehievt worden.

Berkheim und die 23

In Berkheim war die 23 an jenem Freitagabend ohnehin die magische Zahl. Es war das mittlerweile 23. Narrenbaumstellen, bei dem ein 23 Meter langer Baum in – richtig – genau 23 Minuten hochgezogen wurde. Traditionell am dritten Freitag im Januar organisieren die Narren der Stoiriegel Goischter, der Berkheimer Erlenwölf sowie der Berkheimer Waschweiber das Narrenbaumstellen. Den Baum auf die massive Betonplatte drücken und schieben dürfen aber auch die Hästräger der anderen Zünfte. Vor rund 15 Jahren wurde die Bodenplatte eingelassen, ein Statiker musste sie abnehmen. Früher noch am Hang im Zentrum Berkheims, zogen die Narren 2005 vor die Osterfeldhalle. Dabei hantierten die bunten Hästräger mit den „Schwalben“, wie sie die großen Stangen aus Aluminium nennen, hin und her. Ein Balanceakt: Spannung und Gegenspannung, Kraft und Gegenkraft. Höchste Konzentration war gefragt. Angefeuert wurden sie dabei von Hunderten Hästrägern verschiedener Zünfte. Rutscht nur einer der designierten Schwalbenhalter ab, kann das böse enden. In 23 Jahren Berkheimer Narrenbaum-Historie kam das jedoch noch nie vor, sagt Oliver Ramsch, Mitglied der Erlenwölf-Zunft, der an diesem Abend mit seinem KaWoGoHeWa-Häs alle fünf örtlichen Narrengruppen vertrat – Kaschber, Wolf, Goischt, Hex‘ und Weib. „Früher wurde noch Holz für die Schwalben benutzt“, erinnerte sich Matthias Teurer, ebenfalls bei den Berkheimer Erlenwölf.

Die Schwierigkeit des ganzen Unterfangens: Die Schwalben müssen immer wieder „umgesetzt“ werden, dabei stets gerade bleiben, immer genügend bewegt werden. Erlenwolf Matthias Teurer konnte auf erfahrene Vereinskollegen zählen. Insgesamt 30 Mann hievten den Baum in die Höhe, vier pro Schwalbe. Im Anschluss nahm die Party in der Osterfeldhalle richtig Fahrt auf. Es klimperte und klirrte aus jeder Ecke, Scheinwerfer von der Decke strahlten die verschiedenen traditionellen Fastnachtskostüme an. Ein älterer Mann hatte einen Rollator kurzerhand zur Verkaufstheke umfunktioniert: „Das Tragen ist einfach zu schwer geworden. Da bin ich auf die Idee gekommen“, erzählte er bereitwillig.

Allerlei Alkoholisches verkaufte das Mitglied der Waiblinger Remshexen aus der Hüfte heraus. Die Berkheimer Halle war zur Großraumdisco umfunktioniert worden. Abseits von Fete und Feststimmung gibt es seit Beginn der diesjährigen Saison auch eine ganz ernst gemeinte Neuerung: Bei der „Panaderia“ im Zentrum wurde ein närrischer Kummerkasten aufgestellt. Dort können alle ihren Frust über das Geschehen im Ort loswerden, zeigen, wo der Schuh drückt.

Narren im und am Alten Rathaus

Vor dem Alten Rathaus in Esslingen hat sich dann am Samstag auch die Narrenzunft Zwieblingen 2014 um einen Narrenbaum verdient gemacht. Der Platz vor dem Alten Rathaus war voll, fünf Guggen aus Esslingen, Göppingen, Donzdorf und den Fildern sorgten für die musikalische Untermalung des Baumstellens. Sie ließen keinen im Unklaren darüber, dass jetzt die Narren das Sagen haben.

Maik Griesdorn von der Narrenzunft Zwieblingen 2014 hielt die Ansprache, der Baum wurde wie in Berkheim schweißtreibend mit Schwalben aufgestellt. Und auch in der Stadt wurde kräftig gefeiert: Das Alte Rathaus war fest in der Hand der Narren.

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