Landeskonservator Bofinger erklärt Günter Baumann von der Erschließungsfirma Geoteck und Bürgermeister Benignus (von links) die Vorgehensweise. Quelle: Unbekannt

Von Greta Gramberg

Mehr dürften nur diejenigen geschwitzt haben, die sich um die Entdeckung ägyptischer Königsgräber verdient gemacht haben: Auf der Ausgrabungsstätte im künftigen Altbacher Baugebiet Losburg herrschen subtropische Bedingungen. Um überhaupt etwas Erde bewegen zu können, müssen die Mitarbeiter der Firma ArchaeoBW den Boden mit Wasser aus Gießkannen befeuchten. „Es ist schwierig, wenn alles so trocken ist“, erklärt Gaëlle Duranthon. Die 28-Jährige und ihre Kollegen sind seit Anfang Mai dabei, im Boden nach prähistorischen Spuren zu suchen.

Was sie bislang gefunden haben sei zwar nicht sehr spektakulär, aber wissenschaftlich wichtig, erklärt Duranthons Chef Przemysław Sikora, Geschäftsführer der archäologischen Dienstleistungsfirma, die von der Gemeinde mit den Grabungen beauftragt wurde. Rückstände von Pfosten, Abfallgruben und Keramikteilen aus der späten Bronzezeit sind in der Erde gefunden worden. Sie deuten auf eine kleine Siedlung hin - ein so großflächiger Fund aus dieser Zeit ist selten. „Meines Wissens ist es im näheren Umkreis der einzige“, sagt Jörg Bofinger, Leiter des Referats archäologische Denkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege.

Der Experte vermutet, dass an der Stelle ein kleines Dorf mit 50 bis 100 Bewohnern und etwa drei Gehöften gestanden haben könnte. Er erhofft sich, dass durch die Funde mehr zur Siedlungsstruktur dieser Zeit herausgefunden werden kann, von der bislang nicht viel bekannt ist. Dass die Siedlungsreste aus der Zeit um 1000 vor Christus stammen, macht Bofinger an der Keramik fest. Die Scherben zeigen, dass die Ränder der Keramik sauber und glatt sind - im Expertenjargon heißt das facettiert, wie der Landeskonservator erläutert. Es sei ein europaweites Phänomen dieser Epoche. Die Altbacher Funde zeigen Scherben und wenige fast ganz erhaltene Stücke rötlicher, dickwandiger Grobkeramik, aber auch dunkler, feinerer Gefäße. Diese dienten als Tafelgeschirr, erklärt der Experte. „Die Leute wussten ganz genau, was sie wollten“, weißt er auf das handwerkliche Können der damaligen Siedler hin, die noch keine Töpferscheiben hatten. Die Feinkeramik sollte schwarz sein, um Metallgeschirr zu imitieren, das damals wertvoll war.

Eigentlich war das Landesdenkmalamt davon ausgegangen, das weitere Merowingergräber unter der Erde liegen könnten. Im vergangenen Sommer hatte es darum drei Wochen lang Testgrabungen gemacht, das heißt in 28 Streifen über das 3,8 Hektar große Gebiet verteilt 20 bis 30 Zentimeter Erde mit dem Bagger abgetragen. Dabei traten die Funde aus der späten Bronzezeit zutage. In Absprache mit der Gemeinde wurden dann drei Hauptgrabungsflächen festgelegt und ein Arbeitsablauf, um die Erschließung des Baugebietes nicht zu sehr zu verzögern. Zunächst ist im Nordosten der vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Fläche begonnen worden, derzeit ist das Team südlich der Teckstraße Zugange und geht danach noch in den Nordwesten. In etwa drei Monaten soll die Suche fertig sein. Bis dahin will das Ausgrabungsteam alles zumindest dokumentieren, bevor es durch die geplanten Bauarbeiten zerstört wird.

„Wir haben nicht so viel Zeit wie Forschungsarchäologen“, macht Gaëlle Duranthon klar. Nachdem die oberste Schicht Erde abgetragen ist, macht eine Drohne Fotos von der Fläche, dank derer der Grabungsplan erstellt werden kann - eine neue, hochmoderne Technik, macht Bofinger klar. An den dunkel verfärbten Stellen wird dann tiefer gegraben, die Stellen werden in der Mitte geteilt. Zeigt der Querschnitt brauchbares, wird die zweite Hälfte vorsichtiger abgegraben. Alles wird mit vielen Fotos dokumentiert. Die Keramikfunde werden gewaschen und landen am Ende wohl im Fundarchiv Raststatt, wo sie auf die Untersuchung durch interessierte Studenten warten, die sie als Anlass für ihre Abschlussarbeit nehmen können.

„Dadurch, dass wir uns abgestimmt haben, gibt es eigentlich keine zeitliche Verzögerung“, sagt Bürgermeister Wolfgang Benignus. Nach den Sommerferien sollen die Erschließungsarbeiten für das Baugebiet beginnen, auf dem bis zu 120 Wohneinheiten entstehen sollen. Die archäologischen Grabungen bedeuten für die Gemeinde aber Mehrkosten von 350 000 Euro.

Das ganze habe die Verwaltung schon Nerven gekostet: Die Gemeinde muss das Geld vorstrecken. Am Ende wird es auf die Grundstückseigner umgelegt. Durch die Deckelung der Grabungskosten kam vor kurzem eine Einigung zustande. Um der Bevölkerung etwas zurückzugeben, überlegen sich nun Denkmalamt und Gemeinde, die Ergebnisse der Grabung in einer kleinen Ausstellung im Rathaus zu präsentieren.

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