Beate Blankenhorn aus Bondorf ist eine profilierte Kunstmalerin im Kreis Böblingen. Sie malt mit Farben, die man nicht sieht und braucht Eier von freilaufenden Hühnern.
Etwas Magisches und manchmal Irritierendes liegt in den Bildern von Beate Blankenhorn, die jüngst mit einem Zyklus zum großen Bauernkrieg in Herrenberg zu sehen war. Sie malte den Maler Jerg Ratgeb, wie er den Herrenberger Altar malt, umschwirrt und geleitet von mystischen Tieren, Vögeln, Eichhörnchen. Mehrere Schichten von Farbe und Realität öffnen in ihren Bildern Tore zu visuellen und inneren Reisen. Aber wohin?
Vielleicht muss man zum Ausgangspunkt ihrer Reisen zurückkehren, zu ihrem Atelier in Bondorf mit den vielen bunten Fensterläden, das Ausstellungsraum und Werkstatt zugleich ist, Ruhezone und Lebensraum.
Weiß-gelbe Harzbrocken liegen auf dem Tisch. Aus diesem Dammarharz macht sie Ei-Tempera, ein Rezept für Farbe, das tausend Jahre alt ist. Dieses Harz wird in Indien und Malaysia als kristallisiertes Licht bezeichnet und ist der Anfang zu ihren Bildern. Jetzt löst sie das Dammarharz in Wasser auf.
Sie wollte eigentlich Automechanikerin werden, weil man da ölverschmierte Hände und schmutzverkrustete Klamotten haben durfte und keines von den Mädchen mehr sein musste, denen man eintrichterte, sich nicht schmutzig zu machen und ja auf das Kleidchen aufzupassen. Doch ihr Talent brach sich Bahn, ihr Kunstlehrer unterstützte sie, und als sie ihre Gemälde an eine Grafik-Design Schule schickte, riet man ihr – sehr folgerichtig – doch einfach gleich zu malen.
So kam sie zur freien Kunstschule Stuttgart und dann an die staatliche Akademie der bildenden Künste. Sie war das Küken unter den Studenten, die jüngere, die aus Gerstetten kam aus einem kleinen Dorf von der Alb. Die älteren Malkollegen halfen ihr, zeigten ihr Kniffs, bildeten sie aus, weil der Professor sowieso nur alle 14 Tage mal vorbeischneite. Sie wurde besser als ihre Mitstudenten und feierte Erfolge. Erst belächelt, später angefeindet und dann weggebissen.
Dammarharz – das Licht des Anfangs
Gegenständlich zu malen war out in dieser Zeit, galt als rückständig, es gab kaum Lehrer, die ihr das beibringen wollten oder konnten. Sie hat sich zu den Restauratoren in der Akademie geschlichen und sich dort die traditionellen Malweisen genauso beigebracht wie die Herstellung von Farben. Weit weg von der künstlerischen Intellektualität, die vielleicht konstruieren kann, aber wenig sieht.
Als die Kinder kamen, wollte ihr Mann keine Malerin mehr, sondern eine Hausfrau. Es konnte nicht gut gehen. Aber auch in dieser Zeit, als ihr altes Leben am Zerbrechen war, hielt sie die Fäden in der Hand. Sie arbeitete, sie versorgte die Kinder, sie studierte nebenher Philosophie, las Aristoteles und Platon, wo andere schon am Logik-Schein scheiterten. Und arbeiten, das hieß malen.
Sie malte Bilder zusammen mit ihrer Freundin, sie stellten gemeinsam aus, sie arrangierten gemeinsam ihr Stilleben, sie malten leere Eierkartons, sie malten leere Pralinenschachteln, „wir waren mehr als Schwestern, wir waren Zwillinge“, sagt sie.
Die Kräfte der Freundschaft
Wenn es giftig wird, steht sie auf. Kadmiumrot ist überall sonst verboten außer in der Kunstmalerei, aber es gibt für sie nichts Besseres an rotem Pigment. Durch das Aufstehen hat sie wenigstens ein bisschen Abstand zum Farbstaub. Sie gibt Wasser hinzu, rührt mit dem Pinsel, stellt es beiseite. Jetzt braucht sie blau.
Als ihre Freundin an Krebs erkrankte, hat sie sie begleitet und gepflegt, mit ihr die Angst geteilt und gemeinsam gingen sie an die Schwelle des Todes. Beate Blankenhorn blieb zurück, doch die Verbindung zerriss nicht. Als ihre Freundin gegangen war, hat Beate Blankenhorn ein neues Bild gemalt. Sie selbst sitzt auf der Couch, der Schatten ihrer Schwester im Geist tritt in schwachen Umrissen aus einer Wand. Nach all den Interieurs, leeren Stühlen, verwaisten Sofas, waren mit dem Tod ihre Freundin Menschen auf ihre Leinwand gekommen, um für immer zu bleiben.
Auf einem anderen Bild in ihrem Atelier liegt Siegmund Freud auf einer Couch unter einem Quilt und daraus quilt ein persischer Teppich flankiert von Silberreihern. Der Psychotherapeut wird von Virginia Woolf therapiert wird, die daneben sitzt und genüsslich ein Zigarettchen pafft.
Ein kleines Mädchen steht davor in einem kurzen Rock und Schatten im Gesicht. „Das bin ich“, sagt Beate Blankenhorn schlicht. In einem anderen Bild umarmt das Kind den Großvater, mit seinen zwei Pferden, die er zurücklassen musste, als er vertrieben wurde, was ihm genauso das Herz gebrochen hatte, wie der Verlust seiner Heimat. Vielleicht hatte der Großvater die Bindung zu Tieren in das Leben von Beate Blankenhorn gebracht. Manchmal ist es nur ein Schaukelpferd, das etwa die Schriftstellerin Nelly Dix reitet. Mit den Armen beschreibt Beate Blankenhorn die zwei Dreiecke der Bild-Komposition. Auf dem Bild ist Nelly Dix als Erwachsene und als Kind zu sehen. Soll das Kind Nelly Dix zur Erwachsenen Nelly Dix hinreiten oder von ihr weg? Von ihr weg, entscheidet sie.
Wenn Walter Benjamin recht hatte, als er sagte, Bilder umgebe eine Aura, dann sind die Bilder von Beate Blankenhorn ein Beispiel dafür. Manchmal schreibt sie Worte auf die Leinwand, bevor sie malt, positive Worte, Worte voller Energie, dann trägt sie die Farben auf, Schicht um Schicht. Man sieht die übermalten Farben nicht, und man braucht sie vielleicht auch nicht sehen, aber diese Farben verleihen der Komposition Dichte und Atmosphäre und manchmal, wenn sich die Ränder nicht ganz decken, dann scheint der übermalte Untergrund doch hervor und man denkt, gut, dass sie da sind, die Farben.
Farben? Persönlichkeiten
Farben? Nein, Persönlichkeiten. Mit denen sie sich auseinandersetzt, mit denen sie ringt. Etwa drei Monate braucht Beate Blankenhorn für ein Bild mit seinen drei Ebenen, der Realität, der Gedanken, der Träume. Gerät sie auf einer Ebene in eine Sackgasse, dann kann sie auf einer anderen Ebene weiter arbeiten. Ein Bild aus Mexiko wird von einem Maya-Kalender getragen, ein Bild aus dem Dschungel wollte und wollte nicht gelingen. „Dann habe ich habe von einem Kolibri geträumt, der das Bild fertig malt“, sagt sie und nun tupft der kleine Vogel mit seinem Schnabel einen Regenbogen auf die Leinwand. Und sie träumt weiter: Einmal außerhalb Baden-Württembergs ausstellen, einmal so viele Bilder verkaufen, dass sie ein halbes Jahr in Mexiko leben könnte.
Die Bilder umringen sie, wie Kinder die groß geworden sind, und die das Haus verlassen sollten, um auf eigenen Beinen stehen, jedes Bild ein neuer Weg. Wenn sie ein Bild verkauft, dann freut sie sich, wie sich eine Mutter freuen würde, wenn das Kind endlich da ankommt, wo es hingehört.
Sie schlägt ein Ei auf, von freilaufenden Hühnern natürlich, lässt es in ein Schraubglas gleiten und schüttelt es. Sie gießt Leinöl in die Eierschale, die ihr als Messbecher dient, danach das gelöste Dammarharz und mischt jetzt blaue Farbe, die zäh wird wie dicke Milch.
Jetzt trägt sie Blau auf, auf eine Stelle im Gemälde von Nelly Dix, die später gelb werden soll. Nur sie wird die Farbe unter der gelben Deckschicht sehen, aber die Energie spürt jeder.
Weg zur Kunst
Lebenslauf
Beate Blankenhorn wurde 1966 in Gerstetten/Ostalb geboren, studierte 1986 bis 88 an der freien Kunstschule Stuttgart, 1988 bis 1994 Studium der freien Malerei an der staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart. 1997 bis 2004 Philosophie-Studium an der Uni Stuttgart. Seit 2004 ist sie Dozentin und Privatlehrerin für Kunst und Yoga.
Akademie
Die Stuttgarter Kunstakademie wurde 1762 gegründet und bietet 850 Studenten einen Ausbildungsmöglichkeit.