Dr. Michail Küsel, Facharzt für Innere Medizin mit Praxisschwerpunkt Ernährungsmedizin, führt gemeinsam mit Gunther Witzig eine hausärztliche Praxis in Ludwigsburg. Das Interesse liegt in der Familie: Vater Winfried Küsel, Mediziner, Autor und Referent, hat sich einen Namen als Experte für gesunde Ernährung einen Namen gemacht. Foto: privat - privat

Veganer sind mangelernährt - diese Ansicht hält sich hartnäckig. Laut Ernährungsmediziner Michail Küsel sind Veganer dagegen meist fitter als Fleisch- und Käse-Esser.

Das Umfeld ist gerne besorgt, wenn sich ein Veganer outet: Hartnäckig hält sich die Furcht, bei rein pflanzlicher Ernährung zeigten sich Mangelerscheinungen. Doch nach einer Unterhaltung mit Michail Küsel macht man sich eher Sorgen um die Fleisch- und Käse-Esser. „Aus gesundheitlicher Sicht spricht nichts gegen die vegane Ernährung“, sagt der Arzt. Im Gegenteil: „Veganer sind in der Mehrheit deutlich gesünder als der Durchschnitt.“ Küsel, der selbst vorwiegend vegan isst, beruft sich dabei auf große Langzeitstudien wie die Adventist Health Studies, die zeigen, dass Veganer das geringste Risiko haben, an Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Problemen oder Krebs zu leiden. Küsel hat erlebt, dass sich der Gesundheitszustand von Herzinfarkt- und Diabetes-Patienten nach einer Umstellung auf pflanzliche Kost wesentlich verbessert hat. „Veganer sind auch weniger infektanfällig und allgemein widerstandsfähiger.“ Neben der Ernährung seien aber auch Bewegung und ausreichend Schlaf wichtig.

Information ist das A und O

Auf bekannte Fälle angesprochen, in denen veganen Eltern mit unterernährten Kindern der Prozess gemacht wurde, reagiert Küsel genervt. Das seien Einzelfälle, in denen es den Eltern meist an gesundem Menschenverstand gemangelt habe und die medial aufgebauscht würden. Während es auch Fälle von krassem Übergewicht bei Kindern gebe, nach denen kein Hahn krähe, hält der Arzt dagegen – dabei müssten beide Extreme vermieden werden. „Mangelerscheinungen sind etwas sehr seltenes“, sagt Küsel, der viele vegane Patienten hat. Meist seien diese auf mangelndes Wissen zurückzuführen. Grundsätzlich hält Küsel eine vegane Ernährung auch für Kinder für möglich. Dennoch: „Vegan heißt nicht gleich gesund“, mahnt er. Voraussetzung sei immer, sich zu informieren. Es gebe genügend Infomaterial im Netz, Ernährungsberater und Kochbücher. Eine gute Orientierung für eine ausgewogene Küche gebe die Gießener Ernährungspyramide. Allerdings sind Menschen unterschiedlich, Unverträglichkeiten könnten die Umstellung erschweren. Dann ist es sinnvoll, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Doch einen Arzt zu finden, kann schon schwierig werden, wie Küsel weiß: Viele Medizinerkollegen lehnen vegane Ernährung kategorisch ab, weisen deswegen sogar Patienten ab.

Einige Grundregeln:

„Vegan heißt nicht gleich gesund“, mahnt der Arzt Michail Küsel. Eine gute Orientierung für eine ausgewogene Küche gebe die Gießener Ernährungspyramide. Auch wer auf Fleisch und Milch verzichtet, sollte vor allem unverarbeitete Lebensmittel verwenden, vor allem Gemüse und Obst. Für eine ausreichende Eiweißzufuhr empfiehlt Küsel eine Mischung aus Sojaprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen. Im Vergleich zu tierischen Lebensmitteln enthalten die einzelnen Pflanzen eine weniger komplexe Zusammensetzung von Aminosäuren. Deswegen rät der Arzt, zu kombinieren – beispielsweise für den Eintopf Bohnen und Linsen zu verwenden. Zusätzlich zu sich nehmen sollten Veganer laut Küsel Vitamin B12 und Vitamin D. Calcium kann dagegen über die Nahrung aufgenommen werden, etwa in Form von Sesam, Blattgemüse und Tofu.

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