Die Altistin Seda Amir-Karayan singt zur Eröffnung der armenischen Kulturtage in der Stiftskirche. Foto: privat

Die Vertreibung der Armenier aus Bergkarabach hat Änderungen im Programm der armenischen Kulturtage zur Folge, die an diesem Donnerstag in Stuttgart beginnen.

Die armenischen Kulturtage, die seit 2011 von der armenischen Gemeinde in Stuttgart organisiert werden, dürften in diesem Jahr in ihrer Zusammenstellung besonders schwierig sein: Angesichts von aktuellem Krieg und Terror in Israel und der Ukraine mag die Vertreibung der Armenier aus der Enklave Bergkarabach für viele nur noch eine Randnotiz sein, für die Armenier selbst geht da abermals ein wichtiger Teil ihrer Kultur verloren. Das hat Auswirkungen auf das anstehende Programm.

Seda Amir-Karayan tritt auf

Zur Eröffnungsgala am Donnerstag, 19. Oktober, kann der Hover-Chor aus Armenien nicht kommen. Stattdessen gibt es von 19.30 bis 21 Uhr in der Stiftskirche ein Benefizkonzert mit Stücken von Johann Sebastian Bach und dem Armenier Komitas unter dem Titel „Dona nobis pacem“. Fritz Krämer dirigiert ausgewählte Instrumentalisten, es singt die Altistin Seda Amir-Karayan, die bereits etliche Konzerte mitgestaltet hat.

Zum Abschluss die „Sinfonie für den Frieden“

Und aus dem Abschluss-Galakonzert am 28. Oktober um 20 Uhr im Hospitalhof wird ein Benefizkonzert unter dem Titel „Sinfonie für den Frieden“. Ruben Gazaryan leitet das Staatliche Kammerorchester Armeniens. Aufgeführt werden Kompositionen von Ruben Altunyan, Aram Chatschaturjan, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Eduard Misojan. Die Erlöse beider Konzerte gehen an die Vertriebenen aus Bergkarabach.

Dazwischen gibt es Gelegenheit, die armenische Kultur kennenzulernen: zum Beispiel bei einer Romanverfilmung, die am 21. Oktober im Atelier am Bollwerk gezeigt wird, und bei der die Autorin sowie der Regisseur anwesend sind. Zwischen 11 und 15 Uhr lädt die Samstagsschule Surb Mesrop Mashtoz zu einem Tag der offenen Tür in den Bürgertreff Lamm (Ulmer Straße 352) ein. Autorengespräche stehen am Freitag 20. Oktober im Mittelpunkt. Von 18 bis 19.30 Uhr mit Lilit Sargsyan-Kärcher, Naira Kochar und Samuel Parlar, um 19.30 Uhr mit Narine Abgaryan.

Krisenherd Bergkarabach

Was es mit dem Konflikt um Bergkarabach auf sich hat und wie es um das kulturelle Erbe der Armenier steht, darüber informiert ein Diavortrag am 27. Oktober um 19 Uhr im Gemeindehaus der Lutherkirche Bad Cannstatt. Und am 28. Oktober gibt es von 10 Uhr an im Hospitalhof eine literarisch-musikalische Matinee zum Thema „Gemeinsam für den Frieden“. Um 14 Uhr lädt die Jugend der armenischen Gemeinde zu diesem Thema ein und um 16 Uhr folgt eine Weinprobe mit Diavortrag zum Thema „Armenien – Ein Reiseland für Weinliebhaber“.

Der Pfarrer Diradur Sardaryan ist verantwortlich für das Programm. Am 25. Oktober hält er um 19 Uhr im Hospitalhof einen Diavortrag über einen armenischen Ökumeniker aus dem Hochmittelalter. Ansonsten lädt er am 29. Oktober zum Abschluss der Kulturtage nach Göppingen ein, wo sich die armenische Heilig-Kreuz-Kirche (Lerchenbergstraße 48) befindet. Dort wird um 14 Uhr eine Ausstellung eröffnet. Schon zuvor beginnt um 12 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum von Bartenbach (Fehlhalde 4) bei Göppingen die Feier „Surb Patarag“, die heilige Liturgie der Armenischen Kirche.