Glaskugel trifft auf Backstein: die „Niemeyer Sphere“ in Leipzig Foto: dpa/Jan Woitas

Es ist einer der letzten Entwürfe, die der weltberühmte brasilianische Architekt Oscar Niemeyer hinterlassen hat: die „Niemeyer Sphere“, eine spektakuläre Café-Kugel. Auftraggeber ist ein Leipziger Kranbau-Unternehmer. Der futuristische Bau steht kurz vor der Vollendung.

Leipzig - Auf dem Geländes des traditionsreichen Kranbauers Kirow in Leipzig wird derzeit ein Café nach den Plänen des legendären brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer (1907–2012) fertiggestellt. Die Kugel ist nach Angaben des Unternehmens einer der letzten Entwürfe Niemeyers. Von weitem erinnert sie ein wenig an den Helm eines Sternenkriegers, der an der Ecke eines alten Heizhauses klebt. 2011, ein Jahr vor seinem Tod, hat der Brasilianer sie konzipiert. Seit 2017 wurde gebaut. Jetzt ist die „Niemeyer Sphere“ so gut wie fertig.

Oscar Niemeyer gilt als Wegbereiter der modernen brasilianischen Architektur; er entwarf zahlreiche öffentliche Gebäude für die brasilianische Hauptstadt Brasília, die 1987 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Das Werkverzeichnis des Architekten umfasst mehr als sechshundert Bauten, darunter auch zahllose Schulen. In Deutschland konnte er nur ein Projekt verwirklichen: ein Wohnhaus für die Internationale Bauausstellung IBA 1957 im Berliner Hansaviertel.

Nun kommt die „Niemeyer Sphere“ hinzu. Der Bau in Leipzig wird vom Harald Kern Architekturatelier, Leipzig, in Partnerschaft mit Jair Valera, Rio de Janeiro, realisiert. Valera war seit Mitte der 1970er-Jahre Freund und rechte Hand Niemeyers in dessen Studio und somit bestens vertraut mit der Entwurfshaltung des Jahrhundertarchitekten.

Eigentlich sollte die Café-Lounge-Kugel schon ein Jahr früher vollendet werden, sagt die Prokuristin Simone Lepper. Allerdings sei der Bau eine Herausforderung gewesen. Die Betonkugel hat Glasflächen aus dreieckigen Fenstern, die aus sogenanntem Liquid Crystal Glas bestehen, ein Material, das auch für Handy-Displays verwendet wird. Es sei schwierig gewesen, einen Hersteller zu finden, es hätten zudem Chargen zurückgegeben werden müssen, bevor es wirklich passte.

Die große Eröffnung ist vertagt

Finanziert werde die spektakuläre Architektur von Kirow und seinem Schwesterunternehmen, dem Straßenbahnbauer Heiterblick GmbH. Über die Kosten wird geschwiegen. Beide Firmen sind auf dem Gelände der „Techne Sphere“ im Leipziger Stadtteil Plagwitz angesiedelt; sie gehören Ludwig Koehne, der auch den Anstoß für das Projekt gab. Der Inhaber habe sich persönlich an Niemeyer gewandt und gefragt, ob sich der Architekt so ein Projekt in Deutschland vorstellen könne, berichtet Lepper.

Nach den Bau-Verzögerungen hat auch noch Corona der „Niemeyer Sphere“ einen Strich durch die Rechnung gemacht: Die Kugel soll als Erweiterung der Kirow-Kantine öffentlich zugänglich sein und zudem als Event-Location genutzt werden. Die Pandemie habe diese Pläne jedoch erst mal begrenzt, sagt Lepper. Buchungsanfragen würden zwar entgegen genommen, aber die geplante große Eröffnung der Kugel ist auf unbestimmte Zeit vertagt.

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