Die Minihäuser des niederländischen Stararchitekten J.J. Pieter Oud in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart werden saniert. Warum die Mieter einige Geduld aufbringen müssen.
Gutes Schuhwerk braucht, wer dieser Tage in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung unterwegs ist. Heftig gearbeitet wird auf der Baustelle zum Weissenhof.Forum, das innovative Info- und Empfangsgebäude soll 2027 spätestens fertig sein, wenn die IBA 27 beginnt. In dem Jahr feiert dann bekanntlich auch die Weissenhofsiedlung ihren 100. Geburtstag und auch dort sind jede Menge Bauzäune errichtet.
Die komplette Siedlung steht unter Denkmalschutz. Teil der Siedlung sind zwei Bauten des Architekten Le Corbusier, die Unesco-Welterbestätten sind. Das Land Baden-Württemberg gab 2025 im Zuge der Denkmalschutz-Förderung 12000 Euro für ein Ausstellungs-Film-Kooperationsprojekt „Le Corbusier-Häuser:„Wie wohnen?“.
Stuttgarter Weissenhofsiedlung – ein Renovierungsprojekt
Auch die Wüstenrot Stiftung unterstützt die Siedlung seit Jahren. Sie wird, seit sie im Besitz der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) ist, peu à peu saniert – mit Unterstützung der Wüstenrot Stiftung, die reichlich Expertise im Denkmalschutz besitzt.
Fast fertig saniert sind die Mart-Stam-Häuser, deren Fassade schon wieder in einem sehr besonderen Blauton leuchten. Die Mäuerchen am Eingang der Siedlung Am Weissenhof aber sahen zuletzt arg mitgenommen aus, sie werden jetzt ausgebessert. Und nun sind die fünf schmalen Reihenhäuser des niederländischen Architekten J.J. Pieter Oud im Pankokweg 5-9 eingerüstet.
Tiny Houses in der Weissenhofsiedlung Stuttgart
Das Dach und die Fenster sind an der Reihe, wie Frank Riethmüller, der Leiter Baumanagement Bestand der SWSG, bei einem Besuch auf der Baustelle berichtet. Der Wärmedämmputz, der in den 1980ern schon mal neu aufgebracht wurde, hat eine Erneuerung nötig, die Betonstützen am Eingangsbereich, neue Dachabdichtung ist nötig, Oberlichter und Fenster werden bearbeitet. „Und auch die Mauern sanieren wir“, sagt Frank Riethmüller.
Natürlich wird alles nach Denkmalschutzregeln aufgearbeitet. Die Stahlrahmen der Fenster, die auch aus den 1980ern stammen, werden repariert oder ersetzt und größtenteils vor Ort aufgearbeitet, die Scheiben werden ausgetauscht gegen besonders dünne Isolierglasscheiben. Da wird den Bewohnern der berühmten Bauten einiges an Geduld und Lärmtoleranz abverlangt.
Mäuerchen in der Stuttgarter Siedlung werden aufgearbeitet
Der Eingang auf der Gartenseite, an der ein öffentlicher Spazierweg vorbeiführt (der Belag soll ebenfalls ausgebessert werden), war ursprünglich der eigentliche offizielle Eingang, berichtet Riethmüller beim Baustellenrundgang.
Inzwischen aber befinden sich die Klingelschilder und Haupteingänge auf der Straßenseite, was praktisch ist, da man mit Einkäufen gleich in den Wirtschaftsraum gelangt. Die Gärten sind je nach grünem Daumen der Bewohnerschaft aktuell unterschiedlich gestaltet und dürfen bleiben wie sie sind; wer aber will, bekommt etwa neue Terrassenplatten.
Energetisch sanieren ist im Denkmal eine knifflige Angelegenheit und kostspielig, die Sanierungskosten für die Oud-Häuser betragen voraussichtlich rund 1,7 Millionen Euro, weil oft keine günstige Massenware verbaut werden kann. Bis zum Frühling 2026 werden die Mietenden in den kleinen Reihenhäusern dort noch mit der Baustelle leben müssen.
Auch wenn man sie nicht von innen besichtigen kann, da sie bewohnt sind, zeugen die Bauten des niederländischen Architekten davon, dass das Wohnen auf relativ geringer Grundfläche möglich ist. Aktuell ist der Durchschnitts-Wohnraumverbrauch in Deutschland 47 Quadratmeter pro Person, die Oud-Häuser sind für Familien geplant gewesen und kommen mit 72 Quadratmetern pro Haus aus.
Info
Ausstellung
Die zwei Le Corbusier Häuser – bekanntlich Unesco-Weltkulturerbestätte – in der Weissenhofsiedlung sind immer einen Besuch wert, das Museum in einem der beiden Gebäude hat geöffnet.