Für eine italienische Familie hat der Esslinger Architekt Thomas Sixt Finckh ein Haus mit Swimming Pool und herrlichen Ausblicken auf die Schwäbische Alb gebaut.
Für eine Familie mit italienischen Wurzeln den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, das war für den Esslinger Architekten Thomas Sixt Finck spannend. „Ein Gefühl von Mittelmeer“ in die Plochinger Höhenlage zu zaubern, hat ihn gereizt. Am Rande des Neubaugebiets Stumpenhof 2 hat er ein Haus gebaut, durch dessen Fensterfronten die Bewohner nicht nur die herrliche Aussicht auf die Schwäbische Alb genießen können. Herzstück des städtebaulichen Hinguckers ist der Swimming Pool mit Stufen aus Holz.
„Sonnenterrassen“ nennt der Esslinger Architekt das Gebäude, das er im Jahr 2020 gebaut hat. „Es geht darum, an schönen Tagen die Sonnenstrahlen einzufangen“, sagt Finckh. Auf dem Dach sind Solarpanels, die zur Energieversorgung des Hauses beitragen. Geheizt wird mit Geothermie. Dieser Nachhaltigkeitsaspekt war den Bauherren sehr wichtig. Da das Gebäude am Waldrand und an einem viel genutzten Wanderweg liegt, ist das Gelände mit Kirschlorbeer eingefasst. „Ein idealer Sichtschutz“, findet Finckh. So könnten die Bewohner den Pool an warmen Tagen ungestört nutzen.
Das Markenzeichen des Esslinger Architekten sind monolithische Baukörper. Einfach und klar hat er auch das Haus „Sonnenterrassen“ gebaut. Zwei weiß lasierte Giebelwände aus Sichtbeton führen vom First bis auf den Boden – das gibt dem Gebäude seine originelle Struktur. „Die oberen Kanten dienen als Regenrinne“, sagt Finckh. So fließt das Wasser direkt ab in die Zisterne. Wichtig war dem Architekten die Anbindung an die Natur. Von den Terrassen öffnet sich nicht nur der Blick in die Weite. Unmittelbar daneben ist der Wald. Da Sichtbeziehungen zu schaffen, „und doch einen geschützten Raum zu entwerfen“, war dem Planer ein Anliegen. Das Bauen am Berg war für Finckh die besondere Herausforderung.
Besonders reizvoll fand es Finckh, der sein Architekturbüro in Stuttgart hat, das Raumprogramm auf die Bedürfnisse der italienischen Familie zuzuschneiden. „Da hat man eine andere Philosophie“, sagt der Bauexperte und lacht. Auch er habe da beim Planen umdenken müssen. Der Eingangsbereich ist dem Wohnen vorbehalten. In der Mitte schlafen die Eltern – ihr Schlafzimmer hat einen direkten Zugang zum Pool. Daneben sind die Räume der Kinder. „Für alle einen privaten, abgetrennten Bereich zu schaffen, war mir wichtig.“
Ein sakral anmutender Raum für die ganze Familie
In der oberen Etage, die über eine Treppe zu erreichen ist, sind Wohn- und Essbereich kombiniert. „Einen sakral anmutenden Raum zu schaffen“, war hier Finckhs Ziel. Da die Familie sehr viel gemeinsame Zeit verbringt und gerne Gäste hat, wird viel Platz gebraucht, sagt der Architekt. Die Küche ist nicht vom Wohnbereich getrennt. Durch die großen Fensterfronten öffnet sich vom Esstisch wie auch von der gemütlichen Sofa-Lounge aus der Blick auf die Schwäbische Alb. So hat man auch in der kalten Jahreszeit das Gefühl, draußen zu sein.
Beton ist das Material der Wahl
Bei der Materialwahl setzt Finckh auf Beton. „Es ist eine sichtbare Stahlbetonkonstruktion mit kerngedämmten Außenwänden, die außen weiß pigmentiert und innen naturbelassen sind.“ Vorurteile, die manche gegen den vermeintlich tristen Beton haben, widerlegt der Bauexperte schnell. Bei der Inneneinrichtung hat die Familie auf bunte Farben gesetzt. So wirkt der Innenraum alles andere als grau. „Beton sorgt für ein sehr angenehmes Raumklima“, ist der Architekt überzeugt. Auf einer kleinen Terrasse neben der Küche hat die Familie einen kleinen Kräutergarten angelegt. Pfefferminze, Rosmarin oder Thymian gibt es dann frisch.
In Zeiten von Klimawandel und steigenden Energiepreisen war es den Bauherren wichtig, möglichst umweltbewusst zu bauen. „Wir haben eine solide Geothermie-Wärmepumpe eingebaut“, erläutert Finckh das Konzept. Über eine eigene Photovoltaik-Anlage wird der Strom hergestellt. Zusätzlich sorgt aus seiner Sicht der Beton für eine optimale Isolation: „Und das zu allen Jahreszeiten.“ Wichtig ist es dem Architekten, auf langlebige Materialien zu setzen.
Urlaubsgefühle weckt der Terrassenbereich rund um den Pool. Da haben die Planer mit Holz gearbeitet. Das schafft eine warme Atmosphäre. „Die Latten müssen immer mal wieder nachgestrichen werden“, sagt Finckh. Durch die unterschiedlichen Ebenen hat die ganze Familie an heißen Tagen Platz, sich rund um das kleine, private Schwimmbecken zu treffen und in der Sonne zu liegen. Durch den weitläufigen, schön gepflegten Rasen gibt es auf dem Grundstück keine Platzprobleme.
Durch die schrägen Seitenwände hebt sich das Gebäude von der angrenzenden Bebauung ab. Städtebaulich sind die „Sonnenterrassen“ ein echter Hingucker. Die Gebäude in der Nachbarschaft sind von Bauträgern gebaut, die eher auf klassische Ausführung setzen. Da ist es Finckh und seinem Team gelungen, das Gebäude harmonisch in das städtebauliche Ensemble einzugliedern: „Es ist anders, und das passt – wir setzen damit besondere Akzente.“
Architekt mit Lust auf Neues
Zwei Generationen
Seit 2005 firmiert das 1971 in Stuttgart gegründete Architekturbüro unter dem Namen Finckh Architekten. Es wird in zweiter Generation von den Brüdern Thomas Sixt Finckh (Jahrgang 1966) und Chris Finckh (Jahrgang 1974) geleitet. Das Büro ist auf schmale Grundstücke und Fassadenflächen aus hochdämmendem Polycarbonat spezialisiert. Das Spektrum vom Innenausbau zum Städtebau zeigt unter anderem das preisgekrönte Kinderhaus 2030, das Finckh Architekten 2019 im neuen Stadtquartier Neckarbogen für die Bundesgartenschau 2019 Heilbronn realisiert haben.
Architektenkammer
Thomas Sixt Finckh ist seit 2014 Vorsitzender der Architektenkammer, Gruppe I, in Esslingen. Die Vernetzung mit anderen Architekturbüros ist ihm wichtig. Mit den „Tagen der Architektur“ und mit Rundfahrten möchte die Kammer einem breiten Publikum die Faszination der Architektur vermitteln.