Die Zeit des Postgebäudes läuft bald ab. Foto: Archiv/Simon Granville

Der Leonberger Gemeinderat stimmt für das Auslegen der Pläne für das Entwicklungsvorhaben im Zentrum. Das alte Postgebäude wird bald abgerissen.

Selbst Bernd Murschel, nicht gerade bekannt als Freund der Pläne fürs Leonberger Postareal, war dafür, dass nach einer sechs Jahre andauernden Diskussion endlich abgestimmt wird. „Die Verzögerungen aber“, so betonte der Fraktionschef der Grünen jetzt im Gemeinderat, „kommen nicht von uns.“ Vielmehr habe der Investor Strabag das Gremium „Ewigkeiten hängen lassen. “ Dass Murschel den nun vorliegenden Entwurf als zu „mächtig für das Herz der Stadt“ empfindet, daran ließ er keinen Zweifel.

In der Tat ist die Diskussion um das Postareal im Leonberger Zentrum mit dem Begriff „schwere Geburt“ nur unzureichend beschrieben. Wobei das städtebauliche Ziel sehr anspruchsvoll, wie auch dringend notwendig ist: Auf dem Gelände der ehemaligen Hauptpost ist ein Quartier mit Wohnungen, Handel und Gastronomie vorgesehen, das die neue Stadtmitte rund ums Leo-Center mit der historischen Altstadt verbindet. Fußgänger und Radler sollen über eine Brücke direkt zum Marktplatz gelangen.

Was gut klingt, ist im Detail sehr komplex. Nicht zu unrecht wies Christa Weiß in der letzten Arbeitssitzung des noch amtierenden Gemeinderates darauf hin, dass die Beratungen die komplette Amtszeit des Gremiums in Anspruch genommen hätten. Die Sozialdemokratin hat sich immer für ein attraktives Quartier ausgesprochen, in dem viele Dinge zu Fuß erledigt werden könnten.

110 Wohnungen sind geplant

Das größte Plus sind für Christa Weiß die geplanten 110 Wohnungen: „Das wird auf dem Wohnungsmarkt großen Druck wegnehmen“. Auch dass das Postareal ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA 2027) geworden ist, wird von der SPD ausdrücklich begrüßt: „Dadurch wird es ein Vorhaben, das der Zeit entspricht.“

Auch der Leonberger Baubürgermeister Klaus Brenner (Freie Wähler) erhofft sich durch die Aufnahme in den in Fachkreisen hoch angesehenen IBA-Kreis wichtige städtebauliche Impulse und Qualität: „Ich bin gottfroh, dass wir dabei sind.“ Nicht ganz so froh äußerte sich Frank Albrecht (SALZ), der die Radwegeführung und die geplanten oberirdischen Parkplätze bemängelte. Johannes Frey (Freie Wähler) beklagte, „die Verhältnismäßigkeit ist auf der Strecke geblieben.“ Der scheidende FDP-Fraktionschef Dieter Maurmaier sieht noch gestalterischen Spielraum: „Es geht darum, die jetzigen Pläne öffentlich auszulegen. Dann sind noch Änderungen möglich.“

Genau das soll jetzt geschehen: Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat zum Ende der Legislaturperiode einen sogenannten Auslegungsbeschluss auf den Weg gebracht. Jetzt können andere Behörden und Institutionen Stellung nehmen. Wobei der Baubürgermeister betont, dass die Wünsche des Gemeinderates in den städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt und dem Investor Strabag Real Estate eingeflossen sind. Deshalb ist Brenner auch optimistisch, dass ein Bebauungsplan für das Gelände im Herbst beschlossen werden kann. Das alte Postgebäude soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. Baustart wäre dann 2026.