Foto: Bulgrin - Bulgrin

Von Harald Flößer

An der Kante des Schwurwalds zwischen Winterbach und Hohengehren hat sich in den vergangenen Wochen viel getan. Eines von drei Fundamenten für den Windpark Goldboden ist bereits fertiggestellt. Bei den anderen beiden werden in den nächsten Tagen jeweils fünf Probepfähle 15 Meter tief ins Erdreich gerammt. Dann müssen Gutachter darüber befinden, ob die Standfestigkeit der 230 Meter hohen Windräder gewährleistet ist.

„Das wird alles funktionieren“, gab sich Tobias Borde von der EnBW gestern bei einer Baustellenführung optimistisch. Der Projektleiter für den Windpark Goldboden geht davon aus, dass im September alle drei Anlagen planmäßig laufen werden. Unterdessen hofft die Bürgerinitiative Pro Schurwald nach wie vor, das Vorhaben des Energiekonzerns stoppen zu können. Über die Klage gegen den Sofortvollzug der Ende 2016 vom Landratsamt Waiblingen ausgestellten Genehmigung hat das Verwaltungsgericht Stuttgart noch nicht entschieden. Die Windkraftgegner befürchten, dass es wegen des instabilen Untergrunds zu Erdrutschen kommen kann.

Test mit Probepfählen

Für die erste Windkraftanlage sei die Baufreigabe bereits erteilt, erklärte Michael Soukup, bei der EnBW für die Projektentwicklung Windenergie zuständig. Für die Anlagen 2 und 3 steht die endgültige Freigabe noch aus. An diesen beiden Standorten ist eine Pfahlgründung notwendig. Das heißt, aus Gründen der Stabilität müssen jeweils 54 etwa 15 Meter lange Pfähle aus Stahlbeton in die Erde gerammt werden, auf denen dann die Windkraftanlagen gebaut werden können. Um sicher zu gehen, dass damit die notwendige Standfestigkeit erzielt wird, will man zunächst einmal jeweils fünf Probepfähle setzen. Mit Hilfe einer sogenannten dynamischen Probebelastung müssen Fachleute dann herausfinden, ob die geplante Pfahlgründung ausreichen wird. Erst dann kann das Landratsamt Waiblingen grünes Licht geben.

Die Bürgerinitiative Pro Schurwald hat dagegen größte Bedenken. Wegen des Knollenmergel-Untergrunds, in dem sich auch 39 Quellen befinden, sei allergrößte Vorsicht geboten. Wenn man das Gebiet anschneide, so die Befürchtung der Windkraftgegner, seien Erdverschiebungen möglich. Der ganze Hang könnte ins Rutschen kommen. Genau das will die EnBW mit der dynamischen Probebelastung widerlegen, für die eine Spezialfirma aus Hamburg beauftragt wurde.

Fünf Kilometer lange Kabeltrasse

Tatsächlich ist an keinem der der derzeit 16 EnBW-Windkraftbaustellen der geologische Untergrund so problematisch wie am Goldboden. Trotzdem ist Projektleiter Borde davon überzeugt, dass die geplanten Pfahlgründungen zum Erfolg führen werden. Alle bisherigen Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Hang hält. Deswegen werde man auch ohne Verzögerung weiter bauen. Ein großer Teil der Infrastruktur wurde bereits geschaffen. Ein Wirtschaftsweg wurde angelegt, auf dem die späteren Windräder zu erreichen sind. Auch von der etwa fünf Kilometer langen Kabeltrasse, die nach Winterbach führt, habe man bereits die Hälfte verlegt. Die Bauteile der Windräder werden laut EnBW voraussichtlich im August angeliefert.

„Windgeschwindigkeit reicht aus“

In ihrer zweiten Klage, die gegen die Bundesimmissionschutzgenehmigung des Landratsamts Waiblingen gerichtet ist, führt die Bürgerinitiative Pro Schurwald ein weiteres Argmument ins Feld: Im Gebiet Goldboden sei die Windgeschwindigkeit zu gering, um dort Windkraftanlagen wirtschaftlich betreiben zu können. Auch das könne zweifelsfrei widerlegt werden, sagte EnBW-Teamleiter Michael Soukup bei der Baustellenbesichtigung.

Ein Jahr lang habe man an dieser Stelle des mittleren Schurwalds die Windgeschwindigkeit gemessen. Dafür habe man die sogenannte Lidar-Technologie verwendet, bei der Laserstrahlen zum Einsatz kommen. Die Ergebnisse seien eindeutig. „Wir haben an der Stelle auf Nabenhöhe im Jahresmittel über sechs Meter Wind pro Sekunde“, berichtete Soukup. „Das reicht auf alle Fälle aus, um eine Windkraftanlage wirtschaftlich betreiben zu können.“ Anders sei es im vorderen Schurwald zwischen Esslingen und Aichwald gewesen. Dort habe man eine Windgeschwindigkeit von lediglich 5,5 bis 5,6 Meter pro Sekunde gemessen. Und das reiche nicht aus. Deswegen habe man dort die Pläne für den Bau einer Windkraftanlage wieder fallen gelassen (wir berichteten).

Windpark Goldboden

  • Der Energieversorger EnBW baut zur Zeit deutschlandweit 16 Windkraftanlagen. Am Goldboden auf der Gemarkung Winterbach entstehen entlang des Kaisersträßles drei Windräder mit einer Leistung von jeweils 3,3 Megawatt. Damit lassen sich insgesamt 7500 Haushalte mit Strom versorgen. Die Windräder vom Typ N 131 haben eine Nabenhöhe von 164 Meter, der Rotordurchmesser beträgt 131 Meter. Dadurch wird eine maximale Höhe von 230 Metern erreicht.
  • Gebaut wird auf einer Fläche, die ursprünglich im Eigentum der ForstBW war. Erworben hatte sie zunächst die KommunalWind GmbH & Co. KG, die dann an die EnBW verkaufte. 3,5 Hektar Wald mussten gerodet werden. Etwa die Hälfte davon soll nach Fertigstellung wieder aufgeforstet werden.
  • Im Entwurf des Regionalplans ist der Standort Goldboden bei Winterbach als Vorranggebiet mit der Kennzeichnung WN 34 ausgewiesen. Im Dezember 2016 hat das Landratsamt Waiblingen die drei Windkraftanlagen genehmigt und Sofortvollzug angeordnet. Per Eilantrag hat die Bürgerinitiative Pro Schurwald dagegen Klage erhoben. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Stuttgart steht noch aus.

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