Eigentlich ist der Solitudeplatz als Ort für den Garten der Religionen beschlossene Sache. Doch nun gibt es Widerstand gegen das Projekt auf dem Ludwigsburger „Problemplatz“.
Ist der Solitudeplatz in Ludwigsburg der geeignete Standort für einen friedlichen Dialog zwischen den Religionen? Die FDP-Fraktion im Gemeinderat hat daran erhebliche Zweifel. In einem Antrag schreiben die FDP-Stadträte, dass der geplante „Garten der Religionen“ auf dem Solitudeplatz abgelehnt werde. Es sei dadurch „eine Verschlimmerung und nicht Verbesserung der Zustände“ zu erwarten. Pfarrer Martin Wendte, der das Projekt betreut, sieht das Problem ebenfalls. Doch er zieht eine andere Schlussfolgerung.
Der FDP geht es vor allem um die Sicherheitssituation. Bereits Ende letzten Jahres hatte die Fraktion in einem Antrag davor gewarnt, dass der Solitudeplatz sich zunehmend zu einem „Problemplatz“ entwickle. Erst vor kurzem war es auf dem Solitudeplatz wieder zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen, die Polizei musste einschreiten. Für die Liberalen ist das ein größeres Problem, sie fordern daher nun erneut ein „umfassendes Sicherheits- und Sauberkeitskonzept“.
FDP-Stadträtin fürchtet Einschränkung der Durchsichtigkeit
„Der Platz wird immer wieder von Kriminalität heimgesucht“, sagt FDP-Stadträtin Stefanie Knecht. Ein Garten der Religionen mit Pflanzbeeten und religiösen Stelen schränke die Durchsichtigkeit des Platzes weiter ein und führe abends zu noch mehr dunklen Ecken. Der Platz werde auch immer stärker von der Drogenszene missbraucht. Knecht fürchtet ein Übergreifen auf das in unmittelbarer Nähe gelegene Schulviertel.
Für Knecht, die selbst eine Immobilie ihrer Familie auf dem Solitudeplatz verwaltet, wäre es wichtiger, das Geld für eine verbesserte Sicherheit auszugeben. „Bevor ich mir so etwas Wichtiges und Richtiges leiste wie einen Garten der Religionen, muss ich doch erstmal überprüfen, ob der Platz dafür geeignet ist. Und im heutigen Zustand sagen wir: Er ist nicht geeignet.“
Pfarrer Wendte erwartet eher Verbesserung der Situation
Citykirchenpfarrer Martin Wendte von der Evangelischen Kirche in Ludwigsburg will den Sicherheitsbedenken der FDP nicht widersprechen. „Wir haben auf dem Platz tatsächlich ein Problem mit der Kriminalität. Er ist zurzeit nicht gut einsichtig“, sagt er. Die Entwürfe für den Garten der Religionen seien aber noch gar nicht fertig. Er wolle zusammen mit den Landschaftsgärtnern und Architekten darauf achten, dass die Besonderheiten des Platzes berücksichtigt werden und die Sicht nicht weiter verbarrikadiert wird.
„Wir würden da eher niedrige Büsche hinmachen. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass sich die Situation sogar verbessert und nicht verschlechtert“, sagt Wendte. Außerdem würde ein Garten der Religionen den Platz beleben – was derzeit vor allem abends kaum der Fall ist, seitdem die Gastronomien den Solitudeplatz verlassen haben.
Stadtverwaltung informiert über Sachstand
Die Stadtverwaltung hat den Solitudeplatz eigentlich bereits als Standort für den Garten der Religionen festgelegt. In der Sitzung des Mobilitäts- und Umweltausschusses an diesem Donnerstag wird sie einen mündlichen Bericht zum Sachstand geben, eine Entscheidung des Gemeinderates ist aber nicht nötig. Der Antrag der FDP werde „zu gegebener Zeit“ in den Gremien des Gemeinderats behandelt, erklärt eine Stadtsprecherin auf Anfrage. Erst dann werde die Stadtverwaltung dazu Stellung nehmen.
Doch was wäre eine mögliche Alternative zum Solitudeplatz? „Darüber kann ich mir momentan keine Gedanken machen, da muss die Stadtverwaltung etwas vorschlagen“, meint FDP-Stadträtin Knecht. Pfarrer Wendte hofft dagegen darauf, dass sich an der Entscheidung für den Solitudeplatz nichts mehr ändert: „Ich sehe keine bessere Alternative.“