Das Stöbern macht den Besucherinnen sichtlich Spaß. Foto: Eva Herschmann

In Waiblingen wurde erfolgreich Kleidung getauscht, um Umwelt und Geldbeutel zu schonen. Der Ansturm überraschte die Organisatoren. Wie dieses Modell funktioniert.

Vor der Öffnung reichte die Warteschlange vor dem Kulturhaus Schwanen in Waiblingen bis auf die Straße. Fast alle der überwiegend Mädchen und Frauen hatten große Taschen mit Kleidungsstücken dabei, die sie loswerden wollten, um das Vakuum mit kleidsamen Klamotten aus fremden Kleiderschränken zu füllen. In der „WIRsindBUNT-Aktionswoche“ haben der Schwanen gemeinsam mit dem Verein Frauen im Zentrum (FraZ) und der Initiative Waiblingen Klimaneutral am Freitag die erste Kleidertauschbörse organisiert.

Es gibt wohl kaum eine Frau oder einen Mann ohne Kleiderleichen im Schrank, die zum Wegwerfen zu schade sind. Einiges passt nicht mehr, anderes gefällt nicht mehr und manches Stück war ein Fehlkauf und hängt ungetragen und nutzlos herum. Für all jene Kleidungsstücke bot sich am Freitag die Chance auf ein neues Leben.

Nur ganz wenige Klamotten fielen durch die Qualitätskontrolle (Symbolfoto). Foto: dpa

Cristina Frey und Natalie Zimmer, die das Sprachcafé im Karo-Familienzentrum organisieren, prüften am Eingang die mitgebrachten Stücke auf ihre Tauglichkeit. Maximal 15 gebrauchte Teile konnte jede Besucherin abgeben, und nur ganz wenige Klamotten fielen durch die Qualitätskontrolle. Alles andere wanderte an die Kleiderstangen oder auf die Wühltische – und meist binnen Minuten auch schon in irgendeine Tasche. Wie die T-Shirts und Bustiers, die eine junge Frau im Internet bestellt hatte. „Die haben mir die falsche Größe geschickt. Es ist XS, und ich trage S. Aber zurückschicken wollte ich die Sachen nicht, weil das schlecht für die Ökobilanz ist.“

„Es kostet Überwindung, den Pullover einfach einzustecken“

Ein paar Teenies veranstalteten vor dem Spiegel neben den Umkleiden auf der Bühne eine Modenschau, unten im Saal freute sich eine ältere Dame über einen neuen gebrauchten Wintermantel. Es habe sie tatsächlich fast ein wenig Überwindung gekostet, den Pullover einfach einzustecken, weil es sich ein bisschen wie Diebstahl anfühle, verriet eine Besucherin. „Das ist man halt einfach nicht gewohnt, aber es macht Spaß“, sagte ihre Begleiterin mit einem Lächeln.

Beim Kleidertauschtag war das Zugreifen ohne zu zahlen erlaubt. Das Motto der Veranstaltung lautete „Wear and share“, auf Deutsch „Tragen und teilen“. Und die Lust auf Shopping ohne Geld war groß. Vor allem bei der weiblichen Generation. Denn obschon die Veranstaltung geschlechtsneutral war, waren nur vereinzelt Männer zu sehen, und die gehörten entweder zum Helferteam im Schwanen oder waren als Träger von ihrer weiblichen Begleitung engagiert.

Kleider zu tauschen bringt viele Vorteile. Es schafft Platz im Schrank für die neue Frühjahrsmode und Freude bei denen, die die Teile künftig tragen. Vor allem aber ist der Tausch von Jacken, Blusen, T-Shirts oder Shorts klimaneutral und ressourcenschonend. Viele sehen das mittlerweile genauso. Der Andrang hat die Veranstalterinnen und Veranstalter fast überrollt. Doch sie waren bestens vorbereitet, und fast alles, was die Besucherinnen mitbrachten, wurde von anderen wieder hinausgetragen.

Die erste Kleidertauschbörse war ein voller Erfolg, sagt Sabine Zeiner von Waiblingen Klimaneutral. „Es ist super gelaufen, und der Abend hat perfekt zum Wir-sind-bunt-Motto der Aktionswoche gepasst. Es war kunterbunt, auch was die Generationen anbetrifft.“ Der kleine Rest an übrig gebliebenen Kleidungsstücken werde sortiert und auf die Tafelläden in Waiblingen und Fellbach sowie das Rot-Kreuz verteilt. Und eines stehe schon fest, erklärte Sabine Zeiner. „Wir werden definitiv wieder eine Kleidertauschbörse machen.“