Die Ortsvorsteherin von Hirschlanden ist zugleich Verwaltungsstellenleiterin im Ditzinger Rathaus. Wie passt das zusammen, wenn sie allen Teilorten gerecht werden soll?
Wie kann es gelingen, Hirschlanden zu vertreten und doch für alle Teilorte gleichermaßen Ansprechpartnerin zu sein? Diese Frage hat sich Martina Bährle-Pfleiderer stellen und für sich beantworten müssen. Antwort auf diese Frage wollten aber auch Hirschlander, Heimerdinger, Schöckinger hören. Wie würde sie als Hauptamtliche im Ditzinger Rathaus als Hirschlander Ortsvorsteherin zugleich die Belange dieses einen Teilorts vertreten können? Im Zweifel seien einerseits ihre Mitarbeiter in der Verwaltungsstelle gefordert, oder aber die stellvertretenden Ortsvorsteher gefragt. So hat Martina Bährle-Pfleiderer die Frage für sich beantwortet.
Wie es die HIrschlander selbst sehen? Unruhe ist öffentlich keine wahrnehmbar – vielleicht auch, weil die Ortsvorsteherin unpopuläre Wahrheiten klar benennt. Der hauptamtliche Ortsvorsteher, die hauptamtliche Ortsvorsteherin sei nur die zweitbeste Variante, sagt sie zum Beispiel. „Ehrenamtliche sind mit mehr Herzblut dabei.“ Sie verfolgten Themen möglicherweise mit mehr Nachdruck. Zumal sie zwar in Ditzingen, aber nicht in Hirschlanden lebt. „Die Hartnäckigkeit macht es aus, wenn man hier lebt.“
Auf fünf Jahre gewählt
Ein dreiviertel Jahr ist ihre Wahl zur Hirschlander Ortsvorsteherin nun her, auf fünf Jahre ist sie gewählt. Bährle-Pfleiderer folgte auf Barbara Radtke (CDU), die nach 20 Jahren aus familiären Gründen nicht mehr für das Amt kandidiert hatte. Nicht mehr hundertprozentig Ansprechpartnerin für die Hirschlander zu sein, nicht mehr bei Feierlichkeiten präsent sein zu können, wenn es für die Gemeinschaft im Ort von Bedeutung gewesen wäre – das wollte sie nicht. Doch ein Ehrenamtlicher fand sich nicht, der die Nachfolge hätte antreten wollen und zeitlich hätte leisten können. Martina Bährles Motivation war, die Arbeit der Ortsvorsteherin selbst auszuführen, was ihr interessant und vielseitig erschien. Sie wusste, auf was sie sich einlassen würde, sie hatte als Protokollantin regelmäßig die Ortschaftsratssitzungen mehrerer Teilorte verfolgt.
Seit 2009 bei der Stadt
Die 61-Jährige ist seit 2009 bei der Stadt. Zunächst war die gelernte Altenpflegerin für die Unterbringung der Obdachlosen verantwortlich, dann später für das Bürgerschaftliche Engagement, um die Ehrenamtlichen durch Hauptamtliche strukturell zu unterstützen. Danach dann wechselte sie zu den Verwaltungsstellen, drei Jahre war sie Verwaltungsstellenleiterin, ehe sie diese Tätigkeit reduzierte und mit einem Stellenanteil von 30 Prozent zur hauptamtlichen Ortsvorsteherin wurde. „Das konzeptuelle Arbeiten fällt weg“, für die intensive Beschäftigung mit einem alle Teilorte betreffenden Thema ist kein Platz mehr. Andererseits sind ihre beiden Stellvertreter Dieter Stefan und Michael Munz als Lokalmatadoren viel dichter dran als sie. Die Zusammenarbeit mit den beiden sei gut, sagt sie wertschätzend. Sie selbst war „überall mit offenen Armen empfangen“ worden. Dass sie wie ihre Vorgängerin aus ihrem Einkauf beim örtlichen Metzger eine Bürgersprechstunde machen könnte, „so weit bin ich noch nicht“, sagt sie.
Die Identität ist maßgeblich
Als Verwaltungsstellenleiterin allen verpflichtet, als Ortsvorsteherin nur einem Teilort – das muss im Alltag beides möglich sein. „Es gibt wenige Interessenkonflikte“, sagt sie. Im Zweifel sind ihre Mitarbeiter in der Verwaltungsstelle stärker eingebunden.
Leicht macht es ihr möglicherweise auch das veränderte Verhältnis der Teilorte untereinander. Je größer die zeitliche Distanz zur Eingemeindung von Heimerdingen, Hirschlanden und Schöckingen, desto mehr wandelte sich das Verhältnis der drei zueinander. Und doch behielten sie weiterhin ihre Identität, mit unterschiedlichen Strukturen, getragen von einem Kern von Ehrenamtlichen.
Präsenz in Ortschaftsrat
Rund 5000 Einwohner leben in Hirschlanden. Überdurchschnittlich viele Bürger seien in den Ortschaftsratssitzungen präsent. Im Fokus steht dabei immer wieder auch der Rathausplatz: Er soll gestaltet – und damit belebt werden. Hier ein kulinarischer Verkaufsstand, dort eine Palme. „Der Platz gewinnt und man kommt ins Gespräch“, sagt Bährle-Pfleiderer. Aber natürlich würden sie sich manchmal überlegen, was wäre, wenn sie Geld hätten. So aber machen sie kleine Schritte. Und auch diese sprächen sich herum im Ort, bei den Bürgern.