Solche Bilder gab es bisher aus Poltawa nicht, doch nun hat eine russische Rakete erstmals auch Gebäude in Poltawa zerstört. Unser Bild zeigt Aufräumarbeiten in Charkiw. Foto: dpa/Andrii Marienko

Erstmals seit Beginn des Angriffskrieg wird auch die gemeinsame Partnerstadt von Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern getroffen. Eine Frau kommt dabei ums Leben, nicht wenige Menschen werden verletzt, darunter auch vier Kinder.

Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor mehr als zwei Jahren ist in der Nacht auf Dienstag auch Poltawa, die gemeinsame ukrainische Partnerstadt von Ostfildern, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen, getroffen worden. Der Raketenangriff soll mindestens ein Todesopfer und zwölf Verletzte gefordert haben, hat die Nachrichtenagentur dpa veröffentlicht. Ein zweistöckiges Wohnhaus soll dabei beschädigt worden sein.

Laut der Stadt Ostfildern, bei der aktuell die Geschäftsführung der Städtepartnerschaft liegt, seien durch die Druckwelle auch mehrere Gebäude in der Nachbarschaft zerstört worden. Die Kommune spricht von einer Toten und 16 verletzten Menschen – darunter vier Kinder. Einige der Verletzten würden noch in medizinischen Einrichtungen versorgt. Andere vom Angriff betroffene Menschen seien bei Freunden oder Verwandten untergekommen. Sie werden psychologisch betreut, internationale Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz und die Caritas seien vor Ort. Die Stadtverwaltung Poltawa sei auf der Suche nach Wohnraum und kümmere sich um eine finanzielle Entschädigung.

Poltawa war bisher vom Bombenhagel der Russen verschont geblieben. Allerdings hat es dort schon längere Zeit immer wieder Luftalarm gegeben. Laut Tamara Postnikova, Mitarbeiterin des Städtepartnerschaftsbüro in Filderstadt, seien dort immer wieder heftige Explosionen zu hören gewesen, wenn russische Raketen von den ukrainischen Abwehrsystemen abgefangen wurden. Dies hatte sie Mitte Februar am Rande einer Gedenkstunde in Filderstadt und anlässlich zwei Jahre Angriffskrieg berichtet. „Die Menschen dort finden keine Ruhe – schlafen nicht“, hatte sie gesagt. Dennoch würden viele der Einheimischen versuchen, in Poltawa zu bleiben, um den Menschen, die dorthin aus anderen ukrainischen Städten fliehen, zu helfen.

Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern pflegen seit Jahrzehnten eine gemeinsame Partnerschaft mit der ukrainischen Stadt. Die Kommune liegt im Zentrum der Ukraine, zwischen der Hauptstadt Kiew und Charkiw. Zu Beginn des Angriffskrieges vor mehr als zwei Jahren hatten die Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt und Ostfildern dem Bürgermeister von Poltawa einen Brief geschickt. Sie hatten darin ihr Mitgefühl und ihre Sorgen zum Ausdruck gebracht. Der Brief sollte nicht das einzige Solidaritätszeichen bleiben. „Auf dem gemeinsam Spendenkonto der drei Städte gingen bisher rund 450 000 Euro ein“, berichtet die Stadt Ostfildern. Es wurden drei Transporte mit insgesamt 30 Tonnen Hilfsgüter nach Poltawa geschickt zur Versorgung der Binnenflüchtlinge. Ebenso wurde die Stadtverwaltung Poltawa beim Kauf von Lebensmitteln für die Geflüchteten unterstützt.