Ganz so bunt wird es auf dem Esslinger ZOB künftig nicht mehr aussehen. Die Busse des neuen Subunternehmers Rexer werden die Farben des Städtischen Verkehrsbetriebs tragen. Foto: Archivfoto: Bulgrin - Archivfoto: Bulgrin

Am 1. Juli startet in Esslingen die schöne neue Buswelt. Mit mehr Fahrten für den SVE, einem neuen Subunternehmer und zwei neuen Nachtbuslinien.

EsslingenAm 1. Juli ist es soweit: Dann fährt der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) rund zwei Drittel der Buslinien im Stadtgebiet selbst – deutlich mehr als zuvor. Das restliche Drittel hat er an die Calwer Firma Rexer als Subunternehmerin vergeben. Sie hatte bei der EU-weiten Ausschreibung die bislang im Auftrag des SVE fahrenden Firmen Fischle, Schlienz und Schefenacker ausgebootet. Zum Start dieses Linienbündels 2 im Landkreis Esslingen haben die Vertreter aus Stadt, Kreis und VVS am Montag zwei neue Nachtbuslinien mitgebracht. Der N12 und der N13 binden Nachtschwärmer aus Wäldenbronn, Sulzgries, Rüdern und der Neckarhalde (N12) sowie aus Sirnau und Berkheim (N13) am Wochenende an die S-Bahn an. Diese Stadtteile sind bislang nicht von den drei bereits bestehenden Nachtbuslinien auf den Schurwald und die Filder angefahren worden.

Bedient werden die neuen innerstädtischen Nachtbuslinien von Rexer, und zwar in nagelneuen Dieselbussen mit Euro-6-Norm und im Design der SVE-Busse. Wie alle 25 Rexer-Fahrzeuge, die ab dem 1. Juli für den SVE in Esslingen fahren werden, steht der Name des Subunternehmers nur noch klein auf der Fahrerseite des Busses. Die ersten innerstädtischen Nachtbusse starten in der Nacht von Freitag, 6. Juli, auf Samstag, 7. Juli, sowie vom Samstag 7. Juli, auf Sonntag, 8. Juli. An jenem Premierenwochenende können sie umsonst genutzt werden, wie VVS-Geschäftsführer Horst Stammler ankündigte. „Mit den neuen Nachbussen geht ein langer Wunsch der Esslinger in Erfüllung“, freute sich der für den ÖPNV zuständige Bürgermeister Ingo Rust. Damit entfällt auch das Nachttaxi, der Bus fährt zum normalen VVS-Tarif.

Der Stadtverkehr Esslingen gehört zu insgesamt elf Linienbündeln im Landkreis Esslingen. Fünf Ausschreibungsergebnisse sind bereits umgesetzt, Esslingen kommt jetzt zum 1. Juli dazu, , die anderen stehen kurz vor der Umsetzung, berichtete Klaus Neckernuß, Amtsleiter ÖPNV beim Landratsamt. Im gesamten Gebiet des VVS berichtete Geschäftsführer Horst Stammler von 50 Bündeln, die nach den EU-Richtlinien ausgeschrieben werden mussten. Der SVE habe mit der Calwer Firma Rexer ein „sehr innovatives, gutes Unternehmen“ beauftragt, das im VVS-Gebiet schon viele Buslinien bediene. Rexer-Geschäftsführer Arno Ayasse hat den eigenen Worten zufolge einen Betriebshof in Schlierbach, in dem er auch seine Esslinger Flotte unterbringen will. Und der Vertreter aus dem Bezirksrathaus in Stuttgart- Obertürkheim hörte bei diesem Termin mit Wohlgefallen, dass sich die Stadt Esslingen mit ihrem SVE im Zeitalter der Elektrohybridbusse auch eine Verlängerung des 101ers zur S-Bahn-Station nach Untertürkheim vorstellen könnte.

Schließlich geht es um die Umwelt. In vier bis fünf Jahren will der SVE ausschließlich elektromobil unterwegs sein – mit Oberleitung und Batterie. Jetzt gilt es, noch mehr Menschen zum Umstieg auf die Öffis zu bewegen. Die Verwaltung und der SVE haben dem Ausschuss für Technik und Umwelt deshalb ebenfalls am Montag ein Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem man den Anteil des Busverkehrs im Stadtgebiet am mobilen Kuchen von zehn auf zwölf Prozent steigern will – also von rund 30 000 Fahrgästen am Tag auf 35 500. „Wir müssen mehr Pendler gewinnen“, so Rust. Dazu müsse man die Kapazitäten ausweiten. Der Einsatz von größeren Fahrzeugen, vor allem aber Taktverdichtungen seien jedoch nicht kostenneutral zu haben. Rust denkt zum Beispiel an einen 10- statt 15-Minuten-Takt auf häufig frequentierten Linien. Zudem müsse man an der Pünktlichkeit arbeiten, die – wie es die jüngste Kundenbefragung ergeben hat – den Fahrgästen am wichtigsten ist. Aber es geht auch um die Frage, ob man auch neue Linien braucht. Zum Beispiel Tangentialverbindungen, die nicht auf den ZOB ausgerichtet sind. Denkbar seien auch innerstädtische Expresslinien. Oder aber Kleinbusse, die die Nutzer über eine App anfordern können und die keine festen Strecken bedienen, sondern je nach Nutzungsanforderungen flexibel unterwegs sind. Berlin und Stuttgart seien hier schon modellhaft unterwegs. Ein weiterer Teil des Pakets betrifft den Service und die Kommunikation mit der Kundschaft. In dem Kubus vor dem Bahnhof soll künftig nicht nur die öffentliche Toilettenanlage, sondern auch eine SVE-Kundenzentrale zum Anziehungspunkt werden. Außerdem stehen digitalisierte Echtzeittafeln an den Haltestellen, wann der nächste Bus einläuft, auf dem Wunschzettel. Zudem würde Rust den Grundschülern gerne in einer Busschule den Umgang mit diesem Verkehrsmittel beibringen. Lokale Prominenz könnte in den Bussen die nächste Haltestelle verkünden oder gegebenenfalls ansingen. Und – das steht schon fest: Freies Wlan wird es auf jeden Fall geben. Auch eine Imagekampagne für die hohen Umweltstandards, die man sich auf die Fahne geschrieben haben, ist angedacht. Laut Kundenbefragung wusste nur gut die Hälfte der Fahrgäste, dass sie beim SVE mit 100 Prozent Ökostrom unterwegs sind.

Das ändert sich zum 1. Juli für den Fahrgast

Die neuen Nachtbuslinien N12, die Wäldenbronn, Sulzgries, Rüdern und die Neckarhalde mit dem ZOB verbindet, und N 13, die Sirnau und Berkheim an die S-Bahn anbindet, fahren von 1.20 Uhr bis 4.20 Uhr stündlich ab dem ZOB. Die Umsteigezeit von der S-Bahn aus Stuttgart beträgt acht Minuten. Start ist am Wochenende 6. / 7./8. Juli.

Auf der Linie 103 von Zell über Esslingen und Mettingen nach Hedelfingen fahren die Busse samtags von 6 bis 9 Uhr halbstündlich und damit doppelt so oft wie bisher. Das erleichtert das Einkaufen in der Stadt und im Neckar Center.

Die Busse der Linie 110 binden künftig die Haltestelle „Stadtwerke“ an – ein neuer Halt für die Esslinger Weststadt.

Auf den anderen Linien haben sich die Abfahrtszeiten teilweise im Minutenbereich geändert. Deshalb sollte man seine Verbindung ab 1. Juli nochmals auf vvs.de oder über die VVS-App abrufen.

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