Insektenschutz bietet Birgit Mayer weiterhin an, nur halt nicht mehr in ihrem Lädle in Wernau, sondern in Köngen. Wie bisher berät sie ihre Kunden auch zu Hause. Foto: Karin Ait Atmane - Karin Ait Atmane

Ihr Insektenschutzlädle in Wernau hat Birgit Mayer geschlossen. Sie bleibt der Stadt aber erhalten mit ihrem Gewerbe, ihrem Engagement und mit ihren vielfältigen Spendenaktionen.

WernauBirgit Mayer hat ihr Insektenschutzlädle leer geräumt und die Türen endgültig geschlossen. Der Stadt Wernau bleibt sie trotzdem erhalten, mit ihrem Gewerbe, ihrem Engagement und ebenfalls mit ihren vielfältigen Spendenaktionen.

Sogar leer sieht das ehemalige Insektenschutzlädle mit seiner hellgrünen Wand noch freundlich aus. Birgit Mayer hatte es zusammen mit ihrem Mann, der 2017 gestorbenen ist, liebevoll eingerichtet. Die Lage an der Kirchheimer Straße empfand sie als ideal: „Das war ein schöner Laden, er hat auch von der Werbung einiges gebracht“, sagt sie. Aber nach dem Tod ihres Mannes konnte sie das Geschäft nur noch unregelmäßig öffnen, schließlich liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit außer Haus bei den Kunden: Dort schaut sie sich die Situation an, berät über Insektenschutz, misst aus, ist teilweise auch bei der Montage dabei.

Zudem ist die Wahl-Wernauerin seit einigen Jahren beim Zaunfachhandel BZH in Köngen vertreten. Dessen Betreiber lernte sie auf einer Messe kennen und man kam gemeinsam auf die Idee, „Handwerk im Handwerk“ zu betreiben. Das hat sich als praktisch für alle Beteiligten erwiesen. Dort besteht also weiterhin eine Anlaufstelle für den Insektenschutz und Köngen liegt nicht weit von Wernau entfernt. Man kann aber auch direkt Kontakt mit Birgit Mayer in der Eugenstraße 23 aufnehmen, wo sie wohnt.

Ganz leicht fiel es der Unternehmerin nicht, nach dem Tod ihres Mannes in Wernau zu bleiben – wurde sie doch an jeder Ecke an gemeinsame Erlebnisse erinnert. Aber sie bekam Zuspruch aus der Stadt, und eigentlich hat die ursprüngliche Cannstatterin in den 14 Jahren, die sie hier ist, in Wernau eine echte Heimat gefunden und vieles bewegt. Immer wieder denkt sie sich neue Spendenaktionen aus. So war sie jahrelang des Weihnachtsmanns Filiale beim Wernauer Weihnachtsmarkt. In ihrem Briefkasten am Stand des Bundes der Selbstständigen (BDS) konnten Kinder Wünsche einwerfen, von denen Birgit Mayer dann viele erfüllte.

Vor allem Wünsche die mit eher emotionalem als materiellem Inhalt haben sie berührt. „Den ersten Wunsch werde ich nie vergessen“, sagt sie: Es war ein Ausflug ins Legoland mit einem leukämiekranken Kind, „da bin ich dann auch mitgefahren.“ Ein anderes Kind wünschte sich etwas für seine bettlägerige Oma. Aber zum Schluss ging es immer öfter um Computer und Handy, und dafür fühlte sich die Unternehmerin nicht zuständig, mal ganz abgesehen von der finanziellen Seite. Deshalb beschenkte sie danach lieber geflüchtete Kinder in deren Unterkunft, ebenso wie Kinder in der ungarischen Partnerstadt von Wernau. 140 Päckchen brachte sie vor zwei Jahren nach Bonyhád, wo sie über die Schulen verteilt wurden. „Die Kinder haben sich sehr gefreut über Haribo oder Buntstifte“, erzählt sie – und sie wiederum freute sich über die Unterstützung von BDS-Mitgliedern.

Vor drei Jahren hat Birgit Mayer dann mit einer anderen Weihnachtsmarkt-Aktion begonnen: Sie verkauft „Schaumküsse für den guten Zweck“. Dafür fährt sie je 240 Kilometer nach Hessen und wieder zurück, um die verschiedenen Varianten der süßen Leckerei zu holen. „Das sind einfach die besten und trotzdem günstig“, sagt sie. „Dann kommt am Ende auch was raus“. Zuletzt hat im Dezember die Mobile Tafel in Wernau von einer Spende profitiert.

Aber auch Wasserspielgeräte fürs Freibad, einen Baum für die Kirchheimer Straße, Projekte in der Teckschule und anderes sind dank der engagierten Unternehmerin schon möglich geworden. Ihr großes Vorbild hatte sie jahrelang auf der gegenüberliegenden Straßenseite vor Augen: Es war der Apotheker Hamdy Dadour, der oft und großzügig Geld in Wernau gespendet und eine Stiftung hinterlassen hat. An seine Beträge komme sie zwar nicht heran, sagt Birgit Mayer, aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten wolle sie sich genauso einbringen.

Das tut sie auch, indem sie tatkräftig bei den Veranstaltungen des BDS anpackt. So organisiert sie seit sechs Jahren federführend den Maimarkt mit seinem großen Flohmarkt. Das sei ihr „Großkampftag“, von früh um sechs bis in den Abend hinein vor Ort auf den Beinen, ganz zu schweigen von der Organisation, die sie vorab bewältigen muss. Routine ist dabei das Wenigste, immer wieder wird das Konzept angepasst, gibt es Änderungen, neue Situationen. Im aktuellen Jahr plant Mayer eine größere Fairhandelsaktion beim Maimarkt, „weil wir ja jetzt Fairtrade-Stadt sind“ – und weil sie selbst auch bei dieser Initiative mitmacht.

Sie will weiter aktiv bleiben, wenn es nach ihr geht auch mit den Schaumküssen auf dem Weihnachtsmarkt: schon deshalb, weil ihr Mann sich diese Aktion ausgedacht, aber nicht mehr erlebt hat. Voraussetzung sei aber, dass „ich nicht für jeden Schaumkuss einen Bon rauslassen muss“, stellt sie mit Verweis auf die zu Jahresbeginn eingeführte Bonpflicht klar: Denn dann stehe das Ergebnis in keinem Verhältnis mehr zum Aufwand.

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