Seit Jahren schon ist es die trostloseste Brache in Esslingen, und vermutlich würde sie auch zu den Top 10 der traurigsten Brachen in ganz Baden-Württemberg zählen, wenn es ein solches Ranking geben würde. Sie liegt dicht am Herzen der Stadt wie ein großes Gähnen vor dem Bahnhof. Foto: Johannes M. Fischer

Esslingen: Die Stadt ist räumlich vielfach begrenzt – Dennoch bieten sich große Chancen für die Stadtentwicklung

EsslingenEsslingen ist die Stadt der Grenzen: Die Stadtplaner haben mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Der Fluss, die Hügellandschaft, die Enge vieler Straßen. Dazu die dreifache Supersperre quer durch die Stadt: Neben dem Fluss liegen Eisenbahnschienen und eine viel befahrene Bundesstraße. Und schließlich sind da noch, quer über alles, die Brücken. Sie sind so etwas wie die Eckpfeiler der Esslinger Infrastruktur. Und dennoch ist in der Stadt sehr viel mehr möglich, als der erste Blick verrät. So steht aufgrund des großen Bedarfs an Wohnungen die Idee im Raum, mit leichtem Material, etwa Holz, häufiger in die Höhe zu bauen.

Doch die leichteste Art, eine Stadt weiterzuentwickeln, bieten leere Flächen. Sie sind fantasieanregend wie ein weißes Blatt Papier und lassen zunächst einmal alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten zu, die Stadt weiter zu entwickeln. Die Eßlinger Zeitung hat sich die wichtigsten Brachen der Stadt genauer angeschaut. Was passiert hier gerade? Was passiert hier gerade nicht? Welche Probleme gibt es?

Es sind vier größere Gebiete. Auffällig ist, dass sie alle verhältnismäßig nah beieinander liegen. Es wäre sogar möglich, eine Brachen-Stadtführung anzubieten. Allerdings nicht behindertengerecht, denn eine der Flächen wäre nur dann schnell erreichbar, wenn es einen Aufzug gäbe. Den gibt es auch, er ist aber schon seit einer halben Ewigkeit kaputt. Es heißt, er sei gerade in Reparatur. Die Brachen-Stadtführer werden ihren Gästen von der Bedeutung der Leere erzählen, die Hoffnungen weckt, aber auch ein Lied vergeblicher Bemühungen singt. Wie Wunden oder Mahnmale liegen zwei Brachen offen und dreist mitten in der Stadt, die beiden anderen kleben am Rand der Innenstadt.

Brache 1: Die Weststadt

Die größte und wichtigste aller Brachen ist zugleich die hoffnungsvollste. Sie ist sofort erkennbar, wenn man mit dem Zug von Esslingen nach Stuttgart fährt: Das Baugebiet der neuen Weststadt. Hier schein alles im Plan zu sein, hier herrscht nach wie vor Aufbruchstimmung. Ein neues ökologisch durchdachtes Wohngebiet ist schon in Teilen fertig und dehnt sich weiter nach Westen aus. Die Kräne drehen sich. Und wenn alles so läuft, wie es laufen soll, entsteht hier außerdem eine nigelnagelneue Hochschule. Die alte wird dann abgerissen – und eine neue Brache entsteht, auf der ein neues Stadtquartier entstehen soll. Brachen, das ist die Lehre daraus, können also wandern.

Brache 2: Das Neckarufer

Eingequetscht zwischen Bahngleisen und Fluss ist die versteckteste aller Großbrachen von Esslingen: Der Neckaruferpark, der zwar schon seinen Namen hat, aber noch gar nicht existiert. Zurzeit ein Mischwesen aus Radfahr- und Spaziergängerweg, eng, holprig, von Gebüsch umwuchert, so dicht, dass der Fluss an vielen Stelle gar nicht mehr sichtbar ist. Seine Zukunft ist ungewiss: Die Pläne sind noch nicht ausgereift.

Brache 3 und 4: ZOB und Karstadtparkplatz

Dramatisch sind die Brachen im Stadtkern. Die eine haben sich Autos erobert, sie dient gleich hinter dem Karstadt-Kaufhaus als Parkplatz. Die andere ist einfach nur trostlos und dient niemandem: Der alte Zentrale Omnibusbahnhof. Oder einfach nur ZOB, der nun schon seit Jahren ein toter ZOB ist.

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