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An diesem Donnerstag benennt der VfB die beiden Kandidaten fürs Präsidentenamt. Egal, wer es wird - viel Porzellan ist schon jetzt zu Bruch gegangen.

StuttgartEine gewisse Flexibilität in der Terminplanung, das haben die Bewerber um das Präsidentenamt des VfB Stuttgart früh feststellen müssen, ist unbedingt erforderlich. Zuletzt wurde auch der Termin ihrer möglichen öffentlichen Vorstellung verschoben. Nicht wie ursprünglich vorgesehen erst am Freitag haben sich die vier verbliebenen Anwärter für ein Pressegespräch im Clubrestaurant bereitzuhalten, sondern bereits an diesem Donnerstag (15 Uhr) – dem Tag, an dem der Vereinsbeirat das Bewerberfeld halbiert und die Namen der beiden offiziellen Kandidaten verkündet. Es ist nicht das erste Mal, dass der VfB seine ursprünglichen Pläne kurzfristig verändert hat.

Plan ist gescheitert

Mit der Kandidatenkür endet der vorletzte Akt der quälenden Suche nach einem neuen Clubchef, die schon jetzt jede Menge Scherben produziert hat. Sollte es beim Zweitligisten je den Plan gegeben haben, in einem transparenten, offenen Auswahlverfahren die beiden geeignetsten Kandidaten zu ermitteln, so muss man konstatieren: Er ist krachend gescheitert. Ganz unabhängig davon, wer der VfB-Familie beim letzten Akt dieses Dramas, der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 15. Dezember in der Schleyerhalle, zur Wahl gestellt wird.

Die Benennung von zwei Präsidentschaftskandidaten, der sich der VfB mit Verweis auf einen angeblich drohenden Lizenzentzug in früheren Jahren verweigert hatte, sollte nach dem Rücktritt des ungeliebten Wolfgang Dietrich eine neue Debattenkultur und größere Einflussmöglichkeiten der Mitglieder dokumentieren. Doch änderte sie nichts an dem Verdacht vieler Fans, dass auch diesmal schon lange vor der Abstimmung das Wichtigste im Hintergrund geklärt worden ist.

Im Dunklen blieben zunächst jene Bewerberinnen und Bewerber, die ihre Ambitionen nicht selbst öffentlich gemacht hatten. Das sei ihr ausdrücklicher Wunsch, erklärte der für die Auswahl zuständige Vereinsbeirat, der sich zwar schriftlich versichern ließ, dass das Präsidentenamt im Falle der Wahl auch angenommen wird – ein klares Bekenntnis gegenüber den Mitgliedern aber offenbar für unnötig hielt.

Überrascht wurden dann aber auch die Bewerber, als der VfB Ende Oktober hopplahopp eine Shortlist mit vier Namen veröffentlichte. Ihr war zu entnehmen war, dass sich neben dem Unternehmer Claus Vogt (50) und dem Großbuchhändler Christian Riethmüller (44) auch der pensionierte Gymnasialrektor Martin Bizer (64) und die Persönlichkeitstrainerin Susanne Schosser (57) beworben haben. Bis heute unklar, ob ihr Schritt auf eigener Initiative oder der Ermunterung aus VfB-Kreisen beruhte.

Rolle des Aufsichtsrates unklar

Unklar auch, welche Rolle der Aufsichtsrat der VfB-AG im Auswahlprozess gespielt hat. Schwere Vorwürfe erhob der aussortierte Guido Buchwald, der anprangerte, der Aufsichtsrat habe in Person von Daimler-Vorstand Wolfgang Porth entgegen den Regularien „aktiv in die Suche nach einem Präsidenten eingegriffen und (Wunsch-)Kandidaten persönlich kontaktiert“. In eine ähnliche Richtung zielte Matthias Klopfer, der seine Kandidatur selbst zurückzog. Als „klare Kampfansage“ und „Machtdemonstration“ wertete es der Schorndorfer OB, dass der Aufsichtsrat noch vor der Präsidentenwahl das Anforderungsprofil des neu geschaffenen Vorstandsvorsitzenden-Postens verändert und Thomas Hitzlsperger zum AG-Chef bestellt hatte – eine Reihenfolge, die nicht nur Klopfer verwunderte.

Wie sieht die Rolle aus?

Die Turbobeförderung Hitzlspergers vertiefte auch die Gräben zwischen den ehrenamtlichen Vereinsvertretern und den Profis in der AG im Ringen um Macht und Einfluss. Der Aufsichtsrat scheint sehr daran interessiert, dass sich der neue Präsident mit Repräsentationsaufgaben begnügt. Doch wird er gleichzeitig der Vertreter von mehr als 70 000 Mitgliedern sein, hat als künftiger Chef des Kontrollgremiums 88,25 Prozent der AG-Anteile auf seiner Seite und ist damit die mächtigste Person in der ausgegliederten Profiabteilung. Ist eine solche Aufgabe tatsächlich mit einem Halbtagsjob zu bewerkstelligen, wie es dem VfB vorschwebt? Oder ist es nicht ein klares Indiz dafür, dass eher ein Grüß-Gott-Präsident gesucht wird als ein Gestalter, der alte Seilschaften zu zerschlagen versucht?

Es ist eine Rolle, mit der sich zumindest Claus Vogt kaum begnügen würde. Als Gründer des kommerzkritischen Vereins FC PlayFair! ist der Unternehmer aus Böblingen im Fußball gut vernetzt, zu seinen Unterstützern zählen das VfB-Urgestein Rainer Adrion und der Grünen-Politiker Cem Özdemir.

Ob ihm das hilft? Oder womöglich schadet? Das wird Vogt spätestens am Donnerstagmorgen erfahren. Von beruflichen Terminen hat auch er sich freigemacht – und weiß gleichzeitig: Auch im Erfolgsfall besteht kein Grund zum Überschwang. Schon im Oktober kommenden Jahres folgt beim VfB die nächste Präsidentenwahl.

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