Quelle: Unbekannt

Seit 23 Jahren ist Petra Brüstle als Amtsbotin des Notzinger Rathauses im Einsatz. Ein neues E-Bike erleichtert ihr den Dienst in der hügeligen Gemeinde.

NotzingenSchick sieht es aus in schwarz mit neongrünen Streifen: Auf dem Gepäckträger des nagelneuen E-Bikes von Amtsbotin Petra Brüstle ist die Satteltasche an diesem Morgen bereit zur Befüllung. Dass sie ihre Postlieferungen in Notzingen und Wellingen „motorisiert“ erledigt, ist nicht neu. Denn bereits 2013 wurde das erste Elektrofahrrad als Erleichterung für die Touren in der bergigen Gemeinde angeschafft. Zuvor war Brüstle entweder zu Fuß oder mit ihrem eigenen unmotorisierten Drahtesel unterwegs.

Das alte E-Bike hatte seine Tücken

Das alte E-Bike hat jedoch nach dem mehrjährigen Dauereinsatz inzwischen seine besten Zeiten hinter sich: „Die Batterie hat deutlich an Leistung verloren, und auch der Akku musste bei täglichem Gebrauch jeden zweiten Tag nachgeladen werden“, erklärt Petra Brüstle. „Beim neuen E-Bike ist die Reichweite viel besser, das musste ich nach einer Woche im Einsatz noch immer nicht aufladen.“ Dazu sei das Vorgängermodell im Vergleich sehr schwer gewesen. „Der Akku war hinten am Gepäckträger verbaut. Zusammen mit der Post lag das ganze Gewicht also an einer Stelle. Beim neuen Rad befindet sich der Akku vorn im Rahmen. Vom Gewicht her ist es mit einem normalen Fahrrad vergleichbar.“ Das deutlich höhere Gewicht des alten Gefährts habe sie einmal besonders zu spüren bekommen, als der Akku ausgerechnet am Berg der Kirchheimer Straße leer war. „Da muss man dann mal eben 30 bis 35 Kilo bergauf schieben. Aber das ist mir zum Glück nur einmal passiert. Denn da passt man dann sehr gut auf, dass das nicht noch mal vorkommt“, erinnert sich die 58-Jährige und lacht.

Seit 23 Jahren ist sie Amtsbotin für das Notzinger Rathaus. Täglich ist sie im Schnitt bis zu zehn Kilometer und vier Stunden unterwegs – bergauf, bergab, bei Wind und Wetter. Wenn es stark regnet, schneit oder glatt ist, geht sie zu Fuß. Ebenso bei sehr umfangreichen Auslieferungen, bei denen sie an jedem Haus einen Stopp einlegen muss. „Dazu gehört zum Beispiel das Verteilen der Steuerbescheide im Januar oder in diesem Jahr die Unterlagen zur Kommunalwahl und der Notzinger Bürgermeisterwahl. Solche Lieferungen dauern zu zweit schon drei bis vier Tage. Das sind im Schnitt allein rund 500 Briefwähler“, erklärt Petra Brüstle. Der Arbeitstag der Amtsbotin beginnt gegen halb elf am Vormittag. „Ich schaue dann in jeder Abteilung des Rathauses vorbei, was an Post für diesen Tag angefallen ist, sortiere diese und plane meine Route.“

Oft startet die Tour an der nahegelegenen Grundschule, dann geht’s weiter zum Bürgerhaus, ins Neubaugebiet Letten, den Firmen im Industriegebiet und zurück zur Ortsmitte. Im gesamten Gemeindegebiet unterwegs sei sie auch beim Verteilen der Gemeinderatsunterlagen für die amtierenden Räte. Auch die Abholbenachrichtigungen für beantragte Personalausweise und Reisepässe oder auch das Infomaterial für die Eltern baldiger Kindergartenkinder können beispielsweise in den Satteltaschen ihres Fahrrads stecken.

Langweilig wird es ihr nicht

„Langweilig wird es mir auf jeden Fall nicht“, sagt Petra Brüstle. Ihre Arbeit, die es so gar nicht mehr in jeder Gemeinde gebe, mache ihr viel Spaß, sagt die 58-Jährige, die im Rahmen einer 70-Prozent-Stelle zudem für die Reinigung des Rathauses zuständig ist. „Ich bin täglich draußen unterwegs und immer in Kontakt mit den Leuten im Ort. Ich komme aus Notzingen, da kennt man sich einfach. Da gehören auch die Schwätzle zwischendurch dazu. Das macht die Arbeit besonders schön.“ Das neue E-Bike hat die Gemeinde nach Beschluss des Gemeinderats inklusive einer fünfjährigen Versicherung rund 3000 Euro gekostet. Auch der Hausmeister der Gemeindehalle ist bereits motorisiert unterwegs.

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