Amerika im Blick: US-Beamter Peter Teil (stehend) erläutert Stuttgarter Polizisten die Africom-Mission. Quelle: Unbekannt

Stuttgarter Polizisten waren zu Gast in den Möhringer Kelley Baracks der US-Armee. Sie ließen sich den Auftrag der Soldaten erläutern, für deren Sicherheit sie mitverantwortlich sind.

StuttgartWie wirkt sich so ein Präsidentenwechsel eigentlich auf Ihre Arbeit aus?“, will Polizeioberkommissarin Susanna Jenöfi wissen. Der US-Beamte versteht die Frage zunächst falsch. Er beschreibt, wie sich China und Russland bei fragwürdigen Regimen in Afrika ohne Rücksicht auf Menschenrechte um Einfluss bemühen. Doch die Polizistin bleibt hartnäckig: „Ich habe das Weiße Haus gemeint.“ Darauf antwortet Peter E. Teil, Wissenschaftsberater des US-Afrika-Kommandos (Africom): „Präsident Trump interessiert sich nicht so für Afrika.“

Jenöfi besuchte mit 13 Kollegen des Möhringer Polizeireviers das Africom-Hauptquartier in den Kelley Barracks. Sie und ihre Kollegen sind zuständig für die Bewachung von Africom und Patch Barracks, dem Sitz des US-Hauptquartiers für Europa (Eucom) in Stuttgart-Vaihingen. Doch viele der Polizisten, die vor den Kasernen Wache schieben oder hochrangige Besucher schützen, wissen kaum etwas über die Aufgaben des US-Militärs in Stuttgart. Deshalb ihre Aufklärungsmission.

Mit Peter Teil, Sohn deutscher Emigranten und ehemaliger US-Soldat, sind die Polizisten an den Richtigen geraten. Auf Deutsch erklärt er die Besonderheiten der US-Garnison in Stuttgart: zwei Regionalkommandos, rund 5000 Uniformierte, aber nur wenig Einsatztruppen, dafür rund 30 Generäle oder Admiräle. „Das Pentagon im Ausland“, nennt Teil Stuttgarts Alleinstellungsmerkmal. Zusammen mit Familienangehörigen und Unterstützern sind es mehr als 23 000 US-Bürger.

Warum steht das Afrika-Kommando ausgerechnet in Stuttgart, will eine andere Polizistin wissen. Antwort: Das ist historisch begründet. Bis 2007 war Eucom auch für Afrika zuständig. Dann zeigt Teil ein Foto mit den Flugrouten in Afrika. Die verlaufen mehrheitlich in Nord-Süd-Richtung. „Alles ist von Europa aus viel besser zu erreichen.“ Und die Aufgabe von Africom? „Fluchtursachen bekämpfen“, benutzt der Amerikaner absichtlich den strapazierten Begriff der Bundesregierung. „Ohne Sicherheit gibt es keine Entwicklung.“ Daher bemühten sich die Amerikaner um gute Regierungsführung in den 53 afrikanischen Staaten in ihrer Zuständigkeit. In vielen Übungen bildet das US-Militär afrikanische Soldaten aus. Auch die Beachtung von Kriegs- und Menschenrecht gehört dazu, macht die Rechtsberaterin Sandra Franzblau deutlich.

Zum US-Konzept der vernetzten Sicherheit gehört die internationale Zusammenarbeit ebenso wie die Kooperation mit anderen US-Behörden von der Entwicklungshilfe bis zur Drogenbekämpfung. Bei den Schwerpunkten Somalia, Libyen oder Sahelzone wird aber klar: Es geht vor allem auch um Terrorbekämpfung. Die unter Trump stark vermehrten, völkerrechtlich umstrittenen Drohnenschläge in Somalia bleiben unerwähnt.

Die Stuttgarter Polizei schützt die US-Präsenz seit Jahrzehnten mit großem Aufwand offen und verdeckt. Unter Verweis auf die Sicherheitslage gibt sie sich aber zugeknöpft mit Blick auf Personalaufwand und Kosten. Vor den Kasernen stehen meist ein Streifenwagen, zwei Polizisten mit Maschinenpistolen. Auch das Landesinnenministerium macht keine Angaben zu Aufwand und Kosten. Wegen „fortlaufender Gefährdungsbewertung“ variiere dies. Daher lägen keine statistischen Daten vor, so ein Sprecher. Das Ministerium sieht US-Einrichtungen aber seit Langem im Fokus politisch motivierter Kriminalität – durch Linksextremisten, Rechtsextremisten und islamistische Terroristen. Derzeit gebe es keine konkreten Gefährdungserkenntnisse, so der Sprecher weiter. „Gleichwohl ist von einer hohen abstrakten Gefährdung auszugehen.“

Über die Sicherheitspartnerschaft mit der Stuttgarter Polizei äußern sich die Amerikaner hochzufrieden. „Wir bekommen 110-prozentige Unterstützung“, sagt Sicherheitsmanager Jeffrey Bartlett. Auch Peter Teil ist mit Blick auf die Sicherheitslage in der Region voll des Lobs. „Das ist hier wie im Amerika der 50er-Jahre.“ Nur in einem Punkt ist der US-Beamte kritisch: „Wir Amerikaner müssten den Deutschen viel mehr erklären, was wir hier tun.“

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