Die Altkleidersammlung im Kreis Esslingen steht vor Herausforderungen: Ultra Fast Fashion und vermüllte Container belasten das System. Ein Themenabend in Nürtingen soll aufklären.
Das Geschäft mit gebrauchter, gespendeter Bekleidung ist in der Krise. Eine Ursache ist der Trend zu sogenannter Ultra Fast Fashion – extrem preisgünstige Modeartikel, die von so schlechter Qualität sind, dass sie nur kurz Mal getragen werden können. Deswegen und aus weiteren Gründen gerät die Altkleidersammlung zunehmend unter Druck, konstatiert der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen (AWB). Er will bei einem Informationsabend am 21. November Verbraucher sensibilisieren und fordert Gegenreaktionen aus der Politik.
Immer mehr Standorte auch im Kreis Esslingen werden nach Angaben des AWB geschlossen. Gleichzeitig vermüllten die verbliebenen und oft überfüllten Altkleidercontainer zusehends. Das System kranke an mehreren Stellen, sagt Michael Potthast, Geschäftsführer des AWB. „Die Sammlung und Sortierung der Altkleider wirtschaftlich zu betreiben, ist schwer geworden, weil die Qualität der abgegebenen Textilien sinkt.“
Immer häufiger landeten auch Lumpen und verschmutzte Textilien in den Containern. Dadurch würden die Recyclingquoten leiden. Denn Mischgewebe, also nicht reine Baumwolle oder reiner Polyester, seien in der Trennung viel aufwendiger zu behandeln. In diesem Zusammenhang hatten karitative Einrichtungen zu Beginn des Jahres auch eine neue EU-Richtlinie kritisiert, die viele Menschen dazu bewegt, beschädigte Textilien nicht mehr im Restmüll, sondern in Altkleidercontainern zu entsorgen – mit entsprechenden Folgen für die Verwerter.
Kriegsfolgen und Fast Fashion aus China belasten Altkleider-Absatzmarkt
Hinzu kämen überfüllte Lagerhallen, denn auch der Absatzmarkt werde kleiner, führt Potthast weiter aus. Die rückläufige Nachfrage hänge unter anderem mit dem Krieg in der Ukraine zusammen. In friedlichen Zeiten ging viel Ware in den Osten Europas. Auch die Situation in afrikanischen Ländern habe sich gewandelt. Dort verdrängten günstige Importe aus China die Second-Hand-Waren aus Europa.
Auch hierzulande belaste dieser Trend die Gesamtlage zunehmend. „Seit dem Eintritt asiatischer E-Commerce-Plattformen auf dem europäischen Markt beobachten wir einen extremen Anstieg an Importen von modischer Bekleidung zu Dumping-Preisen, die nach kurzer Dauer nicht mehr getragen wird. Ultra Fast Fashion belastet dabei nicht nur die Altkleidersammlung, sondern unterläuft dabei jegliche EU-Standards“, moniert Salome Haar, Referentin des Verbandes Südwesttextil. „Wir fordern ein konsolidiertes Vorgehen auf EU-Ebene zum Schutz des Binnenmarktes und zur Sensibilisierung von Verbrauchern.“
Themenabend in Nürtingen: Fast Fashion im Fokus
Der AWB lädt für Freitag, 21. November, zu einem Themenabend „Müll in Mode – wie Fast Fashion unsere Umwelt belastet“ ein. Er beginnt um 18 Uhr in der Glashalle des Rathauses Nürtingen. Neben einem Vortrag von Salome Haar wird der diesjährige Gewinnerfilm des AWB-Videowettbewerbs für Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 und 8 präsentiert. In einem kurzen Video zeigen die Teilnehmer, wie sie den Trend der Fast Fashion wahrnehmen.