Im denkmalgeschützten alten Rathaus sollen künftig Kleinkinder betreut werden. Dem vorberatenden Technischen Ausschuss ist das Projekt aber deutlich zu teuer. Was nun?
An der Metzinger Straße in Bonlanden gibt es eine, ebenso an der Oschatzer Straße in Bernhausen, und nun soll auch Sielmingen eine sogenannte Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen bekommen, kurz TiagR. Gemeint ist damit, dass Tageseltern in angemieteten Räumlichkeiten Kinder hüten, quasi wie in einer kleinen Kindertagesstätte. Um das in Sielmingen zu realisieren, trägt sich die Stadtverwaltung mit dem Gedanken, das ehemalige Rathaus von Obersielmingen, gelegen an der Langen Straße, umfassend energetisch und technisch zu sanieren und dann zumindest teilweise umzunutzen. „Wir haben das Projekt schon lange auf unserer Arbeitsliste“, sagte der Erste Bürgermeister Falk-Udo Beck in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses.
Ob er es bald von dieser Liste streichen können wird, ist indes unklar. Denn das vorberatende Gremium hat sich überwältigender Mehrheit gegen den Umbau des Gebäudes ausgesprochen.
Altes Rathaus in Sielmingen: Hier sollen Kinder betreut werden
Wie in der Sitzung bekannt wurde, soll nach dem Willen der Stadt im Erdgeschoss die Gruppe für die Kindertagespflege einziehen. Vorgesehen ist die Betreuung von Kindern im Alter von null bis drei Jahren. Es ist angedacht, etwa zehn Kinder von maximal zwei Tagespflegepersonen hüten zu lassen. Im ersten Obergeschoss befindet sich aktuell eine etwa 117 Quadratmeter große Vier-Zimmer-Wohnung, sie soll in eine Fünf-Zimmer-Wohnung umgebaut werden. Außen sollen zudem ein kleiner Spielbereich und Auto-Stellplätze neu hergestellt werden.
So weit, so gut. Allerdings soll das alles nach ersten Schätzungen mehr als eine Million Euro kosten. „Das ist ein Projekt, wo man eigentlich mit dem Herzen dabei ist, aber wir können nicht eine Million ausgeben“, sagte Frank Schwemmle (SPD). „Es wird nicht bei einer Million bleiben“, mahnte Ulrich Steck (CDU), und in der Tat: Das Gebäude mit dem prägnanten Türmchen auf dem Dach ist seit 1978 als Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz eingestuft, und wie in der Sitzung zu hören war, hat allein diese Tatsache das Projekt bereits zeitlich und preislich weit nach hinten geworfen. Das Gebäude wurde 1911 als Rathaus erbaut – Obersielmingen war bis 1923 eigenständig – und im Lauf der Jahrzehnte unterschiedlich genutzt. Anfangs waren unten eben das Rathaus und im Dachgeschoss das Archiv und ein Bühnenraum untergebracht. Von 1934 bis 1962 war im Erdgeschoss ein Kindergarten ansässig. Ab 1977 haben Vereine die Immobilie genutzt. Seit etwa drei Jahren steht das Haus nun leer. „Wir haben schon sehr viel Planungsaufwand und Planungsaufwendungen reingesteckt“, sagte Falk-Udo Beck.
Altes Rathaus in Sielmingen: Das Haus doch verkaufen?
Was mit dem historischen Gebäude passiert, wird der Gemeinderat am 15. Dezember entscheiden. Sollte das Gremium dem Umbau zustimmen, könnte ab Mitte 2026 gearbeitet werden, die Fertigstellung könnte dann im zweiten Quartal 2027 sein. Diese Option scheint nach der Ausschusssitzung aber unwahrscheinlich. Zumal: Filderstadt befindet sich aktuell mitten in den Beratungen zum neuen Doppelhaushalt, und die Prognosen sind düster. „Wir haben kein Geld in der Kasse“, sagte denn auch Andreas Schweizer (Freie Wähler). Er stellte in den Raum, das Haus stattdessen zu verkaufen; eine Idee, der etliche Räte durchaus etwas abgewinnen konnten.