Viele Mängel: Die Tage des Gerätehauses der Münchinger Feuerwehr sind gezählt. Foto: Simon Granville

Die Münchinger Feuerwehr erhält eine Fahrzeughalle, außerdem wird ihr Gerätehaus umgebaut. Die geplanten Arbeiten sind aber bloß einen Tropfen auf den heißen Stein.

Das Warten hat sich für den Feuerwehrkommandanten Fabian Kunberger und sein Team gelohnt: Nach gut zwei Stunden Gemeinderatssitzung widmete sich das Gremium von Korntal-Münchingen am Donnerstagabend dem dritten Tagesordnungspunkt: Soll das Gerätehaus in Münchingen umgebaut werden und außerdem eine Fahrzeughalle bekommen? Ja, das soll es, entschieden die Stadträte einstimmig. Der Kommandant Kunberger spricht von einem „wichtigen Signal“. Die Feuerwehr freue sich, dass die Arbeiten „nun endlich“ anlaufen können. „Wir haben in den letzten Monaten intensiv zusammen mit der Stadtverwaltung geplant und alle Optionen abgewogen. Der einstimmige Beschluss zeigt neben dem Bekenntnis zur Feuerwehr als städtischer Pflichtaufgabe auch das Vertrauen des Gemeinderats in die Expertise aller Beteiligten“, sagt Fabian Kunberger.

Fast 1,7 Millionen Euro stellt die Stadt für das Unterfangen bereit. Die Fahrzeughalle soll im kommenden Jahr errichtet werden, 2027 soll das Bestandsgebäude umgebaut werden. Das Feuerwehrhaus in Münchingen platzt aus allen Nähten. Obendrein ist dort vieles nicht mehr zeitgemäß.

Die Mängelliste ist lang, die Tage des Feuerwehrhauses sind deshalb gezählt

Der nun geplante Anbau samt Umbau löst die Probleme allerdings kaum. Die Tage des Feuerwehrhauses in der Schulstraße sind längst gezählt. Zu lang ist die Mängelliste, als dass das Gebäude der etwas mehr als 60 Mitglieder der Abteilung Münchingen noch dauerhaft Bestand haben könnte. Aus Kunbergers Sicht muss sich die Stadt „schnellstmöglich“ an das Projekt „neuen Standort schaffen“ machen. Die Aussagen von Feuerwehrbedarfsplan, Machbarkeitsstudie und der Unfallkasse Baden-Württemberg seien eindeutig, so Kunberger: „Mittel- und langfristig ist der Standort in der Schulstraße nicht zukunftsfähig.“

Was mit Anbau und Umbau erreicht werde, sei „ein ordentliches und funktionales Provisorium, das auch von der Feuerwehr vollumfänglich mitgetragen wird“. Sie bekommt dringend benötigte Stellplätze für Fahrzeuge, die sonst im Freien stehen müssten. Außerdem entstehen Lagerflächen für das Material der Feuerwehr und des Bevölkerungsschutzes. Die internen Umbauten verbesserten die 50 Jahre alten Sanitärräume, künftig gibt es geschlechtergetrennte Umkleiden. Auch für die Nutzung als Katastrophenschutz-Leuchtturm werde das Gebäude ertüchtigt.

Die Feuerwehr braucht ein neues Domizil – das ist aber nicht so einfach

Die Grundsubstanz des Feuerwehrhauses bleibe aber unangetastet, sagt Fabian Kunberger. Die Größe der Umkleiden und der Stellplätze entspreche auch weiterhin nicht den aktuellen Anforderungen. Die neuen Lagerflächen seien planerisch bereits jetzt ausgereizt. „Alarmparkplätze für die Feuerwehrangehörigen stehen nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung und sind regelmäßig durch feuerwehrfremde Fahrzeuge belegt.“ Der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) formuliert es so: „Die Feuerwehr wird trotzdem mit Kompromissen leben müssen.“

Der Stadt fehlt das Geld, um sich jetzt – und vielleicht auch in der Zukunft – ein neues Feuerwehrhaus zu leisten. Und selbst wenn sie das Geld hätte: Ein neuer Standort muss her, und das Grundstück muss verfügbar sein. Er gehe von einem Zeithorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren aus, bis tatsächlich ein Bagger rollen kann, sagt Fabian Kunberger. Mit Blick auf Bauprojekte in der Umgebung schätzt der Kommandant die Kosten für ein neues Domizil auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Selbst Anbau und Umbau sind noch nicht ganz in trockenen Tüchern: Sprengen die kalkulierten Kosten den vorgegebenen Rahmen, „wird eine weitere Vorstellung im Gremium notwendig“, heißt es in der Beratungsunterlage des Gemeinderats.