Der Technikkonzern verfügt mit seinem Pensionsfonds über vergleichsweise viel Spielraum bei der Kapitalanlage. Wie die Bosch-Mitarbeiter davon profitieren.
Durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr – die Rendite des Pensionsfonds von Bosch kann sich sehen lassen. Der vor 20 Jahren gegründete Fonds habe Bosch „Freiheiten bei der Kapitalanlage“ eröffnet, die sich für die Beschäftigten auszahlten, erläutert Dirk Jargstorff, Leiter betriebliche Versorgungsleistungen bei dem Technikkonzern. Bislang fristen Pensionsfonds in der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland ein Nischendasein – doch mit dem sogenannten Sozialpartnermodell könnte sich das ändern.
Die meisten Unternehmen setzen bei der betrieblichen Altersvorsorge auf Direktversicherungen, das sind Lebensversicherungen, die vom Arbeitgeber für den Arbeitnehmer abgeschlossen werden. In der Niedrigzinsphase hat diese Form der betrieblichen Altersvorsorge an Attraktivität verloren. Probleme gab es auch bei vielen Pensionskassen. Unterstützungskassen und Pensionsfonds haben dagegen mehr Spielraum bei der Kapitalanlage und waren von den niedrigen Zinsen weniger betroffen.
Die Beiträge fließen in ein breit gefächertes Portfolio
In den Pensionsfonds von Bosch fließen Firmenbeiträge, die sich aus einem prozentualen Anteil an den Jahresbezügen ergeben. Zahlt der Mitarbeiter selbst ebenfalls Beiträge ein, so fördert Bosch dies bis zu bestimmten Jahreseinkommen mit einem Zuschlag von 15 Prozent.
Das Geld werde investiert „in ein weltweites Aktienportfolio, in ein weltweites Rentenportfolio und auch in ein weltweites Portfolio an alternativen Anlagen. Dazu zählen beispielsweise Immobilien oder Fonds, die in Infrastrukturprojekte investieren“, sagte Bosch-Vorsorgeexperte Jargstorff unserer Zeitung. Ab dem 55. Lebensjahr der Beschäftigten wird das Vermögen sukzessive in stärker sicherheitsorientierte Anlagen umgeschichtet.
Neuaufstellung in der Niedrigzinsphase
Bis 2016 konnte das angesparte Kapital beim Eintritt in den Ruhestand nur versicherungsförmig verrentet werden. Das heißt, für die Auszahlphase galten die gleichen Regeln wie bei einer klassischen Rentenversicherung. Der Nachteil: Mit der Senkung des für Versicherungslösungen vorgeschriebenen Höchstrechnungszinses (HRZ) sanken im Laufe der Jahre auch die sogenannten Startrenten – also die Bezüge, mit denen Bosch-Betriebsrentner in den Ruhestand einstiegen.
Um aus dieser Entwicklung immer weiter sinkender Startrenten auszubrechen, führte Bosch 2016 die fondsförmige Verrentung im Pensionsfonds ein, die Bosch als erstes und bisher einziges Unternehmen in Deutschland nutzt. Jargstorff erläutert: „Mit der Fondsrente haben wir unser Meisterstück abgeliefert. Seitdem leiten wir den Verrentungszins aus der erwarteten Rendite der Kapitalanlage ab.“ So könne für die Betriebsrenten ein höherer Zinssatz als der HRZ angesetzt werden, so Jargstorff: „Die Kapitalanlage lässt sich freier gestalten, sodass wir höhere Renten für unsere Mitarbeiter erzielen können.“
Pensionsfonds könnten an Bedeutung gewinnen
Einen eigenen Pensionsfonds einzurichten, ist für Unternehmen natürlich mit einigem Aufwand verbunden. Allerdings gibt es auch Pensionsfonds von Banken und Versicherungen, die kleinere Betriebe nutzen können.
Um die Hürden dafür zu senken, wurde mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz die Möglichkeit eines Garantieverzichts eingeführt: Auf Basis einer entsprechenden Tarifvereinbarung können Arbeitgeber sich darauf beschränken, die Zahlung von Beiträgen an einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung zuzusagen. Hinsichtlich des Anlageerfolgs müssen sie keine Garantien abgeben.
Bei der Bosch Altersversorgung dagegen steht der Technikkonzern dafür ein, dass bei Eintritt eines Mitarbeitenden in den Ruhestand die Summe der während seines Erwerbslebens eingezahlten Beiträge bereitsteht.
Erste Sozialpartnermodelle sind am Start
Das im Betriebsrentenstärkungsgesetz vorgesehene „Sozialpartnermodell“ mit der reinen Beitragszusage sei ein guter Schritt, „damit eine breite Masse der Bevölkerung stärker vom Kapitalmarkt profitieren kann“, meint Jargstorff.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Industriegewerkschaft IGBCE haben mit dem Energieunternehmen Uniper und dem Arbeitgeberverband energie- und wasserwirtschaftlicher Unternehmungen bereits eine entsprechende Vereinbarung geschlossen. Uniper wird die Beiträge an die Pensionsfonds AG des Bankhauses Metzler zahlen.
Mit einem weiteren Sozialpartnermodell ging Anfang des Monats die Chemiebranche an den Start. Der bereits seit 20 Jahren existierende Chemie-Pensionsfonds, der zur R+V Versicherung gehört, wird für neue Tarifbeschäftigte in den Chemiebetrieben Verträge mit einer reinen Beitragszusage anbieten.
Dauerbrenner Krankenkassenbeiträge
Da die in der Ansparphase für Betriebsrenten gezahlten Beiträge oft vom Bruttolohn abgezogen werden und damit die Steuer- und Abgabenlast lindern, fallen auf die Bezüge im Alter Steuern sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Besonders die für Betriebsrentner hohen Krankenkassenbeiträge stehen in der Kritik. Seit 2020 werden sie erst oberhalb eines Freibetrags fällig, der aktuell bei 164,50 Euro monatlich liegt. „Mit ordentlichem Arbeitgeberzuschuss und guten Verträgen lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge“, urteilt die Stiftung Warentest.