Auf diesen Parkplätze in Echterdingen soll die Heizzentrale entstehen. Foto: Natalie Kanter

Möglichst klimaschonend will die Stadt Leinfelden-Echterdingen künftig Gebäude im Herzen des Stadtteils Echterdingen beheizen. Dazu will sie an der Bismarckstraße eine moderne Heizanlage bauen – Anlieger sind über die Pläne entsetzt.

Eine moderne Heizzentrale soll fortan die Wärmeversorgung öffentlicher, möglicherweise auch kirchlicher und einiger privater Gebäude im Herzen von Echterdingen übernehmen. „Wir wollen gerade in der Historischen Mitte, in der sich viele öffentliche Gebäude mit klassischen Öl- und Gasheizungen befinden, eine möglichst klimaschonende Wärmeversorgung etablieren“, schreibt der Erste Bürgermeister Benjamin Dihm dazu unserer Zeitung.

Dafür will die Stadt eine Fläche an der Bismarckstraße, auf der bisher noch die Besucher des evangelischen Gemeindehauses parken, kaufen oder pachten. Der Standort biete sich an, „da er sehr zentral liegt und das Gemeindehaus ja auch verlagert werden soll“, erklärt Benjamin Dihm. Die Stadt hat Gespräche dazu mit der Kirchengemeinde geführt, die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Der Parkplatz liegt direkt neben dem Kinderhaus Dschungel. In dieser Kita werden 57 Mädchen und Jungen im Alter zwischen ein und sechs Jahren betreut, ist auf der Internetseite der Einrichtung zu lesen. „Ist das der richtige Platz für eine Heizzentrale?“, will Bernd Schmittgall wissen. Er ist direkter Anlieger und sagt: „Wir machen uns große Sorgen.“ Schließlich wisse niemand, welche Auswirkungen die Emissionen dieser Heizzentrale auf die Gesundheit der Kinder habe. Wie gefährlich Umwelteinflüsse gerade für Mädchen und Jungen sein könnten, dazu gebe es zahlreiche wissenschaftliche Studien. Sollte das Projekt realisiert werden, würde das für das Kinderhaus, die Nutzer des Gemeindehauses und auch die Anwohner „eine extreme Belastung und Gesundheitsgefährdung bedeuten“, schreibt er nicht nur der Presse.

Schmittgall will auf das Problem aufmerksam machen, dafür sensibilisieren, wie er sagt. Deshalb hat er den Vertretern aller Fraktionen am Rande einer kommunalpolitischen Sitzung eine Mappe in die Hände gedrückt, in der er seine Sicht der Dinge schildert. „Ständige Rauchentwicklung, Geruchsbelästigung, Stickoxid-Dämpfe können Atemwegserkrankungen und irreparable Schäden bei Kindern und Babys bewirken“, erklärt er in dem Schreiben. Die Stadt sei verpflichtet, alles zu unternehmen, dass Kinder und Babys gesund aufwachsen können und nicht durch eine Luftbelastung Langzeitschäden erleiden.

Bernd Schmittgall verweist auch auf eine Heizzentrale, die in Korntal-Münchingen errichtet wurde. Anwohner dieser Heizzentrale fühlten sich Anfang 2021 vom Dampf und Geruch der Anlage stark belästigt. Eine Rathaussprecherin wird im Text mit der Aussage zitiert: „Abgase aus Gasheizungen bestehen in etwa aus neun Prozent CO2, fünf Prozent O2, Stickoxiden im Milligrammbereich und aus Wasserdampf und sind gesundheitlich in diesen Konzentrationen unbedenklich.“

Ähnlich argumentiert nun auch die Verwaltungsspitze von Leinfelden-Echterdingen. „Die vorgebrachten Vorwürfe können wir nicht nachvollziehen“, teilt Bürgermeister Dihm mit. Bei der in Echterdingen geplanten Heizzentrale handele es sich um eine Anlage, die aus Sicht des Immissionsschutzes unproblematisch sei, auch schon heute im Bereich von Schulen oder Kindergärten ohne Schwierigkeiten oder Klagen zum Einsatz komme und die immissionsschutzrechtlich vorgeschriebenen Grenzwerte einhalte. „Die Stadtwerke planen als Grundlast eine zentrale Geothermie-Wärmepumpe, die bei größerer Kälte von einem Blockheizkraftwerk sowohl mit Wärme als auch mit Strom unterstützt wird.“ Die Wärmepumpe komme, da sie strombetrieben ist, ganz ohne Schornstein aus.

Das Bebauungsplanverfahren, mit dem sich der Gemeinderat an diesem Dienstag, 31. Januar, befasst, diene dazu, die Bedenken der Bürger zu sammeln. Es gebe der Stadt die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen, gegebenenfalls Gutachten einzuholen und diese genauer zu untersuchen. Der Aufstellungsbeschluss, den das Gremium nun fassen soll, diene dazu, die Bürger über die Pläne zu informieren. Im einem nächsten Verfahrensschritt würden die Antworten der Stadt durch Fachgutachten untermauert.

Es sei auch eine Informationsveranstaltung geplant, in der Bürgerinnen und Bürger ihre Fragen stellen können. Schulen und Bürogebäude in der Stadt Leinfelden-Echterdingen würden im Übrigen von großen Blockkraftheizwerken (BHKW) mit Wärme versorgt, ohne dass es Probleme oder Beschwerden gebe. Die gesundheitliche Belastung, die von einem modernen BHKW ausgehe, sei deutlich geringer als die von vielen alten Öl-, Gas- oder Holzheizungen.

Thema im Gemeinderat

Neubau des Gemeindehauses
An diesem Dienstag, 31. Januar, wird sich der Gemeinderat in seiner Sitzung mit dem Neubau des evangelischen Gemeindehauses in unmittelbarer Nähe zur Echterdinger Stephanuskirche beschäftigen. Daran geknüpft ist der Bau der Heizzentrale auf den Parkplätze des bisherigen Gemeindehauses an der Bismarckstraße. Ein Bebauungsplan soll aufgestellt und das dort geltende Planrecht angepasst werden.

Beginn der Sitzung
Die Gemeinderatssitzung beginnt um 18 Uhr in Leinfelden im Großen Saal der Filderhalle, Bahnhofstraße 61.