Die neuen Räume bieten Neddermann mehr Platz für neue Technologien und bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter. Foto: oh Quelle: Unbekannt

Es gibt sie seit 146 Jahren und doch kennt sie jenseits der Fachkreise kaum einer: die Gummiwarenfabrik R. Neddermann in Altbach. Am Freitag weiht sie feierlich ihr neues Firmengebäude im Gewerbegebiet In den Weiden ein. Mit neuen Technologien und besseren Bedingungen für die Mitarbeiter will das kleine, wachsende Unternehmen sich auch künftig am Markt gegen die Großen behaupten.

Von Greta Gramberg

An den Wänden des hohen Raumes hängen moderne Gemälde. Das ist ungewöhnlich, denn der Rest der Halle ist der Industrie gewidmet: 20 Produktionsmaschinen, die vorwiegend von Frauen betreut werden, rauschen und es riecht leicht nach Kunststoff. „Gummifabriken sind in der Regel dunkel und es riecht gewöhnungsbedürftig“, erklärt Matthias Knieß, Geschäftsführer der Firma Neddermann, die im vergangenen Jahr sukzessive die neuen Räume bezogen hat. Hier ist es heller als im früheren Gebäude auf der anderen Straßenseite, eine moderne Lüftungsanlage verringert den Gummigeruch und die Bilder sollen zusätzlich eine angenehmere Atmosphäre schaffen.

Neddermann stellt Produkte aus Gummi auch in Verbindung mit anderen Werkstoffen her. Dichtungen, Dämpfer und weitere Teile gehen an Kunden in Branchen wie der Pneumatikindustrie, dem Maschinenbau oder der Medizintechnik. Mit einem Jahresumsatz von 5,5 Millionen Euro und 40 Mitarbeitern gehört die Firma zu den kleinen Fischen, die sich gegen die Großen auf dem Markt behaupten müssen. „Wir können uns nur definieren über Topqualität“, sagt Prokurist Andreas Fischer. Moderne Technologie, gute Projektarbeit und Ideen zeichneten Neddermann aus. Präzision schreibt sich die Firma auf die Fahne. Hauptkunde Festo verleiht dem Gummiexperten nun zum fünften Mal den „Festo Supplier Elite Award“. „Da kann man wirklich stolz drauf sein“, so Fischer.

Vier bis fünf Millionen Euro hat der Neubau die Firma laut Knieß gekostet. Er misst rund 2500 Quadratmeter Produktions-, Lager- und Bürofläche. „In den letzten Jahren sind wir ständig gewachsen“, erklärt Fischer. Das Auftragsvolumen sei in den alten Räumen nicht mehr zu verwirklichen gewesen. Neue Technologien benötigten mehr Platz, ergänzt Knieß. „Hier haben wir eine hochmoderne Gummifertigung.“ Wie sie funktioniert, zeigt er an einer computergesteuerten Maschine, die Rohrdichtungen für die Trinkwasserversorgung herstellt. Der heiße, zähflüssige Rohgummi wird in die Form eingespritzt und bei 200 Grad Celsius gepresst. „Das ist wie beim Waffelbacken“, sagt Knieß. Nach zweieinhalb Minuten öffnet sich die Maschine und eine Mitarbeiterin löst mit Luftdruckpistole und Schutzhandschuhen die Teile raus.

Nicht nur moderne Technologie, auch engagierte Mitarbeiter sind laut Fischer für den Erfolg ausschlaggebend. Doch die großen Unternehmen in der Region griffen mit höheren Gehältern viele Fachkräfte ab. „Wir können nur kontern mit einer guten Arbeitsatmosphäre“, sagt Knieß. Neben den neuen Räumen bietet Neddermann den Mitarbeitern ein Ferienhaus in Österreich, das sie kostenlos nutzen können, ein Schulungswochenende im Allgäu und Gewinnbeteiligung - wobei hier durch den Wettbewerb Grenzen gesetzt seien. Wichtig sei der Geist im Unternehmen, so Knieß. In der Belegschaft gebe es wenig Fluktuation. Einige seien mehr als 30 Jahre im Betrieb.

Das neue Haus ist mittlerweile der dritte Standort innerhalb Altbachs, wo Neddermann seit 1976 ansässig ist. Gegründet wurde die Gummifabrik 1871 vom niedersächsischen Kaufmann Rudolf Neddermann in Straßburg, das zu dieser Zeit zum Deutschen Reich gehörte. 1889 wurde eine Zweigstelle in Stuttgart gebaut, die nach dem Ersten Weltkrieg Hauptsitz wurde. Seit 1929 ist die Firma in der Hand einer Familie: Knieß’ Großvater, der Plochinger Bauunternehmer Emil Dürr, kaufte sich bei Neddermann ein und baute nach dem Zweiten Weltkrieg die Produktion in Plochingen auf. Nachdem viele Jahre sein Vater Oskar Knieß die Geschäfte führte, übernahm 1995 Matthias Knieß das Ruder.