Ready to take off – kleiner Pilot auf dem Gartenschaugelände. Quelle: Unbekannt

Obwohl es stürmt und regnet kann das Wetter den Plochingern das Bruckenwasenfest nicht verderben. 23 Stände locken am Muttertagswochenende zahlreiche Besucher an.

PlochingenEin grundsätzliches Interesse scheint vorhanden: „Mama, schau mal, da gibt’s sogar ein Raumschiff”, meint ein Kind zur Mutter und zeigt mit dem Finger drauf. Und es hat fast recht. Günter Bertsch, Vize-Chef der Fliegergruppe Plochingen, beklagt fehlenden Zuwachs an jungen Mitgliedern im Verein. Dafür haben die Fans der Himmelsstürmer heute einen Flug-Simulator mitgebracht. Damit lässt sich das Segelfliegen fast wie in echt erleben – ganz ohne Magenbewegungen und Absturzgefahr. Es ist nur einer der 23 Stände beim Plochinger Bruckenwasenfest am Muttertags-Wochenende. Das Fest auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände ist Familienevent und jährliches Spektakel zugleich.

Jung und Alt ließen sich von dem vielfältigen Angebot beeindrucken. Ob Hippie-Schmuck, selbst gemachte Seifen, Fahrten mit der Mini-Dampflok (mit immerhin 1200 Metern Strecke), Yoga im Garten oder einfach nur eine Bratwurst – jeder kam auf seinen Geschmack.

Einige Sprösslinge lugten schließlich ins Cockpit des Flug-Simulators. Ein anderer Familien-Höhepunkt der Veranstaltung: das Riesenschach. „Rasenschach”, korrigiert Heiko Elstner schmunzelnd. Er spielt Schach, seit er sechs Jahre alt ist und bringt es nun als Jugendleiter der Schachfreunde Plochingen den Zöglingen bei. Die schwarzen und weißen Figuren, immerhin halb so groß wie manches Kind, stehen in Reih und Glied. Das Spielbrett: knapp drei Meter breit, Verwechselungen mit einer Zeltplane nicht ausgeschlossen. Mit der Nachwuchs-Akquise läuft es bei den Schachfreunden relativ gut. Elstner meint, man könne nicht klagen. Er kennt die Klischees: Schach, unsexy und öde, sowieso nur ein Sport für Ältere. Durch viel Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen wie dem Rasenschach habe man es geschafft, einige neue Mitglieder – auch junge – zu gewinnen. Elstner erzählt mit Leidenschaft vom Grenke Open, dem größten Schach-Turnier Europas – hier im Ländle, in Karlsruhe. Dort habe er ein Spiel gesehen: Sechsjähriger versus 80-Jähriger. So was gebe es nur beim Schach.

Wer es aktiver mag, kann sich am Stand der Streetstepper sprichwörtlich die Beine vertreten. Die Sportgeräte, die ein bisschen aussehen wie eine Kreuzung eines Zirkusrads mit einem futuristischen E-Bike, versprechen ein „Ganzkörper-Training”. Zumindest laut den Instruktoren Simone und Martin Kempf, die begeistert von den speziellen Fahrrädern erzählen. Man steht beim Fahren in der Luft. Lustig sieht das aus, aber tatsächlich auch gesünder als so manche Bück-Haltung beim normalen Radeln. Simone und Martin Kempf werden an diesem Sonntag noch ein paar Runden radeln und so versuchen, strampelnd Kundinnen und Kunden zu überzeugen.

Entspannt, aber ebenso konzentriert arbeitet Bernd Eßlinger. Was er macht, ist auch ungewöhnlich – oder scheint zumindest für manche so. In der Familie Eßlinger ist das Sensenmähen die Freizeitaktivität Nummer eins. Ehefrau Desiree steht am Stand und erzählt, wie es zu diesem Hobby kam. Ein Zufall brachte sie zum Sensenmähen: 2006, bei der europäischen Sensenmäh-Meisterschaft (die es tatsächlich gibt), wurden sie angefixt. Jetzt ist Familienvater Bernd Eßlinger Jugendwart im Sensenmähverein Baden-Württemberg. Die beiden Söhne finden das cool – ihre Begeisterung für das geschwungene Metall haben sie von ihrem Opa bekommen, erzählt Mutter Desiree. Seitdem ist die Familie im Sensen-Fieber. Die Festbesucher bekommen erklärt, was es mit dem Dengeln auf sich hat. Durch gezielte Schläge mit dem Dengelhammer wird beim Sensen- oder Sichelblatt ein schmaler Streifen der Schneidkante verdünnt und damit geschärft. Das Ergebnis: eine messerscharfe Sichel, bereit, dem Wiesengras den Garaus zu machen.

Der einzige Wermutstropfen an diesem Wochenende blieb das Wetter. Nicht nur die Regentropfen an beiden Tagen schreckten einige Besucher ab. Auch die teils starken Windböen schränkten den Spaß mitunter ein. Auf dem Frühlingsmarkt sei sogar ein kleiner Stand kurz weggefegt worden, erzählt man dort. Günter Bertsch von der Fliegergruppe hat die Wetterprognosen ernst genommen und das große Festzelt erst gar nicht aufgebaut.

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