Das Modell gibt einen Anhaltspunkt dafür, wie sich das Gymnasium am Ende der mehrjährigen Bauarbeiten im Sommer 2026 präsentieren soll. Foto: BaurConsult Stuttgart - BaurConsult Stuttgart

Der Schock war groß, als die erste belastbare Kostenschätzung für das sanierungsreife Plochinger Gymnasium auf 60 Millionen Euro kam. Keiner wusste, wie es weitergehen sollte. Jetzt steht fest: Es geht weiter.

PlochingenBürgermeister und Planungsteam war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Der Plochinger Gemeinderat hat sich am Dienstagabend mit breiter Mehrheit hinter die um zehn Millionen Euro abgespeckten Sanierungs- und Erweiterungspläne für das Plochinger Gymnasium gestellt. Das Investitionsvolumen für das einzige G8/G9-Gymnasium im Landkreis ist auf 48,2 Millionen gedeckelt, das Raumprogramm wie geplant und vom Kultusministerium gefordert auf sechs Züge angelegt. Anders als in der ersten Verwaltungsvorlage zu der Entscheidung umfasst der Baubeschluss nicht nur die rund 39,7 Millionen Euro teuren Bauabschnitte für den Erweiterungsbau und die Sanierung des Kupfer- und Hauptbaus. Auch die beiden noch fehlenden Abschnitte sollen bis zum Sommer 2026 abgeschlossen sein.

Um dem mutmaßlichen Besucherinteresse gerecht zu werden, hatte die Verwaltung die Gemeinderatssitzung in die Stadthalle verlegt. Dem Baubeschluss voraus ging eine fünfstündige Beratung des Doppelhaushalts 2020/21, die die rund 40 Zuhörer mit über sich ergehen lassen mussten. Denn mitentscheidend für den Baubeschluss war die Tatsache, dass sich die Plochinger Kassenlage nach Einbringung des Haushalts im Dezember deutlich verbessert hat. Steigende Einwohnerzahlen, höhere Anteile aus der Einkommensteuer, weniger Gewerbesteuerumlage an Bund und Land und damit jährlich rund eine Million Euro mehr Gewerbesteuer: vor allem diese Eckpunkte führten am Ende dazu, dass die Stadt das abgespeckte Projekt im alleräußersten Notfall auch alleine schultern könnte, wie Kämmerer Michael Hanus ausführte. Zu einem Preis von insgesamt 22 Millionen Euro Schulden. Doch die jährliche Belastung im Haushalt würde sich auf 30/40 Jahre gesehen auf 1,55 Millionen Euro beschränken – sollte die Konjunktur nicht völlig zusammenbrechen.

Bis auf den fraktionslosen Stadtrat Klaus Hink, der lieber einen Neubau für das Gymnasium gesehen hätte, hat Buß am Ende alle Stadträte hinter sich geschart, um das größte Investitionsprojekt der Plochinger Stadtgeschichte trotz aller Risiken auf den Weg zu bringen. Denn nach wie vor steht nicht fest, ob und wann die Stadt die Nachbarkommunen zur Mitfinanzierung ins Boot holen kann. Und ob das Land über die bislang gewährten oder in Aussicht gestellten Zuschüsse von insgesamt 12,3 Millionen Euro hinaus noch eine Schippe darauf legt. Immerhin gibt es für letzteres wohl Indizien. Zudem hat die Verwaltung auch nach wie vor die Aufgabe, mit den beteiligten Kommune über eine Kostenbeteiligung zu verhandeln.

Als im Sommer erstmals belastbare Zahlen für das Gesamtpaket vorlagen, summierten sie sich auf 58,3 Millionen Euro. Damit war das Projekt zur Hängepartie geworden. Für Plochingen alleine war es nicht finanzierbar, aber die Planungen waren schon weit fortgeschritten. Die Nachbarkommunen hatten sich gleich kräftig gewehrt, mit zur Kasse gebeten zu werden. Für einen Neubau gibt es keine grüne Wiese mitten in der Stadt, zudem hätte das Land ihn nicht mitfinanziert. 7,7 Millionen Euro aus dem Kommunalen Sanierungsfonds drohten zu verfallen, hätte man das Projekt gecancelt. Und Aussitzen war auch keine Lösung, sondern hätte am Ende zu einem noch teueren Flickenteppich an Reparaturen geführt. Das hat Bürgermeister Frank Buß am Dienstagabend noch einmal betont.

Er räumte zugleich ein, dass die zehn Millionen Euro schweren Einsparmaßnahme am ohnehin nicht luxuriösen Sanierungsprogramm für eines der größten Gymnasien im Land weh tun. Das Ensemble kann nicht in allen Bereichen barrierefrei werden, die Glasüberdachung über dem Hauptbau fällt kleiner aus als geplant, die vorgesehene Photovoltaikanlage wird geschoben, an der Fachraumausstattung und der Beleuchtung wurde der Rotstift angesetzt, die Lüftungsanlage wurde mit geringerer Leistung ausgelegt, die Außenanlage werden nicht saniert ...

Dennoch: Für die CDU ist der Baubeschluss „ein klares Bekenntnis zum sechszügigen Gymnasium“, betonte Reiner Nußbaum. Für seine Fraktion habe es nie zur Debatte gestanden, nach den ersten drei Bauabschnitten erst einmal einen Schnitt zu machen, wie ihn die Verwaltung noch vor wenigen Tagen vorgeschlagen hatte.

Dass nunmehr auch Unterstufenbau, Turnhalle und Oberstufenbau gleich mit beschlossen werden sollten, ist der OGL hingegen erst einmal aufgestoßen. Stefan Kirchner befürchtete, dass man sich damit Möglichkeiten für den städtebaulichen Wettbewerb verbauen könnte, der für 2020/21 geplant ist. Er soll im Unteren Schulzentrum eine Campus-Mensa, eine Sporthalle und ein neues Hallenbad und eventuell noch mehr unterbringen. Bettina Straub, CDU-Stadträtin und Elternbeiratsvorsitzende der Schule, entgegnete hingegen energisch, dass man den Unterstufenbau brauche, um die Sechszügigkeit des Gymnasiums zu gewährleisten. Während die CDU in ihrem Haushaltsvortrag betont hatte, dass zweistellige Investitionen in ein Hallenbad in dieser Finanzsituation undenkbar seien, will Thomas Fischle den SPD-Wunsch nach einer dreigliedriger Sporthalle mit Hallenbad darunter mittelfristig in die Wirklichkeit umgesetzt sehen. Sowohl Harald Schmidt (ULP) als auch ULP-Aussteiger Klaus Hink betonten, dass der Gemeinderat den Sanierungszug bereits aufs Gleis gesetzt habe, bevor sie im Gremium gesessen seien. Während Schmidt zum Schluss kam, dass man die Sanierung nunmehr auch durchziehen müsse, blieb Hink dabei, dass ein Neubau besser gewesen sei. „Man kann aus einer Ente keinen Schwan machen.“

Die Verwaltung will nunmehr zügig ausschreiben. In den Sommerferien soll der Anbau mit den Computerräumen abgerissen werden, um Platz für den neuen Erweiterungsbau zu schaffen. Im Kupferbau geht es im Herbst mit der Sanierung los.

Es kommentiert: Claudia Bitzer

Keine Wahl

Für den Sprung ins kalte Wasser hat sich der Plochinger Gemeinderat am Dienstag vielleicht nicht mehr ganz so überwinden müssen. Immerhin federn die aktuellen Haushaltszahlen die Fallhöhe bei der Sanierung und Erweiterung des Gymnasiums etwas ab. Aber sie ist immer noch so hoch, dass ein Konjunktureinbruch den Beteiligten unter Umständen das Genick brechen könnte. Doch selbst bei gleichbleibender Wirtschaftslage ist Plochingen nach wie vor auf die Unterstützung aus den Nachbarkommunen und vom Land angewiesen. Denn sonst werden die kommenden Jahre nur noch vom Gymnasium diktiert. Schon bei den aktuellen Haushaltsberatungen war sichtbar, wie wenig Spielraum Verwaltung und Gemeinderat noch bleibt. Die Anzahl von stolzen 70 Anträgen sagt noch nichts über deren Qualität aus.

Unterm Strich gesehen hatte die Stadt aber auch gar keine andere Wahl, als sich der Herausforderung zu stellen. Zu weit waren die Planungen schon gediehen. Zuviel Arbeit von Planern, Architekten und Verbandsbauamt steckte schon in den komplexen Überlegungen. Und zu lange hatte man die Sanierung der Schule schon auf die lange Bank geschoben. Für das Gymnasium ist der Baubebeschluss jedenfalls ein wichtiges Signal – auch wenn die Schule mehr zurückstecken musste, als man es ihr bei so viel Geld gewünscht hätte. Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich damit auch die lokalen Diskussionen über einen Ausstieg aus dem beliebten G8/G9-Modellversuch erledigt haben.

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