Nach Protesten in Belarus greift Machthaber Alexander Lukaschenko zur Waffe Foto: dpa

Alexander Lukaschenko markiert den starken Mann und macht sich mit einer Waffe in der Hand doch nur lächerlich. Ein Stilcheck des seltsam verkleideten Machthabers von Belarus.

Stuttgart - Einst waren die wichtigsten Accessoires des mächtigen Mannes nicht etwa Manschettenknöpfe, Einstecktücher und Siegelringe. Nein, europäische Regenten vor allem im 19. Jahrhundert ließen sich auf Gemälden gern in Paradeuniformen und mit Waffen verewigen. Der Mann verkleidete sich als Soldat, selbst wenn er nie an der Front war – auch das war Mode.

Poser oder Kämpfer?

Alexander Lukaschenko, der autokratisch herrschende Staatschef von Belarus wirkt ebenfalls wie versteinertes Relikt aus der Vergangenheit. Nach Massenprotesten in Minsk sind die Fronten zwischen der Demokratiebewegung und dem Machthaber verhärtet. Der wegen mutmaßlichen Wahlbetrugs unter Druck stehende Staatschef droht mit der Armee und zeigt sich der Öffentlichkeit in Kampfmontur – und mit einer Kalaschnikow in der Hand. Eine martialische Aufmachung, die mindestens so lächerlich wirkt wie manch eine toxisch maskuline Selbstinszenierung von Wladimir Putin und Kim Jong-un. Will Lukaschenko wirklich auf sein Volk schießen? Oder will er nur posieren? Keiner weiß es. Die Ironie der Geschichte: der Konzern aus dem russischen Ischewsk produziert seit einigen Jahren nicht nur das legendäre Sturmgewehr, sondern auch eine eigene Modelinie. Denn die Waffengeschäfte laufen angeblich nicht mehr so gut. An Lukaschenko zumindest liegt es nicht.

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