Künftig wird Albet Greiner (vorne) nicht mehr organisieren, aber ab und zu zum Essen kommen Foto: Karin Ait Atmane - Karin Ait Atmane

Der Organisator des Mittagstisches in Reichenbach, Albert Greiner, zieht sich zurück.

ReichenbachDer Donnerstag war Fixtermin, für andere Aktivitäten weitgehend tabu: 20 Jahre und zwei Monate lang hat sich Albert Greiner an diesem Wochentag um den „Gemeinsamen Mittagstisch“ in Reichenbach gekümmert. Sogar ihre Urlaube haben seine Frau und er oft auf Wochen mit Donnerstags-Feiertag gelegt. Jetzt verabschiedete sich der Gründer und langjährige Organisator.

Kurz vor zwölf füllt sich der Raum in der Reichenbacher Diakoniestation. Eine ganze Reihe von Gästen sitzt bereits am gedeckten Tisch und unterhält sich angeregt, während das Team improvisiert: Es kommen zwei Leute mehr als angekündigt. „Das kriegen wir hin“, sagt eine der Frauen, die an diesem Tag Dienst machen. Seither waren immer zwei Damen mit Albert Greiner zusammen im Einsatz, künftig werden sie jeweils zu dritt die Gäste versorgen, während ein anderer Ehrenamtlicher sich um die Buchhaltung kümmert.

Von jeher bringen die Frauen einen oder sogar mehrere Salate von zu Hause mit, ergänzend zum bestellten Menü, das in der Diakoniestation erhitzt und fertig gegart wird. Und auch Früchte aus dem eigenen Garten werden immer wieder verarbeitet, von Tomaten bis hin zu Zwetschgen und anderem Obst, denn nach dem Essen gibt es immer selbstgebackenen Kuchen. Alles zusammen kostet sieben Euro. „Für mich ist der Donnerstag ein Sonntag“, diesen Satz hat Greiner schon öfter gehört.

Dass die Leute sich einfach mal an den gedeckten Tisch setzen können, bedient und verwöhnt werden, das ist ein Grundgedanke des Mittagtischs. Sie sollen aus den eigenen vier Wänden rauskommen, andere treffen. Die Idee für die wöchentliche Veranstaltung hat ein ehemaliger Reichenbacher Pfarrer aufgebracht. Er sah in Albert Greiner, der nach dem Konkurs der Firma Traub in Frührente entlassen worden war, den richtigen Mann dafür. Zumal er zuvor im Reichenbacher Krankenpflegeverein, der neue Betätigungsfelder suchte, aktiv gewesen war.

Giersch-Süpple beim ersten Essen

Greiner hat den Mittagstisch, der nicht nur Senioren anspricht, aufgebaut – zuerst in den ehemaligen Räumen der Diakoniestation in der Wilhelmstraße, dann in der Stuttgarter Straße. Beim ersten Essen im Neubau, erinnert er sich, wollte nicht anspringen – die Handwerker hatten vergessen, ihn anzuschließen. Und gerade an diesem Tag hatte Albert Greiners Schwester, die ebenfalls regelmäßig als Ehrenamtlich anpackt, ein Giersch-Süpple gekocht. In der Not fiel dem Leiter des Mittagstisches ein, dass einer der regelmäßigen Gäste im Gebäude wohnte. Der Mann half dann aus der Patsche.

25 bis 30 Gäste kommen meistens zum Mittagstisch, je nach Wetterlage. Häufiger als Albert Greiner war bestimmt niemand da, er hat grade mal eine Handvoll der Termine verpasst und nach Rechnung von Wolfgang Baumann, einem der Vorsitzenden des Reichenbacher Sozialnetzwerks „Sonne“, mehr als ein ganzes Lebensjahr beim Mittagstisch verbracht. Nicht nur Baumann dankte dem 79-Jährigen, auch ein Gast stand auf: „Ich möchte den Donnerstagstisch nicht vermissen. Hier habe ich meine ersten sozialen Kontakte in Reichenbach und mein soziales Netz geknüpft“, sagte er.

Albert Greiner erinnerte seinerseits an diejenigen, die ebenfalls von Anfang an ehrenamtlich mit angepackt haben, unter ihnen seine Frau. Wenn sie in Zukunft Dienst haben wird, wird auch er zum Essen kommen.

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