Die Initiative „Stadt(t)räume“ zieht mit einem Umzug in das leergewordene Schoettle Areal ein. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Was wird aus dem Schoettle-Areal in Stuttgart? Eine Bürgerinitiative drängt auf eine rasche Weiternutzung und geht dafür auf die Straße. Was sie sich für das Schoettle-Areal vorstellt.

Wird das ehemalige Statistische Landesamt in Heslach zu einem Lost Place? Die Bürgerinitiative „Stadt(t)räume“ drängt die Stadt seit Jahren dazu, das Gebäude dem Land abzukaufen. Dass das Rathaus nun finanziell klammen Zeiten entgegensteuert, erschwert das Vorankommen. Noch vor Weihnachten wird im Gemeinderat über den nächsten Doppelhaushalt gesprochen. Mit ihrem Aktionstag „Schoettle-Areal - Schlüsselmoment für Stuttgart“ am vergangenen Samstag auf dem Marienplatz hat die Bürgerinitiative deshalb erneut auf die Dringlichkeit der raschen Weiterentwicklung des Areals aufmerksam gemacht.

„Wir wollen ins Handeln kommen“, betonte Tommi Fadini, einer der Vorstände des Vereins „Stadt(t)räume“, der die Bürgerinitiative betreibt. Es gebe bereits verschiedene Pioniernutzer, die bereit zum Einzug seien, ergänzte Anette Vogt, ebenfalls Vorstand des Vereins. Ein Wunsch der Bürgerinitiative ist eine öffentliche Kantine. Auch bezahlbarer Wohnraum steht ganz oben auf der Liste der Möglichkeiten für das riesige Areal. Darüber hinaus könnten Tanz-Proberäume eingerichtet werden oder ein Fotostudio einziehen. „Man kann es wunderbar umbauen“, ist sich Vogt sicher. Darüber hinaus soll das ehemals abgeschlossene Areal zur Nachbarschaft hin geöffnet werden.

Bürgerinitiative: Gelände soll in öffentlicher Hand bleiben

Wichtig ist der Bürgerinitiative, dass das Gelände in öffentlicher Hand bleibt und nicht an einen Investor verkauft wird, der dort teure Wohnungen baut. Gesprochen wird allerdings schon lange über die Zukunft des ehemaligen Statistischen Landesamts. Das Amt ist bereits im Sommer 2024 ausgezogen. Vieles ist seitdem weiter in der Schwebe. Das Land würde wohl gerne verkaufen. Fraglich scheint derzeit aber, ob die Stadt 30 Millionen Euro auf den Tisch legen wird. Eine weitere Hängepartie soll jedoch aus Sicht der Bürgerinitiative unbedingt vermieden werden. „Das Gebäude geht kaputt. Wir starten jetzt in den Winter“, verdeutlichte Stadt(t)räume-Vorstand Fadini. Als Symbol hingen überdimensionale Schlüssel aus Plastik von der Bühnendecke. Soll bedeuten: was auch immer nun weiter passiert, irgendjemand sollte das Gebäude nutzen und bespielen. „Wir müssen jetzt rein“, betonte Fadini.

Beim Aktionstag vergangenen Samstag zogen die Teilnehmer mit Stehlampen, Stühlen, Trommeln und Bollerwagen symbolisch und öffentlichkeitswirksam ins ehemalige Statistische Landesamt ein. Auf dem Marienplatz gab es anschließend Infostände und eine Bühne, auf der am Abend die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Bündnis90/Die Grünen) sprach. „Leerstand wäre eine Katastrophe“, betonte sie. Das Gelände biete viel Potenzial. Werde die Infrastruktur vernachlässigt, räche sich das irgendwann.

Während der anschließenden Podiumsdiskussion herrschte weitgehende Einigkeit. „Es gibt eine große Zustimmung für das Projekt“, erklärte der Bezirksvorsteher Jonathan Makurath (SPD). Was man nun brauche, sei Planungssicherheit. Auf die finanziell schwierige Haushaltssituation wies der CDU-Gemeinderat Klaus Nopper hin. Derzeit beschäftigten sich die Fraktionen mit Möglichkeiten, wo noch Geld eingespart werden könnte. „Es ist nicht einfach. Das muss man deutlich sagen. Es wird schwer“, erklärte Nopper. Gleichzeitig betonte auch er, dass man sich nun rasch etwas zur Nutzung des riesigen Gebäudekomplexes überlegen müsse. „Leerstand ist das Schlimmste“, so Nopper. Ob die Stadt jedoch jetzt das Geld für den Kauf bereitstellt, da war sich der Gemeinderat nicht sicher.

Frei gewordenes Areal

Grundstück
In Stuttgart-Süd wurde 2024 mit dem Wegzug des Statistischem Landesamts ein 7000 Quadratmeter großes Areal zwischen Erwin-Schoettle-Platz, Gebrüder-Schmid-Zentrum und Heslacher Stadtbad für neue Nutzungen frei. Perspektivisch könnte im Jahr 2035 auch noch das benachbarte Areal der Universität Stuttgart frei werden.

Bügerinitiative
Eine 2021 gegründete Bürgerinitiative setzt sich dafür ein, den Ort in ein lebendiges, inklusives Stadtteilzentrum mit Wohn-, Arbeits-, und Kreativnutzungen zu transformieren. Beginnen soll die Entwicklung mit Erhalt und Zwischennutzung des vierstöckigen Bürogebäudes des Statistischen Landesamtes, in dem nach seinem Umbau auch zeitgemäße Wohnformen eine Heimat finden sollen. pib