Mit durchdringendem Blick beäugen die jungen Steinkäuze ihre Umgebung. Foto: Iris Koch

Team des Nabu kennzeichnet den Steinkauz-Nachwuchs in Ostfildern. Dank der Brutröhren haben sich einige Paare auf Wiesen angesiedelt.

Kreis Esslingen - Gute Nachrichten gibt es von den Nellinger Steinkäuzen zu vermelden: Dank eines Brutröhren-Projekts des Naturschutzbundes (Nabu) haben sich einige Brutpaare in den Streuobstwiesen fest angesiedelt. Der Steinkauz-Nachwuchs wird stets im Frühjahr begutachtet und mit einem Fußring versehen. Fünf Bruten mit insgesamt 16 gut genährten Jungvögeln fand das Beringungsteam dieses Mal in den künstlichen Bruthöhlen vor.

Eine ganz besondere Faszination geht von den hübschen Miniatur-Eulen aus, die bundesweit auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen. Schon die flauschigen Jungvögel haben den durchdringenden Blick aus ihren gelben Eulenaugen. Vier fidele Exemplare fanden sich an der ersten Station in der Nähe des Friedhofs in der Brutröhre. Wie alle der vom Steinkauz-Team verwendeten Röhren sei sie mit einem erprobten Marderschutz ausgestattet, erläutert Heinz Scholz, der seit dem Beginn des Projekts im Jahr 2006 dabei ist.

Meist bleiben die Jungen stoisch

In der Regel seien die jungen Steinkäuze bei der Beringung erstaunlich entspannt, berichtet Gabi Schmidts, die Leiterin der Jugendgruppe des Nabu Nellingen. Die vier Mini-Eulen aus der ersten Bruthöhle zeigen aber, dass sie auch anders können und greifen schon mal mit ihren Krallen beherzt zu. Auch den kräftigen Schnabel setzen sie ein. Doch dann lassen sie die Prozedur recht stoisch über sich ergehen.

Die Füße und Krallen benutzten Eulenvögel auch als Waffe. Sie seien deshalb als erstes komplett ausgebildet, erklärt Gabi Schmidts. Routiniert führt sie den „Beringungsgriff“ vor, mit dem sie das Gefieder des Vogels umfasst und ein Beinchen fixiert. Zum Anlegen des Rings dient eine spezielle Zange mit einer Aussparung für das Bein. Anhand der Nummern lässt sich später feststellen, woher ein Vogel kommt.

Rund zwei Dutzend Brutröhren hat das Nabu-Steinkauz-Team auf Nellinger Gemarkung installiert und betreut sie regelmäßig. Dazu gehört, die Röhren zu säubern, in Schuss zu halten und sich einen Überblick über den Bestand der Altvögel zu verschaffen. Wie viele andere Eulenarten leben Steinkäuze in Dauerehe mit einem festen Partner. Außerdem sind sie standorttreu: Die feste Steinkauz-Belegschaft in Nellingen kommt vorwiegend aus der näheren Umgebung, etwa aus Köngen oder Wolfschlugen. Aber es gibt auch einen ausländischen Besucher aus dem Elsass, der in Nellingen brütet. Der am weitesten gereiste Steinkauz stammt derweil aus dem hessischen Fulda.

Lebensraum und Nahrung fehlen

Die jungen Steinkäuze werden von ihren Eltern vorzugsweise mit Mäusen, aber auch mit kleineren Amphibien, Insekten oder Regenwürmern gefüttert. Einmal habe man in einer Bruthöhle säuberlich zum Verfüttern aufgereihte Mäuse vorgefunden, erzählt Heinz Scholz. Zu schaffen macht dem kleinen Eulenvogel der Verlust von Lebensraum durch menschliche Siedlungen, aber auch Nahrungsmangel, etwa durch das Insektensterben. Streuobstwiesen seien für Steinkäuze optimal geeignet, weiß Scholz. Da heutzutage große alte Obstbäume mit Höhlungen oder auch Kopfweiden häufig fehlten, seien Nisthilfen dringend notwendig.

Helfen könne man den Vögeln auch, indem man auf zu häufiges Mähen verzichte, betont Gabi Schmidts. „Wenn ständig kurz gemäht wird, können sich keine Insekten entwickeln“. Mit den in den Brutröhren vorgefundenen Jungkäuzen war das Team des Nabu aber hoch zufrieden: „Die sehen alle richtig fit und proper aus“, lobt die Expertin. In Kürze werden die jungen Steinkäuze ihre Brutröhren verlassen und auf den Bäumen der Umgebung herumturnen. Ihre Eltern versorgen sie allerdings noch einige Zeit, bevor die Jungen dann abwandern und auf Reviersuche gehen.

Der Rundgang zur Steinkauz-Beringung findet normalerweise öffentlich statt und stößt auf beachtliches Interesse. Bis zu 30 Interessierte seien schon dabei gewesen, sagt Heinz Scholz. Wegen Corona verzichtete der Nabu aber in diesem Jahr auf die Führung.

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