Fed-Chef Jerome Powell: Die Zeit ist reif für Zinssenkungen. Aber wie deutlich wird die Lockerung der US-Geldpolitik ausfallen? Foto: dpa/Jose Luis Magana

Das Sommergewitter hat sich rasch wieder verzogen – Zinshoffnungen treiben die Kurse hoch. Aber es besteht Enttäuschungspotenzial, meint Finanzreporter Hannes Breustedt.

Im Wechselbad der Gefühle: Innerhalb von nur zwei Wochen hat sich die Stimmung an den Aktienbörsen komplett gedreht – statt Crash-Sorgen dominiert plötzlich wieder die Zuversicht. Dabei ist das Marktumfeld weitgehend gleich geblieben. Konjunkturelle und geopolitische Risiken sind keineswegs verschwunden, die Gefahr von Kursrücksetzern bleibt. Für Rückenwind sorgte zuletzt die Hoffnung auf kräftig sinkende Zinsen in den USA. Doch auch hier besteht Enttäuschungspotenzial.

Fed-Chef Powell stellt Weichen für Zinssenkung

Anleger setzen angesichts nachlassender Inflation auf eine aggressive geldpolitische Lockerung in den USA. Ob die Notenbank Fed ihnen diesen Gefallen tut, ist jedoch ungewiss. Die Währungshüter werden den Leitzins bei ihrer nächsten Sitzung im September senken, so viel scheint klar. „Es ist an der Zeit, die Geldpolitik anzupassen“, sagte Fed-Chef Jerome Powell beim Notenbankertreffen in Jackson Hole.

Powell erteilte auch einem größeren Zinsschritt, wie ihn die Märkte herbeisehnen, keine Absage. Ob es dazu kommt, dürfte jedoch maßgeblich davon abhängen, wie der nächste US-Arbeitsmarktbericht ausfällt. Auch wenn sich die Wirtschaft abkühlt und der Job-Boom nachlässt, deutet wenig auf eine harte konjunkturelle Landung hin, die die Fed unter erhöhten Druck setzen würde. Zinseuphorie wirkt deshalb übertrieben.

Wichtige Termine: Ifo-Geschäftsklima und Nvidia-Quartalszahlen

Die Notenbank ist zudem in einer kniffligen Lage: Ihr Leitzins von 5,25 bis 5,5 Prozent – dem höchsten Niveau seit 2001 – scheint ob des eingetrübten Wirtschaftsausblicks und der gesunkenen Teuerungsrate deutlich zu hoch. Doch die Fed muss wegen der US-Präsidentschaftswahlen und der aufgeheizten Stimmung im Land vorsichtig agieren und den Eindruck vermeiden, das Votum zu beeinflussen – zumal sie unter verbalem Dauerbeschuss des republikanischen Kandidaten Donald Trump steht.

Wichtige Termine diese Woche: Ifo-Index (Montag) und GfK-Konsumklima (Mittwoch) signalisieren, wohin die maue deutsche Wirtschaft steuert. Die Bilanz des US-Chipriesen Nvidia (Donnerstag) zeigt, was dran ist am Hype um Künstliche Intelligenz.