Ausblick auf die Börsenwoche: Die Rekordjagd hält dank Unterstützung der EZB an. Angesichts des trüben Wirtschaftsausblicks ist Euphorie aber deplatziert, mein Finanzexperte Hannes Breustedt.
Die Zinssenkungen der EZB treiben die Märkte weiter an – der Dax eilt von einem Allzeithoch zum nächsten. Beim Zentralbankgeld lautet die Börsenregel: Die Flut hebt alle Boote. Tatsächlich sind nicht nur Aktien obenauf, sondern auch andere zinslose Anlagen wie Gold. Allerdings: So billig ist das Geld der Notenbanken gar nicht, und eine neue Ära ultraniedriger Zinsen ist auch nicht in Sicht. Treiben Anleger es zu weit?
Rezessionsgefahren nicht beseitigt
Angesichts des trüben Wirtschaftsausblicks im Euroraum wirkt die Euphorie am Markt deplatziert. Trotz der geldpolitischen Lockerungen der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt das Zinsniveau zu hoch, um das Wachstum ordentlich anzukurbeln. Die Rezessionsgefahren sind noch nicht beseitigt.
Ein zusätzlicher Risikofaktor sind die US-Wahlen. Die Chancen für eine Rückkehr von Ex-Präsident Donald Trump stiegen zuletzt wieder, an den Wettbörsen liegt der Kandidat der Republikaner inzwischen sogar recht klar vor seiner Kontrahentin Kamala Harris von den Demokraten. Ein Wahlsieg Trumps, der die USA mit drastischen Zollerhöhungen abschotten will, wäre für Europa bedrohlich – besonders für die exportlastige größte Eurowirtschaft Deutschland. Die Aussicht auf Protektionismus und neue Handelskriege verheißt für deutsche Aktien nichts Gutes.
Berichtssaison nimmt weiter Fahrt auf
Diese Woche stehen vor allem zwei wichtige Wirtschaftsdaten an: Ob Deutschland das Konjunkturtal endlich überwinden kann, signalisieren das Ifo-Geschäftsklima (Freitag) und die Einkaufsmanagerumfragen des Finanzdienstleisters S&P Global (Donnerstag). Nach monatelanger Negativserie rechnen Experten mit leichten Anstiegen. Das wäre immerhin ein Hoffnungsschimmer.
Während die Berichtssaison in den USA bereits auf Hochtouren läuft, nimmt der Bilanzreigen jetzt auch in Europa Fahrt auf. Dax-Schwergewichte wie SAP (Montag), Deutsche Bank (Mittwoch) und Porsche AG (Freitag) legen ihre Quartalszahlen vor. In den USA gewähren unter anderem der Elektroautobauer Tesla und der angeschlagene Luft- und Raumfahrtriese Boeing Einblick in ihre Bücher (beide Mittwoch).