Zigtausende Lichter und riesige Leuchtfiguren: Manche Menschen haben einen Hang zu auffälliger Weihnachtsdekoration. Wir haben uns die Gründe erklären lassen.
Ein leuchtender Stern im Fenster, Kerzen am Weihnachtsbaum, ein Adventskranz, vielleicht eine Lichterkette am Balkon – so oder ähnlich sieht sie wohl aus, die durchschnittliche Weihnachtsdekoration. Dann gibt es aber Zeitgenossen, die im Verbreiten von Lichterglanz richtig aufgehen. Hunderte bis tausende von Lichtern sowie riesige aufblasbare und beleuchtete Figuren strahlen von einigen Häusern im Rems-Murr-Kreis.
Das wohl herausragendste Beispiel dafür findet sich in Schorndorf. Vor gut fünf Jahren ist Daniel Dobelmann in die Remsstraße 33 gezogen – seitdem lebt sich der heute 27-Jährige in der Adventszeit kreativ aus. Vor seinem Haus entsteht immer im Advent eine riesige funkelnde Fantasiewelt. Dort stehen riesige Leuchtfiguren und echte Weihnachtsbäume, überall hängen Tannenzweige, Zuckerstangen und natürlich Lichter, Lichter, Lichter. „Aktuell sind es rund 31.000 LEDs“, sagt der 27-jährige Dobelmann. Tendenz steigend.
Das Weihnachtshaus in Schorndorf wird jedes Jahr aufwendiger dekoriert
Diese Leidenschaft für Weihnachten begleitet den Schorndorfer bereits sein Leben lang. „Schon mein Kinderzimmer habe ich früher immer gern geschmückt“, erinnert er sich. Auch jetzt stehen in seiner Wohnung etliche geschnitzte Figuren aus dem Erzgebirge und Weihnachtspyramiden. „Die meisten davon lasse ich das ganze Jahr über stehen, ich liebe das einfach“, sagt er. Einmal im Jahr ist allerdings Schluss mit Weihnachten – und zwar Ende Oktober. Dann lebt er vor Allerheiligen auch seine Vorliebe für gruselige Dekorationen mit leuchtenden Akzenten aus.
Das restliche Jahr über plant er seinen Weihnachtsgarten akribisch, gerne mit Weihnachtsliedern im Hintergrund, um sich in Stimmung zu bringen. „Ich habe jedes Jahr ein Motto – in diesem Jahr ist es der Polar-Express“, erklärt er. Die Besucher gehen zunächst an einem großen, mit unzähligen Lichtern garnierten Banner mit dem sagenumwobenen Zug entlang, ehe sie seitlich in den Garten einbiegen können. „Das ist Absicht, man soll quasi seitlich aus dem Zug aussteigen.“
Im Weihnachtshaus Schorndorf sind Besucher willkommen
Inzwischen wird der gelernte Parkettleger bei seiner Arbeit auch von Kunden angesprochen, die ihn als „den Mann mit dem Weihnachtshaus“ wiedererkennen. Bei ihm ist noch bis zum 28. Dezember von 18 bis 20 Uhr jeder willkommen, an Wochenenden und Feiertagen gibt es sogar Gutsle, Punsch oder Glühwein. Wer mag, kann ein bisschen Geld in ein Spendenkässchen werfen, das beim Eingang steht. Neulich, erzählt Dobelmann, habe er sich Essen bestellt und die Lieferantin durch seinen Weihnachtsgarten geführt. „Sie hatte vor lauter Rührung Tränen in den Augen“, sagt er.
Nicht immer waren seine Erfahrungen so positiv: „Vor zwei Jahren wurde meine Spendenkasse geplündert.“ Das Erlebnis erschütterte Dobelmann weniger wegen der Summe in der Kasse. „Aber so etwas an Weihnachten zu machen – das verstehe ich nicht. Am Tag danach habe ich alle Lichter ausgelassen, das Ereignis nimmt mich noch heute mit.“ Regulären Eintritt verlangen will der 27-Jährige aber trotzdem nicht. „Ich will doch das komplette Gegenteil – keinen Kommerz. Die Leute sollen hier einfach abschalten und mal wieder Kind sein können.“
Bittenfeld: Riesige weihnachtliche Leuchtfiguren an der Schillerstraße
Bei Weitem nicht so zahlreich, aber ebenfalls ein Beispiel für einen echten weihnachtlichen Blickfang sind die riesigen Figuren, die es sich in Waiblingen-Bittenfeld auf einem Vordach bequem gemacht haben. An der Schillerstraße, von einem Vordach des Hauses Nummer 135, leuchten ein gewaltiges Rentier, ein Eisbär, Pinguine, ein Weihnachtsmann auf einem Traktor und ein Weihnachtsbaum. Vielen Verkehrsteilnehmern, die auf der geschäftigen Ortsdurchgangsstraße unterwegs sind, zaubern sie ein Lächeln ins Gesicht.
Bittenfeld: Bei der Weihnachtsdeko kann es fast nicht genug sein
Womit die beiden Menschen hinter der leuchtenden Deko ihr Ziel erreicht hätten: Yvonne und Stefan Bruckert haben vor rund acht Jahren den traktorfahrenden Santa für ihre Kinder gekauft. „Schon damals haben wir ganz viele nette Rückmeldungen bekommen“, erzählt die 36-jährige Yvonne. „Hier fahren viele vorbei, wir sind ja quasi in der Pole-Position. Wenn Kinder und Erwachsene unsere Sachen sehen und eine Freude daran haben, freuen wir uns auch“, meint Stefan.
Und so führte eines zum anderen – die Bruckerts rüsteten in Sachen Weihnachtsdeko immer weiter auf. Der Klimax war bislang das rund viereinhalb Meter hohe Rentier, für welches das Ehepaar eigens ein Gerüst hochziehen musste. So langsam geht dem Ehepaar der Platz aus – zumal man eine Vier-Meter-Figur schon wegen des Windes nicht überall aufstellen kann. „Aber es kann eigentlich nicht genug sein“, findet Stefan.
Die Stromkosten für die extreme Weihnachtsdeko sind überschaubar
Die allermeisten Reaktionen auf ihr Weihnachtshaus seien positiv, erzählen die beiden. „Aber gerade während der Energiekrise gab es auch manche, die gemeint haben: Wie könnt ihr nur?“, sagt Yvonne. Beim Überschlagen der Stromkosten für die Weihnachtsdeko habe sich dann aber gezeigt: Es seien gerade einmal 25 bis 30 Euro, LED-Technik sei Dank. „Wir rauchen und trinken beide nicht – und leisten uns stattdessen eben das.“
Haben auch Sie ein prächtig geschmücktes Weihnachtshaus? Schicken Sie uns gerne Fotos davon – falls genügend zusammenkommen, stellen wir daraus eine Bildergalerie zusammen.