Das Abkommen zwischen Israel und zweier arabischen Staaten ist ein Erfolg – auch wenn damit noch lange nicht der Frieden ausbricht. Bei einem anderen Vermittler als Donald Trump wäre der Applaus größer gewesen, kommentiert Christian Gottschalk.
Stuttgart - Als sich der israelische Premier Menachem Begin und Ägyptens Präsident Anwar al-Sadat 1979 im Garten des Weißen Hauses mit dem US-Präsident Jimmy Carter trafen, da war das der Beginn einer neuen Ära. Für den Friedensschluss der beiden Nachbarländer bekamen die Staatenlenker kurz darauf den Friedensnobelpreis, Carter bekam ihn etwas später. Es kann schon sein, dass Donald Trump sich in der Riege potenzieller Nachfolger sieht, seitdem er nun an gleicher Stelle zwischen den Vertretern Israels, Bahrains und der Vereinigten Arabischen Emirate stand.
Unter Obama wäre der Applaus größer gewesen
Es ist die gewohnte Großmäuligkeit des US-Präsidenten, die dem Ereignis ein klein wenig an Glanz nimmt. Ob die Anerkennung Israels durch zwei weitere arabische Länder tatsächlich die Dämmerung eines neuen Nahen Ostens ist, das darf schon mit Fug und Recht bezweifelt werden. Unzweifelhaft ist es aber ein Erfolg für Trump und auch für den innenpolitisch schwer angeschlagenen israelischen Premier Benjamin Netanjahu. Beide gehören nicht zu den Sympathieträgern ihrer Zunft. Wäre ihren Vorgängern Obama und Olmert diese Verträge gelungen, der internationale Applaus wäre sicher stärker aufgebrandet.
Israel, Bahrein und die Vereinigten Arabischen Emirate einigt eher der Hass auf den Iran, als die Freundschaft untereinander. Es sind eher die Aussichten auf gute Geschäfte, denn die herzliche Zuneigung, die zu dem Abkommen geführt haben. Und es sind keine direkten Nachbarn, die da zueinander gefunden haben, niemand, der sich bisher Aug´in Aug´gegenübergestanden hat. Aber es ist gleichwohl ein wichtiger Schritt, dessen Tragweite womöglich erst in einigen Jahren zum Tragen kommt. Die Phalanx der destruktiven Ablehnung in der arabischen Welt bröckelt, und, was ebenso wichtig ist: durch das Abkommen wird Zeit gewonnen. Israel verpflichtet sich, vorerst die besetzten Gebiete nicht zu annektieren.
Das Grundproblem bleibt bestehen
Das Grundproblem in der Region bleibt freilich weiter bestehen: der eigene Palästinenserstaat, ohne den es nicht funktionieren wird, bleibt in weiter Ferne. Da ist von allen Beteiligten noch sehr viel Bewegung notwendig. Sollte es die irgendwann einmal geben, dann wäre ein Friedensnobelpreis tatsächlich angebracht.