Auf Sparflamme zu kochen würde die Lage etwas entspannen. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Der Druck, sich vom russischen Gas loszusagen, wächst. Das Beispiel EnBW zeigt, dass Deutschland darauf aber nicht verzichten kann – zumindest nicht kurzfristig, meint Eva Drews.

Deutschland muss als Reaktion auf den russischen Einmarsch in der Ukraine auf russisches Gas verzichten. Diese Forderung wird in diesen Tagen immer wieder laut – sowohl im In- als auch im Ausland. In der Tat wäre dieser Boykott ein Schritt, der Russland in Bedrängnis brächte – schließlich entfallen mehr als die Hälfte der russischen Exporterlöse auf Öl, Gas und mineralische Rohstoffe, und Deutschland ist ein wichtiger Abnehmer.

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Aber die Bundesregierung tut gut daran, sich diese Maßnahme so lange wie möglich aufzuheben. Deutschland ist viel zu abhängig von russischem Gas. Fast zwei Drittel ihres Bedarfs an diesem Rohstoff bezieht auch die EnBW aus Russland – und erzeugt damit nicht nur Strom, sondern beliefert vor allem Betriebe und Haushalte, damit diese Wärme erzeugen können.

Würden massive Mengen von Gas von jetzt auf gleich fehlen, gibt es einen Notfallplan, wer verzichten muss. Krankenhäuser und Haushalte stehen dabei weit unten. Zuerst müssten industrielle Abnehmer ihren Verbrauch beschränken oder aussetzen. Stahlwerke etwa, deren Produkte Rückgrat vieler weiterer Branchen sind. Der wirtschaftliche Schaden wäre massiv.

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Umso wichtiger aber ist, dass jeder Einzelne erkennt, dass sie oder er jetzt eine Rolle spielt. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde Erdgas hilft, die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. Und jede alte Gasheizung, die in den kommenden Monaten durch eine Luft-Wärme-Pumpe oder eine Pelletanlage ersetzt wird, entspannt die Lage im kommenden Winter. Auch was die Kosten für jeden Einzelnen angeht: Denn die werden steigen. Unweigerlich.