Johannes M. Fischer. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Johannes M. Fischer betrachtet im Rückspiegel der vergangenen Woche das Wasser im Landkreis und den rollenden Verkehr.

EsslingenSich selbst nennt er euphemistisch „Enforcement Trailer“, doch die Tarnung fällt, sobald er aufblitzt. Wer es wohlwollend meint, würde ihn vielleicht als männlich herben Klotz beschreiben. Deshalb klingt sein Name in deutscher Sprache auch passender: Vollstreckungs-Anhänger. Dem Vollstrecker fehlt es ein bisschen an Grips, aber dafür hat er scharfe Augen und verdammt viele Muskeln. Seit etwa einem Jahr schickt die Stadt Esslingen den mobilen Blitzer auf die Straße, in dieser Zeit hat der fotografierende Anhänger mehr als anderthalb Millionen Fahrzeuge abgefertigt und 35 000 Fotos gemacht. Einmal angenommen, jeder Fahrer würde seine Abweichung vom Pfad der Verkehrstugend nur mit 30 Euro bezahlen, dann wäre es eine glatte Million, die den Herren des Haushalts selige Tränen in die Augen treiben dürfte.

Tränen der Freude auch bei allen, die wieder die Zollbergstraße befahren dürfen. Der Verkehr rollt, aber nichts ist langweiliger als Verkehr, der immer gleich rollt. An zu viel Gleichförmigkeit sollen schon Beziehungen zerbrochen sein. Weil die Verkehrsplaner in Esslingen die Fahrradfahrer besonders lieb haben, hinterließen sie ihnen einen Mast mitten auf dem Weg. Der Streich kam richtig gut an, sodass die Bauherren dem Flirt mit den Fahrradfahrern eine weitere Pointe hinzufügten. Da der Mast nun mal stand, wie er stand, zwickten sie den Autofahrern etwas Fahrbahn ab und flickten es an den Radweg dran. Im Verkehrsamtsdeutsch hieß das: „Selbst eine verbleibende Engstelle konnte durch eine Verengung der Fahrbahn erfolgreich entschärft werden.“ Ein Schelm, der denkt, es könnte sich bei so viel Wortakrobatik um eine beschönigende Floskel handeln.

Für Abwechslung im schnöden Alltag sorgten außer der Eng-Stelle noch andere Zeitgenossen. In mehreren Neckargemeinden machten sich E-Coli breit. Die Menschen wurden aufgefordert, ihr verunreinigtes Trinkwasser abzukochen, bevor sie sich damit die Zähne putzen. Im Jargon der Landeswasserversorgung nennt sich das „Abkochgebot“. Das klingt zwar nicht gerade vertrauenserweckend, aber nein, gefährlich seien die Bakterien überhaupt nicht, heißt es von Amts wegen.

Abgekocht werden auch die Sitzungsteilnehmer des Gemeinderats Neuhausen. Weil irgendjemand vergessen hatte, die Bürger einzuladen, muss eine Sommersitzung wiederholt werden. Alles nicht so schlimm, findet Bürgermeister Ingo Hacker: Die Gemeinderäte bekommen ja schließlich Sitzungsgeld. Und Geld ist offensichtlich auch genug da. Und wenn es dann doch mal alle sein sollte, könnte sich der Kämmerer von Neuhausen ja den Vollstreckungs-Anhänger aus Esslingen ausleihen.

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