Der Kreis Esslingen will seine Recyclingstationen künftig digital öffnen – ohne Personal und mit täglichen Betriebszeiten. Ein Probelauf wird ab Juli 2026 in Wolfschlugen starten.
Freiburg hat so etwas schon, Frankfurt, Essen und Potsdam ebenfalls. Und bald wird es auch in Wolfschlugen einen digitalen Recyclinghof geben. „Wir wollen vorn mit dabei sein und das mal ausprobieren“, kündigte Michael Potthast, der Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB) des Kreises Esslingen, jüngst im Kreistagsausschuss an. Das Pilotprojekt in der 6000-Seelen-Gemeinde soll zum 1. Juli nächsten Jahres starten.
Derzeit können die Kreisbewohner ihre verwertbaren Abfälle an 57 Recyclingstationen abgeben – ausschließlich innerhalb der vorgegebenen Öffnungszeiten. Die variieren jedoch von Standort zu Standort und nicht immer, räumte der AWB-Chef ein, entsprächen sie den Bedürfnissen berufstätiger Menschen. Der geplante Self-Service-Zugang würde ihnen „mehr Flexibilität bei der Abgabe der Wertstoffe ermöglichen“. Zudem kann ein digitaler Wertstoffhof laut Potthast ganz ohne Personal rund um die Uhr, sieben Tage die Woche betrieben werden.
Digitaler Recyclinghof: Kritik an geplanter Öffnung 24/7
Zumindest theoretisch. In der Praxis wird das anders aussehen. Der Projektname „Recyclinghof 24“ sei nicht ganz zutreffend, erläuterte Potthast. Ein 24-Stunden-Betrieb sei nicht geplant. Der Wertstoffhof in Wolfschlugen soll montags bis freitags von 7 bis 21 Uhr zugänglich sein, zudem laut den AWB-Plänen auch am Samstag und Sonntag jeweils von 9 bis 21 Uhr. Wolfschlugens Bürgermeister Matthias Ruckh, der für die Freien Wähler im Kreistag sitzt, forderte jedoch nachdrücklich, die Abgabemöglichkeit an Sonn- und Feiertagen auszuschließen.
Derzeit ist der Recyclinghof Mittwoch- und Freitagnachmittag geöffnet sowie am Samstagvormittag. Dabei bleibt es auch. Außerhalb dieser Zeiten erhält man künftig Zutritt nach Anmeldung. Ein 30-minütiges Zeitfenster kann man über die Homepage oder die App des AWB buchen. Dann erhält man per Mail einen QR-Code, den man am Eingang scannt. Das Tor öffnet sich automatisch und gibt den Weg frei zu einem separaten SB-Bereich auf dem Gelände.
Videoüberwachung zum Schutz vor Vandalismus
Dort stehen dann Container für Papier und Kartonagen, Baum- und Heckenschnitt, Gelbe Säcke, Styropor und Metallschrott – alles Dinge, deren Entsorgung keine persönliche Beratung erfordert. Andere Abfälle wie Sperrmüll, Bauschutt oder Elektrogeräte werden nicht angenommen. Zur Kontrolle wird der Hof videoüberwacht. Vorgesehen ist auch die Einrichtung einer zentralen Rufnummer, über die der Kunde bei Problemen Unterstützung erhält.
Der Wertstoffhof in Wolfschlugen gilt wegen seiner Lage am Ortsrand und seiner Größe als ideal für einen Testlauf. Allerdings sind laut dem AWB einige bauliche Veränderungen erforderlich. Die Investitionskosten für die Ausstattung mit Soft- und Hardware, eine entsprechende Beleuchtung, die Videoüberwachung und den elektrischen Torantrieb schlagen mit 60 000 Euro zu Buche. Die jährlichen Betriebskosten werden auf 1200 Euro beziffert.
Die Abgabemöglichkeit am Self-Service-Wertstoffhof hält Potthast für eine sinnvolle Erweiterung des bestehenden Angebots. „Wenn es gut angenommen wird, werden wir das System ausweiten.“ Gleichwohl betonte der AWB-Chef: Wegen der Gegebenheiten vor Ort kämen nicht alle Recyclinghöfe im Kreis für dieses Modell infrage. Zudem zerstreute er die Bedenken, es könnte dadurch Personal eingespart werden. „Zu den bisherigen Öffnungszeiten werden weiterhin AWB-Mitarbeiter auf dem Recyclinghof anwesend sein, auch um die Ordnung auf dem Platz sicherzustellen.“