Mit Schlusspfiff des EM-Endspiels am späten Sonntagabend haben in der Innenstadt die Abbauarbeiten begonnen. Vieles verschwindet in Windeseile, manches wird weitergenutzt – bei den Jazz Open oder beim MTV Stuttgart.
So mancher Passant reibt sich am Montagmorgen die Augen: Der Marktplatz sieht bereits ganz anders aus als noch am Vorabend. Die Abbautrupps sind hier besonders schnell angerückt. Noch in der Nacht nach dem Schlusspfiff des Endspiels der Fußball-Europameisterschaft zwischen Spanien und England ist es der ersten der vier Stuttgarter Fanzonen an den Kragen gegangen. Das Fußballfeld, in den vergangenen Wochen äußerst beliebter Treffpunkt für große und kleine Kicker, ist Geschichte. Und auch am Rest wird am Montagmorgen heftig geschraubt.
Einen Monat lang hat die Fußball-EM das Bild in der Stuttgarter Innenstadt bestimmt. Jetzt verschwinden die Aufbauten in rasanter Geschwindigkeit. Bis einschließlich Mittwoch soll dann nicht mehr viel an die Spiele, an Fanmassen und nicht unumstrittene Großsponsoren des Verbandes Uefa erinnern. Auf dem Schlossplatz wuseln Hunderte Arbeiter, zerlegen ein großes Puzzle aus Metall, Planen und Technik.
Auch auf dem Karlsplatz schwitzen die Abbauhelfer in der prallen Sonne. Unter anderem 100 Tonnen Sand des Beach-Soccer-Feldes wollen eine neue Bestimmung finden. Sie waren zuvor schon beim Kesselfestival für Beachvolleyball genutzt worden – und das wird auch ihre Zukunft sein. Die eine Hälfte wird die Anlage des MTV Stuttgart auffüllen, die andere geht nach Weil der Stadt zur Anlage des TSV Schafhausen. Vier große Lastwagen sind nötig, um das Material zu transportieren.
In Stuttgart geht es zügig mit den nächsten Großereignissen weiter. Das erklärt ein Stück weit die Eile. Während auf dem Wasen Peter Maffay und AC/DC gastieren und im Stadion Pink, wartet auch in der Innenstadt ein nahtloser Übergang. „Deshalb verschwindet nicht alles“, sagt Jörg Klopfer, Sprecher der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Die Jazz Open beginnen bereits am Donnerstag, die großen Konzerte auf dem Schlossplatz folgen ab dem 24. Juli. Den Anfang macht Herbert Grönemeyer.
Die Jazz Open nutzen die Bühne
Deshalb werden auf dem Platz, der eben noch als zentrale Fanzone von bis zu 30 000 Fußballfans angesteuert worden ist, zunächst nur die beiden riesigen Bildschirme und die Aufbauten am Rand demontiert. Am Mittwoch wird der Platz an die Veranstalter der Jazz Open, die ihren 30. Geburtstag feiern, übergeben. Dann sollen die Zäune und Zugangsportale verschwinden, ein Teil des Schlossplatzes wird wieder frei zugänglich sein. Die Bühne im Ehrenhof bleibt stehen und wird umgebaut. Auch der Plattenbelag auf dem Rasen bleibt liegen. Der Zeitplan ist eng, vor der EM war ein Streit um die Nutzung des Schlossplatzes durch die verschiedenen Veranstalter eskaliert, bis eine Lösung gefunden wurde, mit der zumindest notgedrungen alle leben konnten.
Ein besonderer Favorit der Stuttgarterinnen und Stuttgarter bleibt der Stadt ebenfalls noch ein bisschen länger erhalten. Der große Schirm auf dem Marktplatz wird noch bis zum 25. Juli stehen, also über das Sommerfestival der Kulturen, das bereits an diesem Freitag beginnt und bis zum 24. Juli dauert. Es gibt bereits Stimmen, die eine dauerhafte Nutzung fordern. Wie realistisch das ist, wird sich in den nächsten Wochen wohl erst noch zeigen müssen.
Letzte Fotos werden gemacht
Am Montag bleiben jedenfalls viele Einheimische und Touristen noch einmal stehen, um Fotos von den EM-Fanzonen zu machen. Wer das noch tun will, muss sich sputen: Bereits Mitte der Woche wird davon nicht mehr viel zu sehen sein – und der Monat, in dem der Fußball die Innenstadt geprägt hat, ist endgültig Geschichte.