Viele Lkw-Fahrer verbringen die Feiertage auf Autobahnrastplätzen, so auch an der A 8 bei Denkendorf (Kreis Esslingen). Ralf Heusel hat an sie kleine Aufmerksamkeiten verteilt.
Weihnachten können sie nicht zuhause bei ihren Familien in Litauen, Bulgarien, Polen oder Rumänien verbringen. „Das ist hart“, erzählt einer von ihnen radebrechend. „Ich habe sechs Kinder.“ Stattdessen verbringt der Lastwagenfahrer die Feiertage an der Autobahnraststätte Denkendorf – wie dutzende Berufskollegen, die wegen des gesetzlichen Fahrverbots auf dem Parkplatz der A 8 kurz vor Stuttgart gestrandet sind. Einige warten hier auf Aufträge nach den Feiertagen, andere darauf, ihre Fahrt fortsetzen zu können.
Mit Ralf Heusel haben sie nicht gerechnet. Sie schauen verdutzt, als der Pforzheimer an die Tür der Fahrerkabine klopft. „Hallo Chef, ich habe hier ein Geschenk für dich“, sagt Heusel und hält einen Stoffbeutel mit der Aufschrift „Merry Christmas“ in die Höhe. Darin befinden sich Lebkuchen und Schokolade, eine Warnweste und eine kleine Infobroschüre mit nützlichen Tipps für Trucker – in 23 Sprachen. 50 solcher Tüten der Hilfsorganisation DocStop hat er geordert. Sie sollen „ein Zeichen der Anerkennung und der Solidarität mit den Fahrern“ sein.
Wie im Vorjahr ist Heusel wieder am ersten Weihnachtsfeiertag freiwillig im Einsatz – erst in Denkendorf, danach geht es weiter zur Raststätte Sindelfinger Wald. Es sei ihm ein Bedürfnis, „den Menschen, die Weihnachten auf der Autobahn verbringen müssen, eine Freude zu bereiten“, erzählt er auf dem Weg von einem Lastwagen zum nächsten. Früher habe er selbst mal bei einer Spedition gearbeitet, heute sei er als Alltagsbegleiter tätig.
Er schenkt den Truckern nicht nur ein Süßes, sondern auch Herzenswärme. Obwohl kaum einer von ihnen Deutsch oder Englisch spricht, versucht Ralf Heusel mit jedem ins Gespräch zu kommen. Die Verständigung mit Händen und Füßen klappt nur leidlich, dennoch freuen sich die Brummifahrer sichtlich über die Anteilnahme. „Lieben Dank“, sagt der sechsfache Familienvater, ehe er sich wieder in seine Fahrerkabine setzt.